Interview mit Elisabeth Mpofu, Zimbabwe

Fürmannalm/Anger. (al) Am Nachmittag des 21. 1. 2015, vor dem Vortrag der Kleinbäuerin Elisabeth Mpofu aus Zimbabwe, Generalsekräterin der Kleinbauernorganisation Via Campesina und Mitbegründerin regionaler Bauernorganisationen am Abend desselben Tages in der Alten Post in Teisendorf, hatte der freie Journalist Alois Albrecht (al) die Chance, Mpofu zu anderen Themen, als jenen, die sie in ihrem Vortrag vorbringen würde zu befragen. Die Fragen hatten nicht nur mit dem Land im Südosten Afrikas zu tun, sondern auch mit der generellen Situation von Kleinbauern in afrikanischen Ländern.

Das Interview:

Frau Mpofu, wie ist das Land in Zimbabwe nach dem Absetzen der weißen Minderheitsregierung von Ian Smith verteilt worden?

Zuerst wurden die etwa 4500 weißen Großgrundbesitzer, wie im zwischen dem 10. 9. und 15. 12. 1979 ausgehandelten „Lancaster House Agreement“ vorgesehen, weiterhin bevorzugt behandelt. Die oft immer noch fast wie Sklaven behandelten Schwarzen bewirtschafteten für die wenigen Großgrundbesitzer etwa 70 Prozent des fruchtbaren Agrarlandes. In 2000 begann Präsident Robert Mugabe die Weißen zu enteignen und deren Ländereien großenteils unter seine Anhänger zu verteilen. Dabei entstand viel Misswirtschaft, deren Resultate durch Dürreperioden noch verschärft wurden. Erst in etwa 2008 konnten dann Kleinbauern Land auf einer für 99 Jahre gültigen Pacht-Basis für sich in Anspruch nehmen. Ich bin eine dieser Bäuerinnen und habe etwa 10 Hektar, die ich und mein Mann bewirtschaften. Wir bauen Mais, Sorghum und einige Hirsearten, sowie Gemüse an und haben ein paar Kühe, Ziegen und Hühner.

Sie engagieren sich in Via Campesina und weiteren Kleinbauernorganisationen, was wollen sie damit erreichen?

Ich möchte damit die traditionelle, kleinbäuerliche Landwirtschaft, die nicht vorrangig auf Profit ausgerichtet ist, sondern auf den Erhalt des fruchtbaren Bodens, der Biodiversität und der Ernährungssicherheit der Bauern und ihrer Region erhalten und fördern.

 

Sie sind auf einer mehrtägigen Deutschlandtour, um Leuten hier ihr Leben als Kleinbäuerin in Afrika zu schildern. Welche Bedrohungen sehen Sie jetzt in Afrika für die kleinbäuerliche, traditionelle Landwirtschaft, wie Sie sich diese vorstellen?

Natürlich stellen die Konflikte in manchen afrikanischen Ländern eine Bedrohung für die Kleinbauern dar. Aber eine noch größere Bedrohung sehe ich durch die Einmischung und das Kontrollieren wollen der Europäer und Amerikaner, vor Allem der G8, die jetzt durch den Ausschluss Russlands zur G7 geworden ist. Diese Organisation behandelt uns immer noch, als ob wir ihre Kolonien wären. Dabei werden hinter verschlossenen Türen von Politik und Lobbyisten großer Agrar-Konzerne Verträge und Vorgehensweisen ausgehandelt, ohne jeglichen Einbezug und Einfluss der afrikanischen Gesellschaften und Kleinbauern. Diese Verträge dienen eigentlich nur diesen großen Konzernen und deren Profitmaximierung.

Können Sie dazu spezifische Beispiele nennen und deren Effekt an afrikanischen Kleinbauern?

Eine Initiative der damaligen G8, die „New Alliance for Food Security and Nutrition in Afrika“ (Neue Allianz für Ernährungssicherheit in Afrika), ist dafür ein gutes Beispiel. Diese „Allianz“ wurde beim G8 Treffen in 2012 in Camp David (Maryland, USA), beschlossen und von Präsident Barack Obama verkündet. Der britische Premierminister Don Cameron gab dabei das Versprechen für die Allianz „Die ganze Macht des Privatsektors zu mobilisieren“. Die Allianz stellt sich auch als Element des „Comprehensive Africa Agriculture Development Program“ (Umfassendes afrikanisches Agrar Entwicklungsprogramm) (CAADP) dar. In Wirklichkeit weicht es aber substanziell von dessen Zielen, afrikanische Kleinbauern zu fördern, ab und untergräbt sie sogar. Von allen politischen Beschlüssen für die Allianz wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die später veröffentlichten, generellen Zusammenfassungen erschweren es den Kleinbauern, ein volles Bild über die Machenschaften der Neuen Allianz zu erhalten. Offensichtlich zielt die Allianz aber auf eine Industrialisierung der Landwirtschaft. Durch sie wird Land-raffen in großem Stil ermöglicht und die Verwendung und Weitergabe einheimischen Saatgutes zwischen den Kleinbauern unterbunden. Zu viel Betonung legt die Allianz auch auf Pflanzen und Produkte, wie Tabak, die offenbar für den Export bestimmt sind, statt der Ernährungssouveränität der Bevölkerung zu dienen. Als Beispiele können dabei Burkina Faso, Malawi, Tansania und Mosambik gelten. In Burkina Faso sind nur 22 Prozent des verfügbaren Landes für Kleinbauern bestimmt, der Großteil ist dagegen für Großinvestoren reserviert. In Malawi werden gegenwärtig schon 200000 Hektar an Großinvestoren verschachert und der Anbau von Tabak als Beitrag zur Ernährungssicherheit bezeichnet. In Tansania und Mosambik werden neue Gesetze verabschiedet, die den informellen Austausch von Saatgut unter Bauern und Bäuerinnen kriminalisieren. Offensichtlich wird die Allianz auch von vielen NGO´s (Non-Governmental Organisationen) (Nicht-Regierungs-Organisationen) sehr kritisch gesehen, denn, wie ich weiß, haben allein in Deutschland schon zehn dieser NGO´s und 80 Weltweit eine Petition gegen die Allianz unterzeichnet. Mit der Allianz verhält es sich meiner Ansicht nach genau so, wie mit TTIP und TiSA, bei denen die Verhandlungen auch völlig undemokratisch geführt und die Resultate dann der Bevölkerung übergestülpt werden sollen.

Sehen Sie eine Möglichkeit, durch Dinge, wie die Allianz, TTIP und TiSA könnte nicht nur neuer Kolonialismus, sondern sogar eine fast Weltweite Wirtschaftsdiktatur entstehen?

Genau!

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