Die dünne Haut der Erde

Biobauer Hermann Pennwieser verwies auf die Bedeutung des Bodenlebens – Biogastechnik ist „Humusverbrennung“

Wonneberg. „Die dünne Haut der Erde“, also der Boden als sehr sensible Lebensgrundlage für jegliches Wachstum, war Thema einer Veranstaltung des Agrarbündnisses Traunstein-Berchtesgadener Land am Montag im Gasthaus Gruber in Weibhausen. Sprecher Leonhard Strasser freute sich über den unerwartet guten Besuch von mehr als hundert Interessenten aus dem gesamten Landkreis, die nach dem Vortrag noch über eine Stunde lang dem Referenten ihre Fragen stellten. Der Referent war der Biobauer und Bodenexperte Hermann Pennwieser aus dem österreichischen Innviertel. Er vermittelte einen intensiven Einblick in die überaus lebendige Lebenswelt im Boden, und durch zahlreiche unter dem Mikroskop gemachte Aufnahmen wurde der Vortrag tatsächlich zu einer auch optisch faszinierenden „Bilderreise in die Wunderwelt des Bodens“

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Der Schlüssel zu hoher Bodenfruchtbarkeit liege darin, sich „zu erden“ und ein Gefühl für den Boden zu entwickeln: Das war die Botschaft, die der Innviertler Biobauer Hermann Pennwieser (MIT BRILLE) (hier zusammen mit Leonhard Strasser, dem Sprecher des Agrarbündnisses) seinen Zuhörern vermitteln wollte. Foto: Eder

 

Agrarbündnis-Sprecher Strasser hatte in seiner Einführung bereits das reichhaltige Bodenleben angesprochen: „In einer Handvoll Erde“, so sagte er, „sind mehr Lebewesen als es Menschen auf der Welt gibt.“ Dies nahm Referent Pennwieser auf, indem er die verschiedenen Gruppen an Lebewesen in der Erde vorstellte: von den Regenwürmern und Käfern zu Fadenwürmern, Einzellern, Bakterien, Pilzen und manch anderem mehr, wie etwa seinen „Lieblings-Bodenbewohnern“, dem „Borstenwurm“ und dem exotischen, mikroskopisch kleinen „Bärtierchen“ – alles im Idealfall in einer fruchtbaren Synthese untereinander, solange der Mensch nicht störend eingreift.

Eine Frage in der Diskussionsrunde ging dahin, ob es besser wäre, pfluglos zu wirtschaften. Pennwieser wollte sich da nicht festlegen: Wenn die Fruchtfolge auf dem jeweiligen Feld passe, dann spiele das keine wirkliche Rolle. Jedenfalls aber solle man nicht mit zu schwerem Gerät die Krümelstruktur der Erde zerstören und vor allem auch nicht „toten Boden“ aus der Tiefe hoch holen. Der Referent erläuterte bei der Gelegenheit den Schaden, den zu schwere Geräte im Boden anrichteten und versuchte die Irrlehre aufzuklären, dass durch breitere Reifen kein Schaden angerichtet würde. Seinen Informationen zufolge würde das Gewicht schwerer Maschinen in den tieferen Bodenschichten eine Verdichtungssituation erzeugen, die „in zehn Jahren als politische Bombe platzen“ werde. Dadurch könne nämlich das Wasser nicht mehr in die Erde einsickern, was zu Hochwasserproblemen führen werde. Es sei unglaublich, so Pennwieser, dass der Bodenschutz immer noch vernachlässigt werde, während das Bewusstsein für saubere Luft und Wasser schon deutlich geschärft sei. Aber beim Boden stünde neben der Agrar-Lobby auch noch der Eigentumsbegriff entgegen – dass man also mit seinem Grund und Boden machen dürfe, was man wolle.

Ein Thema der Fragerunde war auch die Gülle. Pennwieser empfahl, die Gülle mit einem Drittelanteil an Wasser zu verdünnen. Damit würde sie dünnflüssiger und verteile sich besser, rieche auch nicht mehr so stark. Dagegen ist der Biobauer absolut kein Befürworter von Injektionstechniken mit Schlitz- und Schleppschuhtechnik, wie er auf eine Frage von Leonhard Strasser sagte. Hier werde die Gülle in einem Streifen abgelegt, was den Würmern überhaupt nicht „schmecke“, und die nebenliegenden Bereiche blieben ohne Gülleversorgung. Pennhofers Meinung in Sachen Reinhaltung Waginger See war ganz klar: „Weg von der intensiven Tierhaltung“. Dafür aber müsse die Politik die notwendigen Konzepte kreieren: Damit wären die Tiere gesünder, die Überdüngung wäre weg, und die Qualität der Lebensmittel steige bei gleichem Einkommen.

Hans Glück wollte wissen, was Pennwieser von den „Effektiven Mikroorganismen“ (E.M.) halte. Auch hier wollte sich der Referent nicht festlegen. Die E.M. seien ein „spannendes Thema“, meinte er, aber: „Was ich nicht brauche, ist mir lieber.“ Aber es mache jeder seine eigenen Erfahrungen, und, wie er bereits zu Beginn seines Referats erläutert hatte, solle sich niemand davon abhalten lassen zu experimentieren. Auf diese Art und Weise sei er auch selbst zum Biolandbau gekommen, indem er sich von seinem Vater das Einverständnis geholt hatte, auf gewissen Streifen Landes seine Ideen in überschaubarem Rahmen auszuprobieren. Das ebenfalls zu tun ermunterte Pennwieser ausdrücklich die Bauern. Dazu gehöre dann aber auch die Bereitschaft, sich Fehler einzugestehen und darauf zu reagieren.

Denn, so sein Credo, mit einer „gescheiten Fruchtfolge“ würden viele Betriebsmittel überflüssig. Dadurch komme Leben in den Boden, und das bringe langfristig den höchsten betriebswirtschaftlichen Erfolg. Das sei wie in einer Beziehung, versuchte Pennwieser seine Aussage zu verdeutlichen: „Auch da muss man geben und kann nicht immer nur nehmen.“

Natur organisiert genial die Lebensprozesse

Sehr detailliert schilderte der studierte Landwirt, dass die Pflanzen ihre Nährstoffversorgung aktiv steuern, also je nach Bedarf sozusagen „zur Speisekammer hin wachsen“. Die Natur organisiere genial die Lebensprozesse, Nahrungsketten und Puffersysteme im Boden. Sie reagiere aber auch hochsensibel auf den Kontakt des Bauern mit seinem Boden. „Mehr Ehrfurcht der Natur und dem Boden entgegenbringen, sich gedanklich in ein Humusteilchen oder an der Wurzelspitze zu versetzen und so ein Gefühl für den Boden entwickeln“ – das wollte Pennwieser seinen Zuhörern als wichtige Anregung mit nach Hause geben.

Und so reagierte er auch heftig auf die Frage, wie die Biogas-Substrate auf die Bodenorganismen reagieren. Es sei fahrlässig gewesen, die Biogas-Technik in so großem Stil zu pushen wie geschehen; dies sei „Humus-Verbrennung“, die nur die große Agrar-Lobby durchgedrückt worden sei. Damit plünderten die Agrarkonzerne die Natur auf dem Rücken der Bauern, die letztlich alles ausbaden müssten. Er bestätigte von daher auch die Feststellung eines Besuchers, dass es unsinnig sei, den Mais, der für Biogasanlagen gedacht ist, auch noch spritzen; denn das Unkraut vergäre genauso wie der Mais selbst. Aber es sei ja keineswegs gewollt, hier nicht zu spritzen, so Pennwieser, sonst könnten die Konzerne ja nicht mehr so viele Spritzmittel verkaufen. he

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