Afrika und seine Menschen haben eine Chance

 

„Sei stolz, dass Du Bäuerin werden willst!“

Teisendorf. (al) Es ist sicher nicht ein alltägliches Vorkommen, dass eine Kleinbäuerin aus Zimbabwe einer jungen Frau, die in Bayern Bäuerin werden will, zu ihrer Berufswahl gratuliert und ihr rät, stolz zu sein auf diese Entscheidung. Elisabeth Mpofu ist auch nicht irgendeine Bäuerin, sondern die Generalsekräterin der weltweiten Kleinbauern-Organisation „Via Campesina“, ein Zusammenschluss von über 160 Einzelorganisationen in 63 Ländern. Mpofu hat am eigenen Leib und mit ihrem eigenen Bewusstsein erfahren, was die Entscheidung, eine Kleinbäuerin sein zu wollen bedeutet. Etwa zehn Hektar bearbeitet sie, zusammen mit ihrem Mann im südostafrikanischen Land. Die Schwierigkeiten, die sie, nicht nur in ökonomischer Hinsicht, bei der Ausübung ihres Berufes als Bäuerin dabei zu überwinden hatte und immer noch hat, sind mindestens eben so groß, wie jene die auf eine junge bayerische Bäuerin zukommen würden.

Elisabeth Mpofu, Kleinbäuerin aus Zimbabwe Foto:Albrecht

Elisabeth Mpofu, Kleinbäuerin aus Zimbabwe
Foto:Albrecht

Begleitet von Angela Müller, der Referentin für Agrarpolitik und Welternährung der „Mission Eine Welt“ und auf Einladung mehrerer Organisationen, wie der AbL, attac, BDM, Bund Naturschutz und Weiterer, hielt Elisabeth Mpofu einen Vortrag mit nachfolgender Diskussion im Gasthof „Alte Post“ in Teisendorf. Im fast bis zum letzten Platz besetzten Saal hieß Leonhard Strasser, Organisator des Agrarbündnisses BGL / TS, das als Veranstalter des Abends fungierte, Mpofu, Müller, Gertraud Gafus, Bundesvorsitzende der AbL, Albert und Liesi Aschauer, die stellvertretenden Vorsitzenden des BDM im BGL, Agnes Thanbichler, Stadt- und Kreisrätin aus Laufen und Sprecherin der attac Gruppe Rupertiwinkel, sowie Dr. Josef Heringer, den früheren Leiter der ANL (Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege) Laufen willkommen und freute sich über das große Interesse, das dieser Vortrag offensichtlich erhielt.

Als Einführung für den Vortrag wurde ein kurzer Film über die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Äthiopien gezeigt. Dieser legte dar, wie sehr Kleinbauern in diesem Land, und nicht nur dort, unter dem Druck von internationalen Investoren und Großkonzernen stehen und leiden. Diese Investoren und Konzerne seien vorrangig nicht wirklich daran interessiert, den Menschen in Afrika zu helfen und Nöte zu lindern oder zu eliminieren, sondern am Profit, den sie aus ihrem Engagement erhalten können, wie der Film anschaulich an mehreren Beispielen darlegte. „Landgrabbing“, Land-raffen und Profitmaximierung seien die treibenden Kräfte dabei. Elisabeth Mpofu hieb in dieselbe Kerbe, mit ihrer Behauptung, die Investoren nisteten sich überall dort ein, wo es billiges Land gebe und die Konzerne versuchten, die traditionelle, kleinbäuerliche Landwirtschaft mit einer industriellen, zumeist exportorientierten zu verdrängen. Dabei bleibe die Ernährungssouveränität für die einheimische Bevölkerung auf der Strecke. Mpofu meinte, es gebe genug Essen für Alle in Afrika und zitierte als Beispiel dafür die Tonnen Mais, Hirse und anderen Produkte, die sie auf ihrem kleinen Grundstück erzeuge. Probleme ergäben sich aber durch die Verhinderung des Zugangs zu Märkten, zu fairen und kostendeckenden Preisen und den Konkurrenzdruck durch subventionierte Importe aus Ländern wie Südafrika (in Zimbabwe), oder Europa, insbesondere in den dicht bevölkerten westafrikanischen Küstenregionen. Die zweifellos bestehenden Hungersnöte in Afrika seien in erster Linie auf Handelsregeln zurückzuführen, die Importe und Großkonzerne bevorzugen und den Anbau von einheimischen, traditionellen Lebensmitteln in einer kleinbäuerlich strukturierten Landwirtschaft behindern.

In der dem Vortrag folgenden Diskussion wurde die niedrige soziale Stellung der herkömmlichen kleinstrukturierten Landwirtschaft, sowohl in Afrika als auch in Europa, angekreidet. Eine Frage befasste sich mit der hier immer wieder zitierten Korruption in Afrika, die als Hemmnis für eine gute und ausreichende Produktion von Lebensmitteln und anderen Dingen gelte. Mpofu meinte dazu, in Afrika, genau wie in Europa und anderen Teilen der Welt, gebe es gute und schlechte, korrupte Regierungen und Behörden. Die Verhältnisse aber alleine darauf zurückzuführen, greife zu kurz. Zudem könnten auch in den meisten afrikanischen Ländern korrupte Regierungen abgewählt werden, wenn die Bevölkerung sich mehr für die Politik und ihre Machenschaften interessieren würde. Dies sei eine Botschaft, die hier wie dort von engagierten Menschen verbreitet werden müsse. Dies sei auch der Antrieb für ihr eigenes Engagement. Zudem müsse die soziale Stellung und Akzeptanz der kleinstrukturierten, bäuerlichen Landwirtschaft hier wie dort angehoben werden, denn wie auch in der Diskussion deutlich wurde, die Bauern sind es, die eine gute, sichere Versorgung der gesamten Gesellschaft mit Lebensmitteln erst ermöglichen. Dabei sollte sehr darauf geachtet werden, meinte Mpofu, einen natürlichen und guten Boden zu erhalten und zu fördern und auch die Tierzucht danach auszurichten, statt auf Chemikalien, Hormone, Gentechnik und Pestizide zu bauen.

Fast emotional wurde Mpofu, als sie bei einem der letzten Punkte in der Diskussion der fragenden, jungen Frau riet, eine Bäuerin zu werden und stolz darauf zu sein.

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