Wie der Klimawandel auf unseren Tellern landet

Weibhausen. (al) Wetterkapriolen sind auch hierzulande schon nicht der einzige Effekt des Klimawandels. Es mag noch nicht sehr auffällig sein, aber auch auf unseren Tellern beginnt er einen Einfluss zu haben. Das war das Thema bei einem Vortrag und einer Diskussion, zu denen die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.) Chiemgau-Inn-Salzach, in Zusammenarbeit mit dem Agrarbündnis BGL/Traunstein neulich ins Gasthaus Alpenblick in Weibhausen eingeladen hatte. Den Vortrag unter dem Titel; „Verbrannte Mandeln – wie der Klimawandel unsere Teller erreicht“ hielt der Buchautor und Journalist Wilfried Bommert. Bommert stammt aus dem Bergischen Land in NRW, hat Landwirtschaft studiert und befasst sich jetzt vor Allem mit importierten Lebensmitteln. Als Beispiele nahm Bommert eben Mandeln und Kaffee.
Zur Veranstaltung begrüßen konnte AbL Sprecher Georg Planthaler die Landtagsabgeordnete und Agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Gisela Sengl, Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion Waginger See und Dr. Josef Heringer aus Laufen. In seinem Vorwort sagte Planthaler, bei uns täte der Klimawandel noch nicht richtig weh. Weh tue er aber schon woanders. Unweigerlich würden aber wir ihn spüren und zwar bald. Der Sprecher des Agrarbündnisses, Leonhard Strasser, meinte in einer globalisierten Wirtschaft würde sich der Klimawandel aber auch bei den hier produzierten Lebensmitteln immer stärker bemerkbar machen.
Bommert begann in seinem Vortrag mit den im Titel erwähnten Mandeln. Er möge geröstete Mandeln sehr gern als Snack, sagte Bommert. Als seine Frau, wegen des enormen Preisanstieges für Mandeln, stattdessen Erdnüsse nach Hause brachte, wurde er gewahr, der Preis für Mandeln sei wegen einer Dürre in Kalifornien um 400 Prozent gestiegen. Von Regierungsangehörigen habe er aber gesagt bekommen, wir bräuchten uns keine Sorgen zu machen, über Preise für importierte Lebensmittel. Für Bommert, der zusammen mit einigen Kollegen ein Institut gegründet hat, ein Zeichen, die Regierung habe das Problem noch nicht verstanden, oder verdränge es.
Das Problem in den USA stamme vom Klimawandel im Golf von Mexiko und zeige sich durch Überschwemmungen und Hurrikane in den Südstaaten, während die westlichen Bundesstaaten unter nie gekannten Dürren litten. Das gleiche Schicksal gebe es in Brasilien, dem größten Exporteur von Kaffee. Die Hitze dort bekomme den Kaffeeplantagen nicht und bringe Missernten. Dasselbe gelte für das südliche Afrika, wo es in Kapstadt und Johannesburg schon strikte Beschränkungen für den Wasserverbrauch gebe. Gegenden in China und fast ganz Australien seien ebenfalls sehr von Dürren betroffen. In Australien sei zudem, durch steigende Temperaturen im Ozean, das weltgrößte Korallenriff, das Great Barrier Reef, am sterben. All diese Länder seien große Exporteure von Lebensmitteln und Tierfutter, wie Palmöl und Soja, die durch den Klimawandel enorm verteuert würden.
Dabei sei der Effekt des Klimawandels sehr verzögert. Was wir heute sehen sei eigentlich das Resultat der Luftverschmutzung von vor 40 Jahren. Seitdem habe sich nichts verbessert, sodass sich dieser Effekt noch „aufschaukeln“ und verstärken werde. Der Grund für diese Katastrophe sei unsere verschwenderische Lebensweise und das ungezügelte Abholzen von Regenwäldern. Diese und die Ozeane seien nämlich „die Lungen“ der Erdatmosphäre.
Um noch Chancen zu haben, den Klimawandel zu verringern sei der Abschied von der industriellen Landwirtschaft, mit ihren großflächigen Monokulturen und vom luftverpestenden Individualverkehr mit Autos nötig, beteuerte Bommert. Abgeschwächt könnten der Effekt und die Verteuerung von Lebensmitteln auch durch die unverzügliche Züchtung von dem Klimawandel angepassten Sorten von Getreide, Pflanzen und Wäldern werden.
In der Diskussion wurden vor allem Stimmen laut, die meinten, leider gebe es dafür in Regierungszirkeln noch viel zu wenig Bewusstsein. Die Lobbyisten der Großkonzerne und unser kapitalistisches System, dessen Basis fortwährendes Wachstum ist, seien daran schuld. Die Grundphilosophie des Kapitalismus, endloses Wachstum und Konkurrenzdenken, seien Unmöglichkeiten bei den limitierten Ressourcen der Erde. So richtete sich die sehr lebendige Diskussion auch an diesen Themen aus und einstimmig wurden die unentschlossenen und zögerlichen Reaktionen von Teilen der Politik, vor allem der Regierungsparteien, sowohl in Bayern als auch des Bundes heftig kritisiert. Wie schon der Referent des Abends, Bommert, meinten auch die Diskussionsteilnehmer ohne Ausnahme, es müssten sofort Maßnahmen und Anstrengungen unternommen werden um den ohnehin nicht mehr abzuwendenden Klimawandel wenigstens abzuschwächen.
Dass sich indessen in der Bevölkerung ein Bewusstsein über die Gefahren des Klimawandels ausbreite, hätten die 33000 Menschen, die kürzlich in Berlin an einer Demonstration gegen die industrielle Landwirtschaft teilgenommen haben, meinten die Diskutierenden. Auch Georg Planthaler meinte in seinem Schlusswort, die Impulse für einen Wechsel müssten von der Basis der Gesellschaft kommen. Leonhard Strasser beteuerte, auch kleine Dinge von Einzelnen würden helfen. Er sei schon zu alt, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels noch zu spüren, meinte Strasser, aber er wolle, dass auch seine Enkelkinder noch eine lebenswerte Existenz auf der Erde haben könnten.

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