Zukunftswald im Seebadholz

Unser Bündnispartner der Ökologische Jagdverein lud zu einen Waldbegang am Abtsdorfer See ein.

Zeitgemäße Jagd lässt den Wald wachsen – Ökologischer Jagdverein unterwegs mit Sepp Ratzesberger

Von Hannes Höfer

Laufen. Seinerzeit habe er gelernt, Tannenverjüngung sei eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt, erzählte ein Forstmann jenseits der 50. Dass dies aber auch ganz von selber geht, zeigt das Revier von Sepp Ratzesberger nahe des Laufener Abtsees. Dort werden die Tannen schon fast zu viel. Der Ökologische Jagdverein Südostbayern hatte eingeladen zu einer Exkursion in einen Wald mit sehr viel Naturverjüngung – und das ganz ohne Zaun.

Die sprichwörtliche Bauernschläue gesteht Sepp Ratzesberger den Bauern durchaus zu, wenn es aber um ihren Wald gehe, seien sie nicht selten „dumm wie die Nacht finster.“ Viele reagierten nicht, pflichtete ihm der Fridolfinger Hans Praxenthaler bei, sie resignierten in der Meinung: „Da wachst eh nix.“ Dabei wachse einem das Holz wahrlich über den Kopf – wenn die Jagd stimme. „Seid’s g’scheid“, appellierte Ratzesberger an die Bauern, „lasst Euch nicht alljährlich mit einem Rehessen abspeisen.“ Diejenigen, die so etwas hören sollten, seien leider nicht dabei, bedauerte einer der gut 20 Teilnehmer.

565 Hektar groß ist das Heiniger Revier, davon rund 100 Hektar Wald, von denen Ratzesberger seit 30 Jahren etwa 50 Hektar bejagt. Trophäenjagd war nie das seine; Einzel- und Sammelansitz sind seine Methoden, um die Anzahl der Rehe und damit den Verbiss von Jungbäumen auf einem erträglichen Maß zu halten. „Rehe sind nicht meine Feinde“ stellte er klar, „ich mag sie.“ Randstreifen an Wiesen und Feldern bieten ihnen hier auch außerhalb des Waldes Äsung. Kitze mit 14, 15 oder gar 16 Kilo sieht Ratzesberger als Bestätigung, dass es drei Sieger dabei gibt: Den Waldbauern, den Jäger und das Reh. Er will keine Zäune, denn ein Zaun bedeute immer „Wald ohne Wild“.

„Lasst Euch von der Natur einstreuen“, warb Ratzesberger für die „Mutter des Waldes“, die Buche, deren Laub einer Versauerung des Bodens entgegenwirke; ein Boden, der so auch die Vermehrung der Gebirgsfichtenblattwespe in Grenzen halte. „Faszinierend“, kommentierte ein Waldbauer aus Raitenhaslach den Anblick der Naturverjüngung, „bei uns passt das seit Jahrzehnten nicht.“ Bloß interessiere das eben nur wenige. Einen Lichtblick gibt es dort gleichwohl: Mit Unterstützung des Burghausener Bürgermeisters, dessen Stadt mit immerhin 20 Prozent einen großen Teil der betreffenden Fläche besitze, habe man seit 1. April 2016 die Eigenjagd durchgebracht.

„Die Jagd gehört uns“, sagte ein Waldbauer zu diesem Thema. Ein gutes Beispiel in der Region: Kay, wo es die Bauern selbst in die Hand genommen hatten. „Die Jagd leistet die Vorarbeit für die Wälder der Zukunft“, meint Ratzesberger, denn die würden vermutlich anders aussehen als heute. „Wir werden einen Teil der Fichte verlieren“, ist er überzeugt. Vielleicht sei das mit der Douglasie zu kompensieren, die bis vor der letzten Eiszeit auch hierzulande heimisch war. 2.300 Stück hat Ratzesberger davon bereits gepflanzt, von denen manche inzwischen gelb werden, was er auf örtliche Bodenverdichtung zurückführt, wohingegen Praxenthaler partiell zu viel Kalk im Boden dafür verantwortlich macht.

Gleich wie: Der Zukunftswald müsse eine Mischung sein aus Fichte, Tanne, Buche, Ahorn und anderen mehr, war man sich am Abtsee einig. Ratzesberger sieht sich und die Seinen auf einem guten Weg, denn die jungen Bauern würden sich nicht mehr so viel gefallen lassen. Das Engagement des Jägers und Naturschützers genießt hohe Akzeptanz. So hat er mitsamt Bauern und Jägern im Revier Heining bereits 1,7 Kilometer Hecken gepflanzt, als Lebensraum, als Wind- und Erosionsschutz. Ratzesberger setzt auf beständige Jäger, die jedoch insgesamt noch dünn gesät seien, wie Stefan Zauner bedauerte. Eine Entwicklung sieht der erste Vorstand des Ökologischen Jagdvereins in Südostbayern unbestritten: „Dort wo der Wildbestand passt, gibt es kaum mehr Wildunfälle“, denn der soziale Stress würde das Wild umtreiben. Und der Forstmann jenseits der 50 gestand bei der abschließenden Brotzeit: „Man hat uns sehr, sehr viel Schmarr’n beigebracht.“

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