Agrarbündnis diskutiert See-Problem

Der Weltagrarbericht ist sehr klar darin, die Landwirtschaft, wie sie jetzt in den meisten Ländern betrieben wird, ist nicht nachhaltig und überlebensfähig.  Das war auch der Grundgedanke bei einer Diskussion des Agrarbündnisses BGL / Traunstein neulich im Gasthaus Weibhausen.  Dass die Probleme in der Landwirtschaft nicht nur in den Dimensionen der Weltwirtschaft ersichtlich werden, sondern auch bei uns auf lokaler Ebene, zeigen die Probleme mit dem übermäßigen Phosphat-Eintrag in den Waginger See.  Darum ging es vor Allem in der Diskussion in Weibhausen.  Für professionelle Beiträge zur Diskussion hatte das Agrarbündnis den Leiter des LWA Traunstein, Alfons Leitenbacher und den Werkleiter der Gemeindewerke Waging, Heinrich Thaler eingeladen.  Beide wurden vom Initiator des Agrarbündnisses, Leonhard Straßer, begrüßt.

Auf Einladung des Agrarbündnisses BGL / Traunstein und seines Initiators, Leonhard Straßer (l.), diskutierten der Leiter des LWA Traunstein, Alfons Leitenbacher (2. v. l.) und der Werkleiter der Gemeindewerke Waging, Heinrich Thaler (r.) mit Bauern und Vertretern des Bündnisses über den Waginger See und generelle Probleme in der Landwirtschaft. Foto: Alois Albrech

Auf Einladung des Agrarbündnisses BGL / Traunstein und seines Initiators, Leonhard Straßer (l.), diskutierten der Leiter des LWA Traunstein, Alfons Leitenbacher (2. v. l.) und der Werkleiter der Gemeindewerke Waging, Heinrich Thaler (r.) mit Bauern und Vertretern des Bündnisses über den Waginger See und generelle Probleme in der Landwirtschaft.
Foto: Alois Albrecht

Leitenbacher sagte der Unterschied zwischen den aneinandergrenzenden Waginger und Tachinger Seen zeige deutlich dass der Waginger See durch die Bodenbeschaffenheit um ihn herum unter dem hohen Phosphat-Eintrag leide, während das Problem beim Tachinger See kaum existiere.  „Denn“, so Leitenbacher, „weder die Bauern, noch ihre Wirtschaftsweisen unterscheiden sich“.  Die Situation könne aber signifikant verbessert werden, wenn die Bauern mitziehen würden und bestimmte Regeln beachteten.  Dabei soll aber nicht verlangt werden, dass Alle auf Öko-Landbau umstellen und konventionell arbeitende Bauern dürften nicht „verteufelt“ werden, betonte Leitenbacher.  Jedenfalls sei der jetzige Phosphat-Eintrag von 16 Tonnen etwa das Achtfache eines akzeptablen Wertes.  Es bedürfe sicher finanzieller Unterstützung um dem Problem beizukommen, wobei aber auch klar sei, dass Geld alleine kein Allheilmittel wäre.  Zuallererst müsse eine Bewusstseinsänderung eintreten, insbesondere bei den Bauern.  Um diese zu erreichen sollten Versuche unternommen werden, Bauern, die vor Entscheidungen stehen durch Beratung und Öffentlichkeitsarbeit in eine gute Richtung zu lenken.  Er sehe keine guten Ansätze in Pauschallösungen.  Nur durch individuelle Betrachtung könnten Lösungen gefunden werden, denn es gebe zu viele verschiedene Aspekte bei jedem Stück Land und jedem Bauern.

Werkleiter Thaler meinte es gebe gute finanzielle Förderung, um die Probleme des Sees zu lösen, diese aber leider kaum genutzt würden.  Als positives Zeichen seitens der kommunalen Politik in den Gemeinden um den See sehe er die Bewerbung für eine Designation als „Öko-Modellregion“.  Er hätte kaum geglaubt, dass Mehrheiten für diese Bewerbung in den Gemeinderäten zu erreichen gewesen wären, meinte Thaler.

Der Kreisvorsitzende des BDM Traunstein, Sepp Hubert, beteuerte die Bauern fühlten sich bedroht durch Anprangerungen in denen sie als Alleinschuldige dargestellt würden.  „Wir sind doch nur den Vorgaben der Landwirtschaftspolitik und mancher Verbände gefolgt, die uns für viele Jahre eingebläut haben, zu wachsen oder zu weichen und die Landwirtschaft immer mehr zu intensivieren“, sagte Hubert.  „Wir müssen in der jetzigen Situation versuchen, die Dinge auf den Boden zurückzuholen und miteinander zu reden, statt sich in Vorurteilen einzuigeln“.

Die Sprecherin für die Attac-Gruppe Rupertiwinkel, Agnes Thanbichler, sagte das Phosphat-Problem bestünde nicht nur im Waginger See und von der Staatsregierung sollte deshalb ein umfassendes Gewässer-Programm für alle bayerischen Seen und Flüsse aufgelegt werden.  Die Landwirtschaft alleine sei nicht fähig die Gewässer-Probleme zu stemmen.  Es müsse ein Umdenken, nicht nur bei den Bauern und der Öffentlichkeit, sondern besonders auch bei der Politik stattfinden.  „Wir brauchen ein schlüssiges Konzept und dürfen nicht ewig auf Entwicklungsbeschlüsse warten“, meinte Thanbichler.  Thaler erwiderte es könnten keine fertigen Konzepte präsentiert werden, sondern die betroffenen Parteien sollten in Diskussionen Lösungen erarbeiten.  Bio-Bauer Franz Obermeier sagte ein Hemmschuh bei den Problemen des Waginger Sees sei es, dass die lokale Molkerei konventionell arbeite und nicht bereit sei dies zu ändern.  Der Vorstand der Direktvermarkter zwischen Watzmann und Waginger See, Alois Beer, meinte daraufhin, die Bauern um den See sollten Möglichkeiten für eine eigene Milchverarbeitung erwägen, wenn sich die Molkerei so stur stelle und damit eine Verbesserung der Phosphat-Situation verhindere.

Auf Anstoß von Beate Rutkowski, vom Bund Naturschutz Traunstein, wurde die Möglichkeit einer Umschichtung von der ersten Säule der Subventionsprogramme, die nur nach Fläche verteilt werden, auf die zweite Säule, in der auch Arbeitsleistungen und weitere Elemente Bewertung finden diskutiert.  Leider habe der BBV und die Landes- und Bundespolitik die Möglichkeit einer solchen, auch von der Europäischen Agrarkommission gewünschten Umschichtung verhindert, meinten sowohl Leitenbacher als auch Thanbichler.  Dabei wäre eine Umschichtung die einzige Möglichkeit größere finanzielle Ressourcen für Programme wie sie für den See nötig wären zu bekommen, denn die Regierungen verweigern jegliche zusätzliche Mittel.

Georg Planthaler, Bio-Bauer, AbL und BDM Mitglied sagte die jetzige Landwirtschaft sei nicht viel länger aufrechtzuerhalten.  Allerdings helfe auch Geld alleine nicht die Situation, sowohl des Waginger Sees, als der gesamten Landwirtschaft wirklich zu verbessern.  Es müsse eine Umstellung in den Köpfen der Bauern, der Verbraucher und der Politik stattfinden.  Es sei unverständlich dass der Umstand nicht mehr Beachtung finde, dass alles was in den Boden eingebracht werde, Dünger, Pestizide, Agrogentechnik und vieles mehr, schlussendlich auch in der Lebensmittelkette und auf unseren Tellern lande.  „Wir betreiben eine insgesamt falsche Landwirtschaft“, meinte Planthaler.  Auch Simon Angerpointner, ein Imker, stimmte dem zu und warnte vor den „Chemie-Keulen“ auf unseren Wiesen und Äckern, die sich dann beim Phosphat-Eintrag und weiteren Problemen manifestieren würden.  Heinrich Thaler meinte unter den Landwirten gebe es zu wenig Enthusiasmus und Aufbruchstimmung, durch die ein Wandel herbeigeführt werden könnte.  Die Gründe dafür seien seiner Meinung nach dass die Bauern „überarbeitet und überfordert“ seien durch den Zwang zur Größe und zur Technologie.

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