Fahrt nach Berlin

Schon zum 7. Mal fand unter diesem Motto eine Großdemonstration während der „Grünen Woche“ in Berlin statt.
18.000 Landwirte, Imker, Umweltschützer und Tierschützer und viele vor allem junge Verbraucher haben gemeinsam für eine ökologischere, ressourcenschonende, sozialverträgliche und tierschonende Landwirtschaft demonstriert.

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Auch aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgaden und Miesbach hat sich ein Bus auf den Weg gemacht. Die Fahrt hatte der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) Traunstein und Berchtesgadener Land (dessen Mitglieder auch noch das Milchsymposium in Berlin besucht haben), das Agrarbündnis BGL/TS und der Bund Naturschutz Traunstein organisiert.
Das Treffen wurde auch zu einem intensiven Meinungsaustausch über die Probleme genutzt, die den Landwirten bei ihrer täglichen Arbeit unter den Nägeln brennen.
„Unsere Landwirte haben es verdient, für gesunde Lebensmittel, die naturverträglich und ressourcenschonend produziert werden, einen fairen und kostendeckenden Preis zu bekommen“, gab der Sprecher des Agrarbündnisses Leonhard Strasser als einen Grund für die gemeinsame Fahrt nach Berlin an. Sepp Hubert und Liesi Aschauer vom BDM geht es um das Überleben der Milchviehbetriebe: „Ein Grundsatz der Betriebswirtschaft ist die an eine Nachfrage angepasste Produktion, um den Preis halten zu können. Ein Mindestlohn und ein kalkulierbares Einkommen sind dabei selbstverständlich. Das muss auch für die Milchbauern gelten, egal ob konventionell oder biologisch!“
Der Demeterbauer Alois Hainz aus Obing fordert die Bauern zum Einsatz von Futtermitteln aus dem eignen Hof auf. „Nur mit einem regionalen Nährstoffkreislauf kann grundwasserschonend und bodenschonend produziert werden.“
Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz Traunstein fährt ebenfalls seit Jahren mit Mitgliedern ihrer Kreisgruppe zur Demo nach Berlin. „Wir müssen unsere Natur und unsere Lebensgrundlagen schützen und sind zudem auf die Produktion gesunder, regionaler Lebensmittel angewiesen. Auch für die Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel brauchen wir alle noch produzierenden Landwirte. Wir haben noch eine kleinteilige Landwirtschaft mit Grünland, Biotopstrukturen, Streuobstwiesen und auch Artenreichtum im Wald und müssen uns für den Erhalt dieses „Schatzes“ einsetzen. Dafür brauchen die Landwirte nicht nur dringend eine grundlegende Veränderung in der Agrarpolitik, sondern auch die Unterstützung der Verbraucher“.
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass auch diese gemeinsame Fahrt viel zum gegenseitigen Verständnis beigetragen hat. Das ist Leonhard Strasser wichtig: „Es ist ein Anliegen des Agrarbündnisses, dass die Verbraucher und die Landwirte in unserer Region gemeinsam unsere Form der Landwirtschaft und damit unsere Landschaft erhalten und ihrer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen gerecht werden.“

Jahresrückblick 2016

Adlgaß. (al) Das in 2011 gegründete „Agrarbündnis BGL/Traunstein“, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Erzeuger von landwirtschaftlichen Produkten und Verbraucher in der Region einander näherzubringen und gemeinsam für den Erhalt einer bäuerlichen, naturverträglichen Landwirtschaft zu arbeiten. Inzwischen haben sich 15 Organisationen, die ebenfalls dieses Ziel verfolgen, in einem losen Verbund dem Bündnis angeschlossen um bei verschiedenen Angelegenheiten und Aktionen zusammen aufzutreten und ihre Meinungen und Lösungen zu Problemen darzulegen. Dabei haben sich, außer in erster Linie landwirtschaftlichen Organisationen, wie die ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, oder der BDM (Bund Deutscher Michviehhalter) auch Organisationen, wie attac Rupertiwinkel, Regionalvermarkter, Bund Naturschutz und Imker angeschlossen, die sich nicht unmittelbar mit der Landwirtschaft beschäftigen.
Um einen Eindruck von seiner Arbeit und Zielen zu vermitteln hat das Agrarbündnis einen Film mit dem Titel; „Weiloisirgendwiazamhängd“ gedreht, der inzwischen auch in Kinos gezeigt und zu einem richtigen „Hit“ geworden ist. Darin zeigen Amateurdarsteller aus dem Bündnis bei einer Tour durch die beiden Landkreise Probleme der Landwirtschaft und praktikable Lösungen dafür auf und erinnern, getreu dem Titel, dass nicht nur die regionale Landwirtschaft von hierzulande getroffenen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Entscheidungen betroffen ist, sondern diese weitreichenden Einfluss haben und sich Weltweit bemerkbar machen.
Neulich haben Mitglieder des Bündnisses und der damit assoziierten Organisationen im Gasthaus Forsthaus Adlgaß bei Inzell in einer Rückschau auf das vergangene Jahr gehalten und eine Bilanz über die Arbeit und Aktionen des Bündnisses gezogen. Die Zusammenkunft war aber auch dazu bestimmt, in einem gemütlichen und unterhaltsamen Rahmen dem Bündnis Angehörige einander näher zu bringen und weitere Termine, Ziele und gemeinsame Aktionen zu planen.
In seiner Rückschau zählte der Sprecher des Bündnisses, Leonhard Strasser, nicht weniger als 53 Einzelposten auf, also über das Jahr verteilt etwa einen pro Woche. Dabei wurden 20 Filmvorführungen von der Fürmannalm bis Trostberg und Bad Feilnbach, bei denen Mitglieder des Bündnisses für Besprechungen und Diskussionen zugegen waren erwähnt. Daneben organisierte das Bündnis auch viele Vorträge und Veranstaltungen selbst, wie jene mit Prof. Dr. Alois Heißenhuber, Kahtrin Hartmann und Hermann Pennwieser über landwirtschaftliche Belange. Zudem wurde an Aktionen gegen CETA und TTIP in der Region und in München, sowie an der Demo; „Wir haben es satt“ in Berlin teilgenommen.
Besonders erfreut zeigten sich die Bündnismitglieder über die fünf Vorführungen ihres Films, mit mehr als 1300 SchülerInnen als Zuschauern in der Berufsschule Traunstein. Natürlich ergebe sich daraus zusätzlich ein Multiplikationseffekt, durch denen die Visionen des Bündnisses noch weitere Bekanntheit erreicht und viele Menschen zum Nachdenken und Handeln anregt. Zudem freuten sich die Bündnismitglieder durch die Vorführungen die Projekte der Berufsschule unterstützt zu können, da sie dieselben Ziele verfolgen wie das Agrarbündnis.
Der Jahresrückblick wurde also nicht nur eine Erfolgsveranstaltung für das Agrarbündnis BGL/Traunstein selbst, sondern, wie sich bei der Rück- und Vorschau und durch die Zusammenarbeit der Organisationen zeigte, könnten, getreu dem Titel des Films; „Weiloisirgendwiazamhängd“ in Zukunft noch weiter reichende Wirkungen und Erfolge erzielt werden.

Ideen für eine nachhaltige Landwirtschaft

Weibhausen. (al) Leonhard Strasser, Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein konnte neulich im Gasthaus Gruber Weibhausen mit dem seit 2013 emeritierten Prof. Dr. Alois Heißenhuber einen hochkarätigen Referenten begrüßen zu einem Vortrag und einer Diskussion über Wege in eine nachhaltige Landwirtschaft. Neben dem Referenten wurden auch mehrere mit Landwirtschaft und Umwelt beschäftigte Personen aus der näheren Umgebung begrüßt, wie der Leiter des Landwirtschaftsamtes Traunstein, Alfons Leitenbacher, die Sprecherin der Ökomodellregion Waging, Marlene Berger-Stöckl, der frühere Leiter der ANL (Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege), Dr. Josef Heringer, die Sprecherin von attac Rupertiwinkel, Agnes Thanbichler und die Vorsitzenden des BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter e. V.) für die Kreise BGL, Liesi Aschauer und Traunstein, Sepp Hubert. Straßer zeigte sich auch erfreut über die vielen weiteren Besucher, die den Saal des Wirtshauses komplett füllten und meinte, dies zeige das große Interesse an einer nachhaltigen, naturgerechten Landwirtschaft.
In seiner Vorstellung und Einführung in das Referat sagte Straßer, seiner Meinung nach gebe es in der Landwirtschaft gegenwärtig eine ungerechte Förderung, die alleine die Fläche berücksichtige, nicht aber wie nachhaltig und naturgerecht diese sei. Deshalb sei er froh mit Prof. Dr. Heißenhuber, von der TU München Weihenstephan eine Koryphäe im Wissen um eine bessere Form der Landwirtschaft zu diesem Vortrag betitelt; „Visionen und Lösungsansätze für eine bäuerliche Landwirtschaft“ begrüßen zu können.
Dr. Heißenhuber begann seinen Vortrag mit der Feststellung, er teile die Landwirtschaft, ihre Bedürfnisse und Auswirkungen in mehrere Kategorien, wie Bodenbeschaffenheit, Wasserbedarf, Biodiversität, oder klimatische Bedingungen. Diese Dinge und weitere müssten in eine Bewertung mit einbezogen und ihre Effekte geprüft werden. Als Beispiel nannte Heißenhuber den Wechsel im landwirtschaftlichen Anbau von Getreide in unserer Gegend. In den 1950 Jahren seien hier vor allem Gerste, Kartoffel, Klee, und Weizen angebaut worden. Dies sei zwar in nicht geringem Maße der Not nach dem Krieg geschuldet gewesen, als Menschen und Tiere Lebensmittel und Futter zwangsläufig aus der Region beziehen mussten. In den 70-er Jahren, als die Landwirtschaft zunehmend kommerzialisiert wurde, wechselte der Anbau zu, vor Allem, Weizen, Mais und Gerste und von den 90-Jahren bis heute zu Mais und Weizen. Dieser Wechsel zu Monokulturen lauge auf Dauer den Boden aus. Zudem würden sich dadurch die Probleme „aufschaukeln“ und immer größer werden. Als Auswüchse davon zitierte Heißenhuber die große Dürre in den 30-er Jahren in Süddakota (USA). Damals war über viele Jahre nur Mais angebaut worden und die dadurch entstehende Bodenerosion habe die Bauern regelrecht von ihrem Land vertrieben. Sie endeten ab als Flüchtlinge im eigenen Land und mussten zumeist nach Kaliforniern ziehen, um dort als unterbezahlte „Fruitpickers“, Früchtepflücker, ihr Leben zu fristen, wie in John Steinbecks Roman; „Die Früchte des Zorns“ beschrieben. Steinbeck habe darin aber nur die sozialen Auswirkungen der Bodenerosion, nicht aber die ökologischen veranschaulicht, sagte Heißenhuber. Es gebe auch bei uns jetzt Parallelen dazu, wie ein großer Staubsturm vor einigen Jahren in Mecklenburg-Vorpommern zeigte, durch den auf einer Autobahn zwischen Rostock und Hamburg viele Unfälle verursacht worden seien. Ein Problem bei dieser auf Größe ausgerichteten, industriellen Landwirtschaft spielten auch Investoren, die Land aufkauften und sie dann nur dem erwirtschafteten Profit gemäß beurteilten.
Die Ursachen für diese Entwicklungen lägen zum Einen in den technischen, die es durch immer größere Erntemaschinen ermöglichten diese Monokulturen zu bewirtschaften und in der Politik, die dies fördere. Vielmehr sollte eine Landwirtschaft angestrebt werden, die alle Gegebenheiten für den Ackerbau, die Bodenfruchtbarkeit, Wasserverfügbarkeit, die Eignung des Bodens für bestimmte Getreidesorten, deren Nährstoffverbrauch sowie die Möglichkeiten der Bodenregenerierung in Betracht ziehe. Nicht hilfreich seien dabei Dinge wie die Gentechnik, meinte Heißenhuber, denn diese fördere, neben anderen Auswirkungen, die Verwendung von Pestiziden und Herbiziden, die zum Einen die Biodiversität zerstörten und zum Anderen die Resistenz gegen diese Mittel erhöhten, sodass immer mehr davon erforderlich wären. Dadurch würde auch die Abhängigkeit der Bauern von einigen wenigen großen Chemiekonzernen immer eklatanter. Nebenbei würden auch für die Bestäubung notwendige Insekten, wie Bienen, durch die Gentechnik und ihre Folgen schwer beeinträchtigt.
Ein weiteres Problem kreiere die industrielle Landwirtschaft durch die auf Export orientierte Massentierhaltung, sagte Dr. Heißenhuber. Das dabei erzeugte Fleisch werde billig verramscht oder exportiert und die Abfälle, wie Gülle, blieben hier. Diese Gülle werde dann großenteils auf Felder und Weisen ausgebracht und verseuche das Grundwasser. Zudem sei erwiesen, dass zu viel Gülle und die damit einhergehende Nitratbelastung Böden weniger fruchtbar machten, den Ertrag verminderten und somit genau das Gegenteil verursachten, für das sie ursprünglich verwendet würden.
Dr. Heißenhuber forderte deshalb von der Politik ein Umdenken, das er übrigens auch von Bauern und Verbrauchern forderte und eine Konzentration auf eine kleiner strukturierte, die Bodengegebenheiten und die Natur berücksichtigende Landwirtschaft. Dazu brauche es eine Abkehr von der Flächenförderung, hin zu einer Förderung, welche die oben genannten Kriterien als Prioritäten anerkenne. Deshalb müssten die verschiedenen Bedingungen für die Landwirtschaft und wie der einzelne Bauer wirtschaftet in die Höhe der Förderungen mit einbezogen werden. Bauern sollten für mit ihren Produkten erbrachte Leistungen bezahlt werden, nicht mit einer an Flächen gebundenen Prämie. Durch eine solche, nicht auf Überproduktion und Export orientierte Landwirtschaft könnten schlussendlich Förderungen vermindert, oder ganz eingestellt werden, meinte Heißenhuber. Diese Orientierung wäre auch gut für Bauern und Verbraucher, denn sie würde regionale Strukturen stärken und zu einer in der Region gesicherten Versorgung mit wesentlichen Lebensmitteln sorgen. Um eine solche Landwirtschaft zu erreichen müssten aber auch Verbraucher überzeugt und eingebunden werden, meinte Heißenhuber. „Wir können nur auf Probleme hinweisen und sie aufzeigen, aber die Umsetzung von Lösungen ist oft schwierig“, meinte Dr. Heißenhuber abschließend.
Leonhard Strasser fügte hinzu, er hoffe, dieser Vortrag würde Bauern zum Selbst-Nachdenken anregen und zu einem gegenseitigen Anspornen zwischen Bauern und Verbrauchern, hin zu einer naturgerechten Landwirtschaft führen.
In der Diskussion wurde bemängelt, Politik und einige Verbände hätten bisher dazu angeregt, immer größere Ställe zu bauen und mehr zu produzieren. Auszeichnungen seien an jene verliehen worden, die am meisten Produzierten und nicht jene, die naturgerecht arbeiteten. Es sei aber nicht angebracht nur auf Bauern zu schimpfen, sondern es müssten die hinter der gegenwärtigen Landwirtschaft stehende Philosophie, Strukturen und politischen Gegebenheiten angeprangert werden. Bemängelt wurde auch die eng begrenzte, oft interessenorientierte landwirtschaftliche Forschung und die damit zusammenhängende Ausbildung und Beratung von Bauern.
Das Verbleiben und untereinander Diskutieren nach der Verabschiedung durch Leonhard Straßer zeigte der Vortrag hatte seine Wirkung auf die Anwesenden nicht verfehlt.

Der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, Leonhard Straße (r.) bedankte sich mit einer Brotzeitplatte aus der Region bei Prof. Dr. Heißenhuber für dessen interessanten Vortrag.						Foto: Alois Albrecht

Der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, Leonhard Strasser bedankte sich mit einer Brotzeitplatte aus der Region bei Prof. Dr. Heißenhuber für dessen interessanten Vortrag.Foto: Alois Albrecht

Zukunftswald im Seebadholz

Unser Bündnispartner der Ökologische Jagdverein lud zu einen Waldbegang am Abtsdorfer See ein.

Zeitgemäße Jagd lässt den Wald wachsen – Ökologischer Jagdverein unterwegs mit Sepp Ratzesberger

Von Hannes Höfer

Laufen. Seinerzeit habe er gelernt, Tannenverjüngung sei eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt, erzählte ein Forstmann jenseits der 50. Dass dies aber auch ganz von selber geht, zeigt das Revier von Sepp Ratzesberger nahe des Laufener Abtsees. Dort werden die Tannen schon fast zu viel. Der Ökologische Jagdverein Südostbayern hatte eingeladen zu einer Exkursion in einen Wald mit sehr viel Naturverjüngung – und das ganz ohne Zaun.

Die sprichwörtliche Bauernschläue gesteht Sepp Ratzesberger den Bauern durchaus zu, wenn es aber um ihren Wald gehe, seien sie nicht selten „dumm wie die Nacht finster.“ Viele reagierten nicht, pflichtete ihm der Fridolfinger Hans Praxenthaler bei, sie resignierten in der Meinung: „Da wachst eh nix.“ Dabei wachse einem das Holz wahrlich über den Kopf – wenn die Jagd stimme. „Seid’s g’scheid“, appellierte Ratzesberger an die Bauern, „lasst Euch nicht alljährlich mit einem Rehessen abspeisen.“ Diejenigen, die so etwas hören sollten, seien leider nicht dabei, bedauerte einer der gut 20 Teilnehmer.

565 Hektar groß ist das Heiniger Revier, davon rund 100 Hektar Wald, von denen Ratzesberger seit 30 Jahren etwa 50 Hektar bejagt. Trophäenjagd war nie das seine; Einzel- und Sammelansitz sind seine Methoden, um die Anzahl der Rehe und damit den Verbiss von Jungbäumen auf einem erträglichen Maß zu halten. „Rehe sind nicht meine Feinde“ stellte er klar, „ich mag sie.“ Randstreifen an Wiesen und Feldern bieten ihnen hier auch außerhalb des Waldes Äsung. Kitze mit 14, 15 oder gar 16 Kilo sieht Ratzesberger als Bestätigung, dass es drei Sieger dabei gibt: Den Waldbauern, den Jäger und das Reh. Er will keine Zäune, denn ein Zaun bedeute immer „Wald ohne Wild“.

„Lasst Euch von der Natur einstreuen“, warb Ratzesberger für die „Mutter des Waldes“, die Buche, deren Laub einer Versauerung des Bodens entgegenwirke; ein Boden, der so auch die Vermehrung der Gebirgsfichtenblattwespe in Grenzen halte. „Faszinierend“, kommentierte ein Waldbauer aus Raitenhaslach den Anblick der Naturverjüngung, „bei uns passt das seit Jahrzehnten nicht.“ Bloß interessiere das eben nur wenige. Einen Lichtblick gibt es dort gleichwohl: Mit Unterstützung des Burghausener Bürgermeisters, dessen Stadt mit immerhin 20 Prozent einen großen Teil der betreffenden Fläche besitze, habe man seit 1. April 2016 die Eigenjagd durchgebracht.

„Die Jagd gehört uns“, sagte ein Waldbauer zu diesem Thema. Ein gutes Beispiel in der Region: Kay, wo es die Bauern selbst in die Hand genommen hatten. „Die Jagd leistet die Vorarbeit für die Wälder der Zukunft“, meint Ratzesberger, denn die würden vermutlich anders aussehen als heute. „Wir werden einen Teil der Fichte verlieren“, ist er überzeugt. Vielleicht sei das mit der Douglasie zu kompensieren, die bis vor der letzten Eiszeit auch hierzulande heimisch war. 2.300 Stück hat Ratzesberger davon bereits gepflanzt, von denen manche inzwischen gelb werden, was er auf örtliche Bodenverdichtung zurückführt, wohingegen Praxenthaler partiell zu viel Kalk im Boden dafür verantwortlich macht.

Gleich wie: Der Zukunftswald müsse eine Mischung sein aus Fichte, Tanne, Buche, Ahorn und anderen mehr, war man sich am Abtsee einig. Ratzesberger sieht sich und die Seinen auf einem guten Weg, denn die jungen Bauern würden sich nicht mehr so viel gefallen lassen. Das Engagement des Jägers und Naturschützers genießt hohe Akzeptanz. So hat er mitsamt Bauern und Jägern im Revier Heining bereits 1,7 Kilometer Hecken gepflanzt, als Lebensraum, als Wind- und Erosionsschutz. Ratzesberger setzt auf beständige Jäger, die jedoch insgesamt noch dünn gesät seien, wie Stefan Zauner bedauerte. Eine Entwicklung sieht der erste Vorstand des Ökologischen Jagdvereins in Südostbayern unbestritten: „Dort wo der Wildbestand passt, gibt es kaum mehr Wildunfälle“, denn der soziale Stress würde das Wild umtreiben. Und der Forstmann jenseits der 50 gestand bei der abschließenden Brotzeit: „Man hat uns sehr, sehr viel Schmarr’n beigebracht.“

Attac sagt, irgendwie hängt Alles zusammen

Attac, unser Agrarbündnispartner zeigte in Kirchstein unseren Film

Kirchstein. (al) Der Film des Agrarbündnisses BGL / Traunstein mit dem sperrigen Titel, „Weioisirgendwiazamhängd“ ist inzwischen schon in mehreren Lokalitäten, an Filmabenden in Gasthäusern, in Schulen gezeigt worden und er wird demnächst auch in Kinos erscheinen. Zur ziemlichen Überraschung, sogar seiner Produzenten, es sind lediglich LaienschauspielerInnen die darin mitwirken, hat der Film großen Erfolg und überall viele Zuschauer. Das muss wohl an seiner Botschaft liegen, denn er befasst sich mit Themen, die zwar vor allem in der Region und in der Landwirtschaft eine Rolle spielen, aber auch ein Licht auf unsere Wirtschafts- und politischen Systeme insgesamt werfen. Agnes Thanbichler, Sprecherin von attac Rupertiwinkel, konnte im voll besetzten Saal der Alten Schule in Kirchstein neben Pfarrer Siegfried Fleiner und Dr. Josef Heringer, der frühere Leiter der ANL (Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege) auch mehrere der Initiatoren und Mitwirkenden im Film begrüßen.
Der Unterschied bei der Vorführung des Films neulich bei der attac Rupertiwinkel Gruppe in Kirchstein bestand in der Diskussion danach. Dabei konnten die Besucher nicht nur den Film selbst kommentieren, sondern auch die Themen, die er anspricht. Wie es scheint, sind die Zusammenhänge vielerlei Aspekte in den Wirtschafts- und politischen Systemen komplex genug, um manchmal sogar Experten den Durchblick verlieren zu lassen. In seiner manchmal vereinfachten, aber auch klaren Darstellung von Zusammenhängen liegt wohl die Stärke des Films. Dabei werden Fragen gestellt, wie es sein könne, dass die EU einerseits die Landwirtschaft in Burkina Faso mit Fördergeldern unterstütze, andererseits aber diese Landwirtschaft mit billigen Importen von für den Export subventioniertem deutschem Milchpulver zerstöre. Zugleich würden Milchbauern hierzulande durch niedrige Milchpreise ebenfalls finanziell in die Enge getrieben. Die Ursache dafür sei eine auf den Weltmarkt und den Export orientierte und von der Politik gewollte Überproduktion, nach dem Motto; „Wachsen oder Weichen“, wurde sowohl im Film als auch der Diskussion festgestellt.
Im Film ging es natürlich nicht nur um die Milch, sondern ebenso viele weitere Probleme für Landwirtschaft und Umwelt. Zum Beispiel wurde der Import von Kraftfutter aus Südamerika angeprangert. Dieses Kraftfutter könnte auch hier produziert werden und sogar gut für die Bodenbeschaffenheit sein. Kritisiert wurden ebenfalls, sowohl im Film als der Diskussion hernach die Monokulturen, die den Boden auslaugen.
In der Diskussion wurde gefragt, ob geplant sei den Film auch in anderen Regionen zu zeigen, um vielleicht in einer größeren Umgebung das Bewusstsein über absolut nötige Änderungen in der Landwirtschaft zu wecken und zu schärfen. Nach dem Erfolg, den der Film in der heimischen Gegend habe, läge es doch nahe dies zu tun. Leonhard Straßer, einer der Initiatoren des Films und Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, antwortete, es seien Ideen in diese Richtung in der Diskussion innerhalb des Bündnisses und erste Verbindungen geknüpft worden. Allerdings müsse dabei bedacht werden, der Inhalt des Films sei nicht überall in derselben Form zutreffend und exakt übertagbar. Aber er präsentiere sicher eine Möglichkeit, das in der Diskussion erwähnte Bewusstsein zu schärfen und zu fördern.
Agnes Thanbichler dankte abschließend den vielen Besuchern für ihr Interesse und die rege Teilnahme an der Diskussion und den Initiatoren und Produzenten des Films für die Mühe den Film zu machen. Thanbichler versprach auch weiterhin politische und wirtschaftliche Themen aufzugreifen und zu versuchen diese in die Öffentlichkeit zu bringen.

Einige der Initiatoren und Mitwirkenden im Film „Weioisirgendwiazamhängd“ nach der Präsentation des Film und der Diskussion bei attac Rupertiwinkel in Kirchstein; v. l.: Georg Planthaler, Leonhard Straßer, Michael Steinmaßl, Agnes Thanbichler, Liesi Aschauer, Albert Aschauer und Sepp Hubert. Foto: Alois Albrecht

Einige der Initiatoren und Mitwirkenden im Film „Weioisirgendwiazamhängd“ nach der Präsentation des Film und der Diskussion bei attac Rupertiwinkel in Kirchstein; v. l.: Georg Planthaler, Leonhard Straßer, Michael Steinmaßl, Agnes Thanbichler, Liesi Aschauer, Albert Aschauer und Sepp Hubert.
Foto: Alois Albrecht

Presseartikel zur Filmvorführung im Gut Edermann

Weioisirgendwiazamhängd“
Holzhausen. (al) Der Name sagt eigentlich Alles und der Film zeigt das auch. Es ist ein kleiner, auf den ersten Blick unscheinbarer Film, gemacht von Filmemacher Erwin Mertl und AmateurdarstellerInnen des Agrarbündnisses BGL / Traunstein. Das Bündnis, in dem die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), der BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter), der Bund Naturschutz, Zivilcourage, Slow Food, Star…mach mit, die Direktvermarkter zwischen Watzmann und Waginger See, Attac Rupertiwinkel, Forum Ökologie Traunstein, die Bienenzüchter Kreisverbände BGL und Traunstein, das Eine Welt Forum Bad Reichenhall, die Solidargemeinschaft BGL und der Arbeitskreis Eine Welt Teisendorf vertreten sind, will damit Zusammenhänge und Auswirkungen von Landwirtschaft und unserer Wirtschaftsweise auf Mensch und Natur veranschaulichen. Der Film beschäftigt sich aber nicht nur mit den „naheliegenden“ Effekten, die eine industrielle und kurzsichtige Wirtschaftsweise verursachen, sondern auch mit jenen in fernen Ländern.
Neulich wurde der Film im Gut Edermann in Holzhausen gezeigt und hatte auch dort den Erfolg, den er schon bei früheren Aufführungen in anderen Lokalitäten hatte. Etwa 200 Leute waren gekommen um sich durch den Film ein Bild von den Auswirkungen einer industriellen und rein kapitalorientierten Landwirtschaft, sowie möglichen Alternativen dazu zu machen. Unter den Besuchern war auch der sich sehr mit Auswirkungen der Wirtschaft im sozialen Bereich befassende Pfarrer Siegfried Fleiner aus Kirchstein, ein Gründungsmitglied der „attac Gruppe Rupertiwinkel“. Zudem konnte Leonhard Strasser, einer der Initiatoren, treibenden Kräfte und Sprecher des Agrarbündnisses, auch den 2. Bürgermeister von Saaldorf – Surheim, Andreas Buchwinkler, den Vorsitzenden der Schlachtvieh EG, Hans Grabner und MdL Gisela Sengl, die Agrarpolitische Sprecherin der Grünen begrüßen.

Einige der AkteurInnen im Film mit dem Gastgeber des Abends, Michael Stöberl, Direktor des Gut Edermann (4.v.l.) und Filmemacher Erwin Mertl (r.), v. l.; Albert Aschauer, Sepp Hubert, Liesi Aschauer, Michael Stöberl, Gertraud Gafus, Leonhard Strasser, Georg Planthaler und Erwin Mertl. Fotos: Alois Albrecht

Einige der AkteurInnen im Film mit dem Gastgeber des Abends, Michael Stöberl, Direktor des Gut Edermann (4.v.l.) und Filmemacher Erwin Mertl (r.), v. l.; Albert Aschauer, Sepp Hubert, Liesi Aschauer, Michael Stöberl, Gertraud Gafus, Leonhard Strasser, Georg Planthaler und Erwin Mertl.
Fotos: Alois Albrecht

In seinem Grußwort sagte der Direktor des Gut Edermann, Michael Stöberl, das Hotel sei sehr an seiner regionalen Ausrichtung interessiert und er wolle deshalb dem Agrarbündnis eine Stimme geben.
Die herrliche Landschaft macht es dem Film leicht, nicht nur mit seinen Aussagen zu glänzen, sondern auch mit den Bildern, die diese Region von Natur aus liefert. Durch den Film führt Georg Planthaler, selbst Bauer, der im Film mehrere Bauernhöfe und Geschäfte besucht, die ihre Anliegen vorbringen und aus ihrer Sicht brauch- und machbare Lösungen anbieten. Diese Lösungen zeigen immer, dass sie aus der Praxis kommen und nicht von abgehobenen Ämtern und Behörden verordnet würden. Besonderes Augenmerk wird auch darauf gelegt, eine naturgerechte Arbeitsweise zu propagieren und die Argumente von an industrieller Landwirtschaft interessierten Verbänden und Konzernen und deren Versprechen von immerwährend möglichem Wachstum zu widerlegen.
Aufgegriffen wurden Themen wie die viel zu niedrigen Milchpreise für unsere heimischen Bauern, die dazu angestachelt werden immer mehr zu produzieren, wobei ein Zusammenhang mit dem Weltmarkt hergestellt und die Preise noch weiter in den Keller getrieben würden. Ein weiterer Zusammenhang besteht zwischen dem niedrigen Einkommen der Milchbauern und dem Kraftfutter, das aus fernen Ländern importiert wird. Die Kosten für Kraftfutter könnten substantiell gesenkt werden, wenn das importierte durch selbsterzeugtes ersetzt würde. Die diesbezüglichen Möglichkeiten werden im Film durch den Vorsitzenden des BDM (Bund Deutscher Milcherzeuger) für den Kreis Traunstein, Sepp Hubert veranschaulicht. Damit könnte der Einfluss des Milch – Weltmarktpreises für unsere Bauern zumindest verringert, die Luftverschmutzung durch den Transport und die Kosten für Kraftfutter vermindert werden.
Besuche im Weltladen Teisendorf und bei einem Bäcker in der Region, der seinen Teig aus strikt regionalen Zutaten herstellt, zeigten einerseits wie auch Bauern in Entwicklungsländern geholfen werden kann und andererseits Optionen für regional erzeugte Lebensmittel. Einen Zusammenhang stellte der Film auch her, zwischen von der EU subventionierten Exporten von billigem Hühnerfleisch und anderen landwirtschaftlichen Produkten und der dadurch bewirkten Zerstörung von Märkten und bäuerlichen Existenzen in Entwicklungsländern.
Aufgezeigt ebenfalls die Verbindung von Bodenerosion und Monokulturen, die den Boden auslaugen und zudem die Artenvielfalt verringern. Als Lösungsansatz werden der Anbau von Mischkulturen, heimischem Getreide und Rotation beim Anbau vorgeschlagen. Dasselbe gelte für den Wald, wird im Film gesagt. Auch hier gelte ein Mischwald als weniger anfällig in Bezug auf Schädlinge und den Klimawandel. Zudem würde eine selektive Forstwirtschaft statt eines Kahlschlages für gesündere Wälder sorgen.
Imker Simon Angerpointner prangerte den Schwund von Wildblumen durch das frühe und häufige Mähen und den Gebrauch von chemischen Keulen bei der Unkrautkontrolle an. Bienen seien extrem gefährdet dadurch und die Honigernten sehr beeinträchtigt.
Im Film werden noch viele weitere Themen, wie der Almwirtschaft, Anliegen des Bund Naturschutz und vielem mehr behandelt und dabei Zusammenhänge hergestellt, die den Titel „Weioisirgendwiazamhängt“ voll rechtfertigen. Abschließend zu dieser Vorstellung wurden noch kurze, oft sehr humorvolle Episoden gezeigt, die sich während der Dreharbeiten mit den AmateurdartellerInnen ergaben und dem Film einen besonderen Charme verleihen.
Wie sich jetzt, nach nur einigen öffentlichen Vorführungen abzeichnet, stößt der Film auf großes Interesse. Das Agrarbündnis weist mit ihm Publikumswirksam auf Probleme unserer modernen Landwirtschaft hin und offeriert gleichzeitig mögliche Lösungsansätze. Der Applaus an diesem Abend und die Glückwünsche, die den Filmemachern übermittelt wurden, machten deutlich, sie haben mit ihrem Film einen „Hit“ gelandet und zeigen damit Zusammenhänge auf, die so kaum zur Sprache gebracht werden. Jetzt freuen sich die Filmemacher auf weitere Vorführungen.

Gegen das „ewige Wachsen oder Weichen“

Presseartikel von Hans Eder zum Film „Weiloisirgendwiazamhängd“

Gegen das „ewige Wachsen oder Weichen“
Landwirte, Gärtner, Imker, Bäcker und Direktvermarkter zeigen Alternativen auf

Landkreise Traunstein/Berchtesgadener Land. Engagierte Mitglieder des Agrarbündnisses Berchtesgadener Land-Traunstein haben sich in den letzten zwei Jahren neben der Arbeit auf ihren Höfen auch als Schauspieler betätigt. Ein gutes Dutzend von ihnen, darunter der Sprecher des Agrarbündnis BGL/TS Leonhard Strasser, die BDM-Vorsitzenden der beiden Landkreise, Liesi Aschauer und Sepp Hubert, sowie die AbL-Bundesvorsitzende Gertraud Gafus, folgte den Anweisungen von Kameramann Erwin Mertl und trug so dazu bei, dass ein gut eineinhalbstündiger Film entstand, der positive Ansätze in Landwirtschaft und regionaler Vermarktung aufzeigen sollte.

Im Agrarbündnis sind zahlreiche Vereine und Organisationen zusammengeschlossen, die ein Ziel gemeinsam haben: eine Neuausrichtung der Agrarpolitik, die sozial gerecht, bäuerlich, ökologisch und umweltschonend sein soll. Dass die derzeitige Landwirtschaft diese Voraussetzungen nicht erfüllt, davon sind die Mitgliedsverbände überzeugt; vielmehr ist man der Meinung, dass die Landwirtschaft in eine Richtung gelenkt werde, die weder für die Bauern zukunftsfähig noch für die Verbraucher gut ist und die auf Dauer die natürlichen Lebensgrundlagen zerstöre.

Beim Agrarbündnis mit dabei sind unter anderem die folgenden Organisationen: BDM, Bund Naturschutz, Aktion Zivilcourage, Forum Ökologie, attac, AbL, Eine-Welt-Forum Bad Reichenhall und Slow Food. Trotz ihrer zahlreichen Informationsveranstaltungen dürften sich dessen Mitglieder oft wie die Rufer in der Wüste vorkommen, die zwar lautstark aufrütteln wollen, aber nur von wenigen gehört werden. Dies erkennend, haben sich die Verantwortlichen nun ein Medium ausgesucht, von dem sie sich eine große Breitenwirkung erhoffen: einen Film. Über eineinhalb Stunden zeigen Landwirte, Gärtner, Imker, Bäcker und Direktvermarkter Alternativen auf, die im Kleinen funktionieren und die – so die Überzeugung und die Botschaft des Films und seiner Macher – ein Beispiel für die gesamte Landwirtschaft sein könnten.

Das Drehbuch ist ganz einfach gestrickt: Schorsch Planthaler fährt mit seinem knallgelben almgängigen Traktor durch die beiden Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land und besucht Betriebe, die auf ihre Weise Pioniere einer zukunftsweisenden Landwirtschaft, Bodenbewirtschaftung und Vermarktung sind. Denn man wollte ja nicht jammern, sondern Alternativen aufzeigen.

Da ist etwa Sepp Hubert aus Reichersdorf in der Gemeinde Kirchanschöring. Er fordert als Traunsteiner Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM), dass bei der Milch die Nachfrage dem Angebot angepasst werden müsse. Gleichzeitig spricht er sich massiv gegen Agrogentechnik aus. Und dann zeigt er stolz sein Getreidefeld aus einem Gemenge verschiedener Sorten, das weder Spritzen noch Düngen braucht: „Mia importiern Fuadamittl, dann exportiern ma d’Milli , und de Scheisse bleibt bei uns da. Und dann wundern mia uns, wenn der Waginger See überdüngt is. Aber mia werdn ois macha, dass des anders werd.“

Gehört der Betrieb von Sepp Hubert eher zu den großen in der Region, so ist die Landwirtschaft von Liesi und Albert Aschauer in Gumperting bei Teisendorf ein Beispiel für die immer mehr abnehmenden kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Dabei bräuchten gerade diese dringend einen Milchpreis von 40 bis 50 Cent, fordert Liesi Aschauer, die Kreisvorsitzende des BDM im Berchtesgadener Land: „So wie jetzt mit einem Milchpreis von 25 Cent kann kein Bauer überleben, egal ob groß oder klein, weil er mit jedem Liter draufzahlt.“

So geht die Reise von Moderator Schorsch Planthaler zu einem runden Dutzend von Höfen; von jedem von ihnen nimmt er Anregungen mit, wohin eine zukunftsweisende Landwirtschaft gehen sollte. Sepp Probst aus Chieming zeigt auf, wie man mit der richtigen Fruchtfolge auch ohne Spritzmittel Getreide anbauen kann. Hans Praxenthaler aus Fridolfing und Leonhard Strasser aus Wonneberg führen naturnahe Waldbewirtschaftung vor, und Imker Simon Angerpointner schildert die Situation der Bienen, denen durch den frühen Mähzeitpunkt und das Verschwinden von Blütenpflanzen nach und nach die Lebensgrundlage genommen wird. Walter Gründl vom Umweltgarten in Wiesmühl an der Alz bezeichnet es als „Wahnsinn“, dass bei uns auf den besten Böden Futter für die Biogasanlagen angebaut wird, während gleichzeitig Eiweißfutter aus Südamerika eingeführt werden muss.

Die in der kleinstrukturierten Landwirtschaft erzeugten Produkte brauchen auch die richtigen Vermarktungsvoraussetzungen. Ob der Bauernmarkt in Traunstein, der Eine-Welt-Laden in Teisendorf, der Laden vom „Gmias-Miche“ Michael Steinmaßl in Kirchanschöring: Sie und viele andere kleine Unternehmungen mehr bringen die regional erzeugten Produkte unter die Leute.

Steinmaßl führt vor, wie man mit biologischer und regionaler Erzeugung und Vermarktung auch von einem Betrieb den Lebensunterhalt für eine Familie erwirtschaften kann, der gerade mal vier Hektar groß ist: „Ja mei, mia san a kloane Landwirtschaft gwen, meine Eltern hams im Nebenerwerb gmacht. Für mi und mei Familie langt de kloane Fläche, dass ma überleben kinnan.“

Ähnliche Wege geht auch Gertraud Gafus hoch droben auf der Fürmann-Alm bei Anger: Von der arbeitsintensiven Almbewirtschaftung allein lässt sich kaum leben, die Gastronomie sorgt hier für den notwendigen Zuverdienst. Und als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisiert sie heftig die Verwendung von Round-up und bedauert, dass der Großteil der Politiker nicht die Courage habe, für die Menschen zu stimmen – sondern eben für die Großindustrie und deren Produkte: „Dass des ewige Wachsen oder Weichen heid no offen propagandiert werd, is a Blädsinn. Eigentlich moant ma Weichen, damit da andere wachsen kann.“

So wollen die Verantwortlichen des Agrarbündnisses mit ihrem Film Anregungen weitergeben und die Öffentlichkeit wachrütteln. Konsumenten und Produzenten sollen Denkansätze vermittelt werden, damit die Umwelt zu ihrem Recht kommt und dass – ganz und gar nicht zuletzt – die bäuerlichen Familienbetriebe für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Damit das möglich ist, müssen baldmöglichst die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sie auch die Gegenwart überleben. Dazu darf die Landwirtschaft nicht auf die Lieferung billiger Rohstoffe für die Lebensmittelproduktion reduziert werden – zum Schaden von Natur, Tier und Mensch.

Die bäuerliche Kulturlandschaft zu schützen, die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern zu schätzen, den Tierschutz ernst nehmen und fairen Handel und Klimaschutz in die Überlegungen mit einzubeziehen: Das fordert das Agrarbündnis – und diese Botschaft möchte der aktuelle Film weitergeben. Denn es hängt alles miteinander zusammen, und keines kann und darf vom anderen getrennt werden; daher heißt der Film auch „Weiloisirgendwiazamhängd“ („Weil alles irgendwie zusammenhängt“).

Bei alledem wird auch an die Mitverantwortung der Bauern appelliert, sich auch selber – jeder in seinem Bereich – für eine Änderung der Rahmenbedingungen einzusetzen, weg von dem viel gepredigten „Evangelium“, dass der Export es schon richten würde, und hin zu regionalen Strukturen, die umweltfreundlich sind und die letztlich der Landwirtschaft zu einem partnerschaftlichen Miteinander mit den Konsumenten verhelfen. He