Filmvorführungen „Weiloisirgendwiazamhängd“

 

Donnerstag, 23. November 2017           20 Uhr, Pfarrheim Waging

Donnerstag, 22. Februar 2018                20 Uhr, Gasthaus John, Obing

Mittwoch, 28. Februar 2018                 20 Uhr, Sportgaststätte Traunreut, Veranst. Friedensinitiative


http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


„WEILOISIRGENDWIAZAMHÄNGD“ zeigt das Schöne und das Besondere unserer Heimat im Chiemgau und Rupertiwinkel.
„WEILOISIRGENDWIAZAMHÄNGD“ zeigt Menschen, Vordenker, Visionäre welche unserer Heimat ein Gesicht geben.
„WEILOISIRGENDWIAZAMHÄNGD“ zeigt aber auch, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkunen auf die ganze Welt haben.
Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen, der Bevölkerung einen Anstoß zum Nachdenken geben und die Politik zu verantwortungsvollen Handeln bewegen.

Idyllisches Stelldichein im Grünen, von links Schorsch Planthaler (Moderator Film), Beate Rutkowski (Bund Naturschutz), Leonhard Strasser (Sprecher Agrarbündnis)

Idyllisches Stelldichein im Grünen, von links Schorsch Planthaler (Moderator Film), Beate Rutkowski (Bund Naturschutz), Leonhard Strasser (Sprecher Agrarbündnis)

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Totes Land in Brasilien für Milch- und Fleischüberschüsse in Europa

Die AbL und das  Agrarbündnis BGL/TS lädt ein zum

Vortrag mit anschließender Diskussion

Prof. Antonio Andrioli, Brasilien

Totes Land in Brasilien für Milch- und Fleischüberschüsse in Europa
Agro-Gentechnik, Sojaanbau und Glyphosat machen Bauern, Tiere und Böden kaputt

Mittwoch, den 15. November 2017 um 20.00 Uhr
im Gasthof Michlwirt in 83349 Palling

Prof. Andrioli ist Autor des Buches „Die Saat des Bösen, die schleichende Vergiftung von Böden und Nahrung.“ Er ist Landwirtschaftsexperte und Mitglied der brasilianischen Biosicherheitskommission

Nach dem Putsch an der Präsidentin Dilma Rousseff findet eine massive Umstrukturierung u.a. in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Bildung, Gesundheit und Sozialwesen statt. Der größte Sojabauer Brasiliens ist jetzt Landwirtschaftsminister und die Großgrundbesitzer haben mit 222 Abgeordneten ein Drittel des Parlaments im Griff. Gleich zu Beginn der neuen Regierung wurden das Ministerium für Agrarentwicklung und das Ministerium für Menschenrechte abgeschafft. Bildungsausgaben werden gekürzt und Sozialprogramme gestoppt. Viele Universitäten stehen wegen mangelnder Ressourcen kurz vor der Schließung. Verfassungsänderungen z.B. bei der Renten- und Arbeitsreform finden zugunsten der Reichsten statt. Menschenrechtsverletzungen sind die Regel und Bauern und Indigene werden erschossen wenn sie für ihre Rechte auf die Straße gehen. Großkonzerne und vor allem die Agrarindustrie bekommen immer mehr Möglichkeiten ihre Monopolstellung weiter auszubauen (auch Bayer, BASF und Syngenta) und die Kontrolle über das Saatgut und Pestizide zu verstärken. Das führt zu immer mehr Gift auf den Äckern und Pestizidrückstände im Essen – über Futtermittel auch bei uns. Deshalb ist jetzt Solidarität und Vernetzung dringend notwendig. Wir dürfen „das Feld“ nicht der Agrarindustrie überlassen!
Prof. Andrioli ist es ein großes Anliegen, uns bei unserem Widerstand gegen die Agro-Gentechnik zu unterstützen,damit nicht in Europa die gleichen Fehler gemacht werden wie in Brasilien.

Der Bodenerosion Einhalt gebieten

Obing. (al) Unter den Problemen, mit denen die Landwirtschaft zu kämpfen hat, ist die Bodenerosion sicher eines der dominanten. Das Interesse, wie diesem Problem begegnet werden kann, war sicher einer der Gründe für den bis auf den letzten Platz besetzten Saal neulich im Gasthaus John in Obing, für einen Vortrag von Jens Petermann, dem Geschäftsführer der Produktionsgesellschaft Dannenberg mbH., eines 700 ha Betriebes in Mecklenburg-Vorpommern. Anschließend an den Vortrag entwickelte sich eine rege Diskussion über das soeben Gehörte und ein Austausch von Erfahrungen zwischen Petermann und dem Publikum. Nach Obing gekommen war Petermann auf Einladung des Agrarbündnisses BGL/TS, das sich für eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik stark macht.
Der Sprecher des Agarbündnisses, Leonhard Straßer, begrüßte die Besucher, den Sprecher der AbL Regionalgruppe Chiemgau-Inn-Salzach, Georg Planthaler und Petermann und meinte, er warte mit Spannung auf die Ausführungen des Norddeutschen, die sicher auch brauchbare Impulse für die hiesige Landwirtschaft geben würden. Die Debatte über die Bodenbeschaffenheit sei eine Grundsatzdebatte in der Landwirtschaft, sagte Petermann am Anfang seines Referats. Die Dinge, die er vorbringen werde, stammten aus eigenen Erlebnissen und Erfahrungen auf dem eigenen Betrieb. Den Vortrag untermalte Petermann mit eindrucksvollen Bildern. Die Böden im Gebiet seines Hofes seien vorwiegend sandig bis lehmig, ließ Petermann wissen. Nach drei nicht zu schweren Regenfällen vor zehn Jahren, habe sich die Wasserundurchlässigkeit des Bodens durch lang stehendes Wasser gezeigt und nachdem das Wasser endlich verschwunden war, kam die Bodenerosion zum Vorschein. Das habe ihn bewogen umzudenken, nach anderen Methoden der Bodenbearbeitung zu suchen und sich darüber zu Informieren, sagte der Bauer. Mit der bisherigen Bodenbearbeitung konnte jedenfalls nicht weitergemacht werden.


Zuerst habe er über die Ursachen der Erosion eine Diagnose erstellt. Er habe herausgefunden, die Schäden seien durch die intensive industrielle Landwirtschaft entstanden. Überdüngung, die Verwendung von allerlei Chemikalien, wie Glyphosat, schwere Maschinen und Monokulturen hätten sich als schuldig an der Misere erwiesen. Bei Überdüngung würde durch Kalium und Natrium die „Brücke“ zwischen Ton und Humus zerstört und der Boden würde zerfallen. Wenn Ca (Calcium) und Ton ausgewaschen werden, werde Humus abgebaut, sagte Petermann. Besonders bei einjährigen Kulturen sei dieser Effekt zu beobachten, während Dauergrünland zur Wurzel-und Humusbildung beitrage. Auch verschieden Pflanzen hätten verschieden Effekte für den Boden. Jedenfalls seien Pflanzen aber das „Futter für das Bodenleben“. Ein Boden ohne Pflanzen sei wie „ein Trog ohne Futter“ beteuerte Petermann. Es sei also wichtig, den Boden das ganze Jahr über mit Pflanzen bedeckt zu halten. Überdüngung, Herbizide, Insektizide, Fungizide und Monokulturen verursachten Strukturschäden im Boden und machten ihn auf Dauer unfruchtbar. Ein gesunder Boden brauche natürliche Düngungsverfahren und Mikroorganismen, wie sie durch Weidehaltung von Tieren erreicht werden können. Besonders im Herbst und Frühjahr seien Bodenbedeckungen wichtig, denn zu diesen Zeiten fände der maximale Bodenaufbau statt, sagte Petermann zu Ende seines Vortrages.
In der dem Referat folgenden Diskussion wurde Petermann nach einer adäquaten Schädlingsbekämpfung befragt. Seine Antwort war, schon ein guter Boden an sich biete viel Schutz vor Schädlingen. Um eine gute Bodenbeschaffenheit zu erhalten, oder zu erreichen, seien individuelle Entscheidungen nötig, denn dafür gebe es keine universelle Antwort. Ausschlaggebend dabei seien die schon vorhandenen Gegebenheiten der Bodenbeschaffenheit und die Qualität des Bodens. Wichtig sei aber jedenfalls eine gut gestaltete Düngung um einen maximalen Effekt zu erzielen. Dem Boden müsse auch Zeit gegeben werden, sich zu regenerieren. Der Bauer müsse sich fragen, was er mit bestimmten Dingen erreichen wolle. Allgemein gesagt werden könne, die konventionelle Landwirtschaft sei an einem Punkt angelangt, an dem sie durch Pestizide, Herbizide und Überdüngung gegen die Bodenbiologie arbeite. Petermann verglich den Boden mit einer Maschine, die nicht richtig arbeite, wenn ihr falsche Teile eingesetzt würden, oder Teile fehlten. Er könne aus den Fragen aus dem Publikum ersehen, es gebe vielerlei Ansichten zum Thema der Bodenbeschaffenheit, könne aber selbst nur mitteilen, was er sich durch eigene Erfahrung erarbeitet habe, sagte Petermann. Sicher sei jedenfalls, auch Bauern müssten zum Umdenken fähig sein und sich auf neue Gegebenheiten einstellen können. Schon der Klimawandel verlange das, denn auch Pflanzen verändern sich, wenn sich der Boden, oder das Klima veränderten. Zudem sollten sie, seiner Meinung nach, die Natur beobachten und nicht zu viel in Lehrbücher schauen, oder auf hergebrachte, von Interessengruppen der Industrie und Politik verbreitete Vorgaben und Meinungen vertrauen. „Manche Bauern denken zu konventionell“, meinte Petermann abschließend, aber Organisationen wie das Agrarbündnis seinen ein guter Beginn um ein Umdenken anzustoßen und herbeizuführen.
Leonhard Straßer, sagte, als er Petermann für den interessanten und provokativen Vortrag dankte, dieser zeige, es sei die Aufgabe Aller, den Boden gut zu erhalten und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Jens Petermann vermittelte dem Publikum in Obing seine Erfahrungen, wie eine gute Bodenbeschaffenheit zu erreichen sei.Der Sprecher des Agrarbündnisses BGL/TS, Leonhard Straßer (l.), dankte Jens Petermann für dessen denkanstoßenden Vortrag.
Fotos: Alois Albrecht

 

Das Ende der Fahnenstange erreicht

Teisendorf. (al) Wachstum, Wachstum, Wachstum, viele Politiker und alle der neoliberalen Ökonomen propagieren es noch immer und lassen dabei unseren endlichen Planeten außer Acht. Trotz dieser Endlichkeit und weil viele Politiker sich von der neoliberalen, kapitalistischen Denkweise haben einlullen lassen, wird produziert was das Zeug hält. Das Resultat ist, zumindest in den Industrieländern und in manchen Wirtschaftssparten horrende Überproduktion und Verschwendung. Diese Überproduktion und Form des Wirtschaftens werde jedoch durch anderweitige, ebenso horrende Armut und Mangel an Lebensnotwendigkeiten konterkariert und erkauft. Als ein heimisches Beispiel wurde die Milchindustrie genannt. Durch Überproduktion sei der Milchpreis so niedrig geworden, dass Milchbauern nicht mehr vom Erlös für ihre Milch leben könnten. Dem übermächtigen Konkurrenzdruck und der Profitgier unterliegen sogar Wirtschaftssparten, die sich „Fairtrade“ auf die Fahnen geschrieben haben, sagt Eine, die es wissen muss; die Unternehmerin Sina Trinkwalder. Trinkwalder studierte Politik und Betriebswirtschaft und arbeitete anschließend als Geschäftsführerin ihrer eigenen Werbeagentur. In 2010 wechselte sie die Seiten und gründete das erste „Social Business“ in Deutschland, in dieser Kleidermanufaktur werden von ehemals arbeitslosen Näherinnen ökosoziale Bekleidung und Accessoires produziert. Als Unternehmerin setzt sie sich für fairen Handel, gute Bedingungen für Arbeiter und ökologische Produktionsweisen ein.

 

Sina Trinkwalder hielt einen mitreißenden Vortrag in der Alten Post in Teisendorf, zum Thema, wie Wirtschaft und Handel Kunden für dumm verkaufen. Foto Albrecht

Auf Einladung des Agrarbündnisses BGL / TS, eine Organisation, die für eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik, hin zu einer sozial gerechten, bäuerlichen, ökologischen und umweltschonenden eintritt, war Sina Trinkwalder neulich für einen Vortrag, mit nachfolgender Diskussion in die „Alte Post“ Teisendorf gekommen. Im bis zum letzten Platz besetzen Saal unterstellte Trinkwalder in ihrem Vortrag Politik und Wirtschaft die anfangs aufgeführten Vorgänge. „Wir befinden uns im Endstadium eines Raubtierkapitalismus, der nicht mehr lange funktionieren und uns bald um die Ohren fliegen wird“, sagt Trinkwalder. „Wir können nicht mehr lange an der Preisschraube drehen und alles immer noch billiger machen“. Bedingt durch Überproduktion versuche der Handel Verbraucher zu ständigem Einkaufen anzuspornen. Um das zu erreichen würden konstant oft völlig unnötige und durch lange Wege von der Produktionsstätte zum Konsumenten sogar umweltschädliche Produkte kreiert. Zudem leide, durch das immer mehr und schneller Produzieren die Qualität der Produkte und die zur Produktion nötige Arbeit müsse unter immer schlechteren Bedingungen geleistet werden, sowohl in Drittländern, als auch bei uns. Als Beispiele für den Verfall einer gerechteren und sozialeren Ökonomie zitierte Trinkwalder die Privatisierung wichtiger, gemeinnütziger Einrichtungen, wie Krankenhäuser, oder sozialen Wohnungsbau, die damit einem Profitdruck unterlägen, der eine Spaltung der Gesellschaft herbeiführe in jene, die sich, dank ihres Reichtums eine Sonderbehandlung leisten könnten und jene, die dadurch in Notlagen gerieten. Ein einprägsamer Satz, bringe das auf den Punkt, meinte Trinkwalder; „Immer, wo ein Mensch mit wenig Arbeit viel Geld verdient, verdient auf der anderen Seite ein Mensch mit viel Arbeit wenig Geld“. Trinkwalder prangerte auch manche Hilfsprojekte für unterentwickelte Länder an, die sogar Schaden anrichten würden. „Was hilft es einem afrikanischen Bauern, wenn durch das Hilfsprojekt sein Land in eine Sonnenblumenplantage verwandelt wird und er deswegen seine Familie nicht mehr mit eigenen Feldfrüchten ernähren kann“.
Sie sei voll für Bioprodukte, sagt Trinkwalder, kritisiere aber, dass die großangelegte Biowirtschaft im selben Schritt und System wachsen wolle wie konventionelle Erzeuger. Das funktioniere nicht; „denn eine gute Idee über ein krankes Wirtschaftssystem zu stülpen, macht nicht das System besser, sondern die Idee kaputt“. Mit Dutzenden von Zertifikaten und Siegeln, für die jeweils verschiedene Kriterien und Bewertungen gelten, würden Konsumenten zudem in die Irre geführt. Auch damit verschandelten Bio-Marken die Wertigkeit ihrer Produkte. Deshalb rufe sie dazu auf, in erster Linie regional und bio einzukaufen, aber nicht bei großen Konzernen, die vor allem an ihren Gewinnmargen interessiert seien und obendrein oft kleine Produzenten platt machten. Waren-, Bio- und Fairtrade Siegel geben dem Konsumenten ein gutes Gefühl, würden aber oft missbraucht und damit werde letztlich der Titel des Buches, das sie zu diesem Thema geschrieben habe; „Fairarscht“ bewahrheitet.
In der dem Vortrag folgenden Diskussion, mit etwa zehn Beiträgen aus dem Saal, wurde zumeist Überraschung ausgedrückt über das von Trinkwalder Beschriebene. Einige hinterfragten das Vorgebrachte, was Trinkwalder aber mit guten, schon im Vortrag erwähnten Argumenten und konkreten Beispielen entkräften konnte. Eine Besucherin sagte, sie sei in Tansania gewesen und habe dort Plantagen besucht, auf denen offensichtlich recht gute Arbeitsbedingungen herrschten. Trinkwalder, antwortete, sie wolle keineswegs die gesamte Bio- und Fairtrade Industrie schlechtreden, sondern lediglich auf Defizite hinweisen, die zweifelsohne häufig bestünden. Deshalb sei es angebracht weitestmöglich Herkunft und Lieferwege zu erkunden und zu verifizieren und auf größtmögliche Offenheit zu pochen. Einer der Diskussionsteilnehmer fragte Trinkwalder, welche Vorgehensweise gegenüber der Politik zu bevorzugen sei, um sie zu dahingehend zu beeinflussen für wirklich faire Verhältnisse beim Handel zu sorgen. Sollte das auf niedriger, oder hoher Ebene geschehen. Trinkwalder antwortete, es sollte immer höchstmöglich geschehen, weil dort die Entscheidungskraft viel größer sei.Der Sprecher des Agrarbündnisses, Leonhard Straßer, dankte der Referentin abschließend für den aufschlussreichen Vortrag mit einen kleinen Geschenk.

Sina Trinkwalder
über ihr Buch
„Fairarscht“
Wie Wirtschaft und Handel die Kunden für dumm verkaufen

Warensiegel für ökologischen Anbau, faire Produktions- und Handelsbedingungen geben ein gutes Gefühl. Doch die größten Umsatzteile kommen auch dort nicht, wo mit Fairness geworben wird, den Erzeugern in der Dritten Welt zu gute. Sina Trinkwalder, eine der profiliertesten und streitbarsten deutschen Unternehmerinnen, spricht Klartext: Wer profitiert am reinen Gewissen? Wie werden Bauern und Handwerker tatsächlich behandelt? Was sind die blutigen Seiten des Gutmenschenbusiness?
Sina Trinkwalder studierte Politik und Betriebswirtschaft in München. Nach erfolgreichem Abbruch arbeitete sie über 10 Jahre als Geschäftsführerin ihrer eigenen Werbeagentur. 2010 wechselte sie die Seiten und gründete das erste textile Social Business in Deutschland: manomama. In dieser Kleidermanufaktur werden von ehemals arbeitslosen Näher/innen innerhalb einer regionalen Wertschöpungskette ökosoziale Bekleidung und Accessoires produziert. Für ihr ökologisches und soziales Engagement wurde Sina Trinkwalder mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.        Die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder schaut in ihrem Buch hinter die Kulissen der Warenwelt.

Ich bin nicht nur Vollblutunternehmerin, sondern auch Wirtschaftsaktivistin. Ich vertrete ein anderes Wirtschaftssystem, das wir auch brauchen, denn sonst fliegt uns bald alles um die Ohren. Wir befinden uns im Endstadium eines Raubtierkapitalismus, der nicht mehr lange funktionieren wird. Wir können nicht mehr länger an der Preisschraube drehen und immer mehr Produkte immer noch billiger machen.

Der Handel will vor allem, dass Verbraucher ständig einkaufen. Konventionelle Discounter gaukeln deshalb attraktive Preise vor. Das geht aber voll auf Kosten der Produktqualität, die immer schlechter wird. Auch die Arbeitsbedingungen der Produzenten werden durch den wachsenden Preisdruck immer problematischer, nicht nur bei den Kaffeebauern, auch bei uns.

Ich bin voll für Bioprodukte. Aber ich übe Kritik an der Art und Weise, wie die Biowirtschaft im gleichen System wachsen will wie konventionelle Erzeuger. Damit machen sich Bio-Marken die Wertigkeit ihrer Produkte kaputt.

Beim quantitativen Wachstum sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt, jetzt muss ein qualitatives Wachstum stattfinden. In der Folge werden Produkte zwar teurer, dem Kunden bleibt aber letztendlich mehr Geld im Geldbeutel, weil beispielsweise Kleider länger halten.

Deshalb rufe ich dazu auf, in erster Linie regional und bio einzukaufen, aber nicht bei großen Konzernen. Denen geht es vor allem um ihre eigenen Gewinnmargen. Oft machen sie auch kleine Hersteller platt.

Wenn „Bio“ genauso viel kosten würde wie konventionelle Ware, dann würden alle „Bio“ kaufen. In meinem eigenen Laden hat die erste regional ökosozial hergestellte Jeans noch 180 Euro gekostet. Weil die Jeans gut laufen, können wir mehr herstellen und sie nun für 79 Euro verkaufen – mit denselben hohen Standards für Umwelt und Mitarbeiter. Meine Meinung ist, wir bräuchten Strafzölle für konventionelle Produkte. Dann hätten wir auch wieder bessere Arbeitsplätze.

In anderen europäischen Ländern geht die Politik neue Wege, um den Raubbau an Mensch und Natur zu ahnden, warum nicht bei uns?

Die Alpen brennen

Anger. (al) Die Alpen sind heuer bisher verschont geblieben, von den verheerenden Feuern, die in Südeuropa, Italien, Griechenland, Spanien, Portugal wüten. Dass das so bleibt, dafür setzt sich eine Organisation ein, die CIPRA heißt und eine internationale Schutzkommission für die Alpen ist. Natürlich ist diese Kommission nicht nur wegen der Feuer tätig, sondern um die Biodiversität zu erhalten und ein gutes Leben in den Alpen zu ermöglichen. Unter dem Dach von CIPRA sind mehr als hundert Vereine und Organisationen gebündelt, um diese gemeinsamen Ziele umzusetzen. Diese „Internationale Alpenschutzkommission“, wie sie auf Deutsch bezeichnet wird, wurde 1952 in Rottach Egern gegründet und hat ihren Sitz in Schaan, Liechtenstein. CIPRA arbeitet eng mit einer anderen Organisation zusammen, der in Innsbruck ansässigen Alpenkonvention, die auch gesetzgeberische Möglichkeiten hat.
Um ihren Anspruch, die Alpen zu schützen, publik zu machen und auf die Gefahren hinzuweisen, denen die fragilen Ökosysteme der Alpen ausgesetzt sind, werden jedes Jahr am zweiten Samstag im August im gesamten Alpenraum an exponierten Stellen Feuer angezündet unter dem Titel; „Die Alpen brennen“. In unserer Gegend brannte, von der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und dem Agrarbündnis BGL / TS organisiert, eines der Feuer auf der Fürmannalm bei Anger.

Dieses Jahr wurde auf der Fürmannalm zudem ein sehr passender Film gezeigt, der ebenfalls gemacht wurde, um der Gesellschaft die Ziele einer naturverträglichen, ökologischen Lebensweise näher zu bringen. Der vom „Agrarbündnis BGL / TS“ produzierte Film; „Weioisirgendwiazamhängd“ ist inzwischen sehr populär in der Gegend und von Vielen schon gesehen worden, bei Umweltveranstaltungen, in Schulen und sogar im Kino. Seine Anziehungskraft scheint aber immer noch sehr groß zu sein, denn weit mehr als hundert Leute kamen auf die Fürmannalm, um ihn zu sehen und danach beim Feuer ihre Unterstützung für die Erhaltung der herrlichen Alpen und die Arbeit von CIPRA und das Agrarbündnis BGL / TS zu zeigen. Obwohl der Film sich insbesondere auf die wundervolle Voralpen- und Alpenlandschaft der Kreise BGL und Traunstein konzentriert, kann er durchaus auch Beispielhaft für die landschaftlichen und landwirtschaftlichen Probleme der gesamten Alpenregion gelten.
Jedenfalls gab die Fürmannalm einen perfekten Rahmen für diesen Anlass und das Zeigen des Films. Der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / TS, Leonhard Strasser, wies auf die Verbindungen des Films und des Feuers in den Alpen hin. Nach der Filmvorführung meldeten sich Leute aus dem Publikum, um ihre Zustimmung zum Film, dem Agrarbündnis und der Idee des Alpenschutzes im Sinne von CIPRA kundzutun.
Auch der Film plädiert nämlich für die Erhaltung und Förderung einer möglichst naturnahen, ökologischen und dadurch nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensweise generell. Erst spätnachts, nach dem fast vollständigen Niederbrennen des Feuers nahmen die meisten der Besucher Abschied von ihren Gastgebern auf der Fürmannalm, Gertraud Gafus und Georg Planthaler und machten sich auf den Weg ins Tal.

Gefahren der Agrogentechnik einmal mehr aufgezeigt

Weibhausen. (al) So wie Gottfried Glöckner, bei seinem Vortrag neulich im Gasthaus Weibhausen es darstellte, ist es ein Kampf Landwirt David gegen die Agrogentechnik Goliath. Georg Planthaler von der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Gruppe Chiemgau-Inn-Salzach hatte Glöckner eingeladen, seine Erfahrungen mit der Agrogentechnik, den dahinterstehenden Konzernen und ihren politischen Handlangern zu schildern. Die Geschichte, die Glöckner in Weibhausen zum Besten gab, erinnert sehr an jene, die der kanadische Farmer Percy Schmeiser mit dem Agrogentechnikgiganten Monsanto machte und vor einigen Jahren dadurch auch in Deutschland bekannt wurde.
Anders als Schmeiser, der die Agrogentechnik von Anfang an ablehnte, zeigte sich Glöckner zuerst begeistert von der neuen Art die Pflanzen gegen Schädlinge zu wappnen. Glöckner meinte, der Gentechnikmais, den er anbaute, mache optisch einen besseren Eindruck als der konventionelle. Erst als seine Kühe Symptome, wie weiß-klebrigen Durchfall, trockene, spröde und blutende Zitzenhaut und Blutkreislaufprobleme entwickelten, sei er stutzig geworden, denn außer der Verfütterung des Genmais hatte er keine Änderungen bei der Kuhhaltung vorgenommen. Glöckner ließ daraufhin den Genmais untersuchen. Dabei wurden Abweichungen bei den Aminosäuren und Bt Toxine in der Milch nachgewiesen. Zudem seien nach der Gülleausbringung auf Weiden und Grünflächen Bt Toxine gefunden worden. Wissenschaftler, die zu Resultaten kamen, die seine Erfahrungen bestätigten, wurden „kaltgestellt“, sagte Glöckner.
Inzwischen sei er zu dem Schluss gekommen, Agrofirmen, die Gentechnisch veränderte Pflanzen erzeugen verdienten keine Glaubwürdigkeit in ihren Behauptungen und ihr Geschäftsgebaren hätte mit Ehrlichkeit nichts zu tun. Auch mit Leuten in Behörden und der Politik ging Glöckner hart ins Gericht. Solange dort bestimmte Personen in verantwortungsvollen Positionen seien, könne Behörden und Politik kein Vertrauen geschenkt werden. „Sie gebärden sich als Handlanger und Vasallen der Konzerne“, sagte Glöckner. Bis Gesetze dahingehend geändert würden, damit verantwortliche Leute in Konzernen, Behörden und Politik bei Schadensfällen selbst zur Verantwortung gezogen werden könnten, könne kein Vertrauen aufgebaut werden. Gegenwärtig würden bei Zulassungsverfahren vielfach Befunde der Agrogentechnikkonzerne als bare Münze genommen und Versuche auf eine Weise durchgeführt, damit bestimmte, den Konzernen gefällige Ergebnisse daraus resultierten. Viele der Wissenschaftler, die Agrogentechnik als ungefährlich erklärten, arbeiteten für die Konzerne selbst, oder für Institute, die, wenigstens zum Teil, von Finanzierung durch Konzerne abhängig seien, sagte Glöckner. Die Zulassungsverfahren seien vielfach der „reine Wahnsinn“. Wissenschaftler, deren Befunde die Schädlichkeit oder Gefahren der Agrogentechnik zeigten, würden sofort als nicht vertrauenswürdig erklärt, ausgegrenzt und deren Verträge nicht verlängert. Als Beispiel zitierte Glöckner den Fall der Wissenschaftlerin Angelika Hilbeck. In ihrer Arbeit beim Schweizer Forschungszentrum „Agroscope“, fand Hilbeck, das in gentechnisch veränderte Pflanzen als Gift gegen den Maiszünsler eingebaute Bt (Bazillus thuringiensis) sei ein aktives Toxin und auch für andere Insekten gefährlich. Daraufhin sei Hilbeck angehalten worden, ihre Befunde nicht zu veröffentlichen. Als sie das trotzdem tat, wurde ihr Kontrakt bei Agrosope nicht verlängert. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit, die im Auftrag der Agrogentechnikfirma Cyba Geigy (später Syngenta) durchgeführt worden war, hätten dem Auftraggeber offensichtlich nicht ins Konzept gepasst, sagte Glöckner.
Glöckner selbst ließ Proben vom Gen-Mais, den er an seine Kühe und Kälber verfütterte sowohl vom Syngenta Labor in North Carolina, als auch von der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt in Neustadt a. d. Weinstraße testen. Während das Syngenta Labor in den Proben keinerlei schädliche Substanzen fand, wurden von der Forschungsanstalt sehr wohl Giftstoffe nachgewiesen. Nachdem Glöckner mehrere Bestechungsversuche (Maschinen, Urlaub) ausschlug wurde er mit Anzeigen und Prozessen, auch im privaten Bereich, konfrontiert. Trotzdem ließ sich Glöckner aber nicht einschüchtern, führte seinen Kampf gegen die Agro-Gentechnik weiter und ist mittlerweile ein gefragter Sprecher in dieser Beziehung. Am Ende der Prozesserie hat Glöckner lukrative Angebote für Schweigegeld abgewiesen und wird deshalb immer noch von Agro-Gentechnikkonzernen und Lobbyisten traktiert, wie mit der Aussage eines Forschers, der meint; „Es darf nicht so weit kommen, dass man in Deutschland einem Bauern mehr glaubt als einem Forscher!“.

Vielleicht überraschender Weise geschieht dies aber in Ländern wie Russland und China. Glöckner wurde in beide Länder zu Referaten eingeladen. Sicher sind es aber nicht nur die Befunde Glöckners, derentwegen in Russland der Import aller gentechnisch manipulierten Rohstoffe verboten ist. China schicke alle Schiffsladungen mit solchen Produkten zurück, weil, wie die Chinesen festgestellt haben, diese nie dem aktuellen Stand der unabhängigen, wissenschaftlichen Forschung entsprächen, sagte derReferent.

Aufmerksam hörten Gottfried Glöckner (l.) und Georg Planthaler nach dem beeindruckenden Vortrag von Glöckner den Diskussionsteilnehmern zu. Foto: Alois Albrecht

In seinem Vortrag in Weibhausen warnte Glöckner auch vor weiteren, neueren Methoden der Gentechnik, mit denen „Smart Breeding“ oder „Genom Editing“, wie in „CRISPR/Cas“ in die Landwirtschaft eingeschleust werden sollen. Die schlussendlichen Resultate und Auswirkungen dieser Methoden seien bei weitem noch nicht genügend erforscht, meint Glöckner.
Die Diskussion nach dem Vortrag befasste sich vor allem mit dem Lobbyismus mit dem im Agro-Gentechniksektor gearbeitet wird und deren immer noch vorherrschenden Förderung durch die Politik, wie von Kanzlerin Angela Merkel. Dazu meinte ein Diskussionsteilnehmer, solange sowohl Verbraucher als auch Bauern, trotz der durchaus überzeugenden Argumente gegen die Agro-Gentechnik noch immer stur die gleichen Politiker wählten, werde sich nichts ändern. Mit ihren Wahlzetteln öffneten sie den Lobbyisten der Konzerne Tür und Tor um Einfluss zu nehmen. Dem stimmten Glöckner und auch Georg Planthaler in ihren Schlussworten zu.

 

Fairer Handel und die Rolle der Landwirtschaft in Zeiten der Globalisierung

Bericht von der Podiumsdiskussion am 26.05.2017 in Freilassing,
Thema „Fairer Handel und die Rolle der Landwirtschaft in Zeiten der
Globalisierung“

Podiumsdiskussion in Freilassing mit Gertraud Gafus und Leonhard Strasser vom Agrarbündnis, Norbert Eberherr und Angelika Schuster zum fairen Handel:

Marktdiktatur der Konzerne oder sozialökologischer Umbau der Landwirtschaft?

Freilassing. In einem intensiven Podiumsgespräch unter Leitung des Laufener Stadtrats Werner Eckl diskutierten die Vertreter alternativer Landwirtschaft, Gertraud Gafus und Leonhard Strasser mit dem linken Bundestagskandidaten Norbert Eberherr über Fakten und Lösungsvorschläge zur Krise der Landwirtschaft und des fairen Handels in Zeiten der Globalisierung.
Zu Beginn zeigte der Globalisierungsexperte Prof. Dr. Georg Auernheimer einige Fakten zur Forderung nach Fair Trade auf: „Es geht nicht nur um Importe von Lebensmitteln, Textilien oder Holz, sondern um die europäische, sprich hiesige Landwirtschaft, die mit den Exporten von Fleisch und Milchpulver z.B. die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Afrika kaputt macht, weil sie zu Wachstum gezwungen wird. Beim Milchmarkt z.B. hat die Politik die Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt, wie ihn die Wirtschaftswissenschaft formuliert, längst verspielt. Statt allen Käufern und Verkäufern freien Zugang zum Markt zu ermöglichen, liegt die Marktmacht bei den großen Einzelhandelsketten, die alle Bedingungen diktieren“, so Auernheimer. Deshalb sei eine staatliche Marktintervention unverzichtbar, um die Produktionsmenge zu steuern und den Erzeugern einen kostendeckenden Milchpreis zu sichern. „Ansonsten geht das Höfesterben und die Verödung der Dörfer weiter“.


Gertraud Gafus, bis letztes Jahr noch Bundesvorsitzende der ABL, freute sich, dass sich die Linke zunehmend mit Landwirtschaft beschäftigt. „Denn es geht um das zentrale Thema: Was essen, trinken, atmen, sehen wir und wie leben wir? Artenvielfalt braucht ökologisches Wirtschaften in kleinen Betrieben. Melkroboter und riesenhafte Maschinen zerstören die Landschaft und vernichten Arbeitsplätze. Es braucht viele Hände, viel Hirn und ich appelliere an die persönliche Verantwortung: Welche Auswirkungen hat mein Handeln. Aber auch politisch müssen wir was ändern: Schmeißt Nestle raus aus Afrika, denn das ist ein fruchtbarer Kontinent, wenn die weg sind“, so Gafus.
Leonhard Strasser vom Agrarbündnis ergänzte: „Fairer Handel braucht fairen Umgang miteinander und mit den Bauern auf dieser Welt und Verantwortung für unsere Nachkommen. Denn mit den billigen Preisen verkaufen wir die Zukunft, es zählt nur noch das Geld und nicht mehr die Arbeit. Seit 30 Jahren redet die Politik und der Bauernverband uns Bauern ein: Wachsen oder weichen. Deshalb müssen wir was verändern, damit es besser wird und die Politik fordern. Wir müssen nach oben treten, nicht nach unten“.
Angelika Schuster vom Weltladen Laufen nannte Bedingungen für fairen Handel: „Menschen in aller Welt müssen von ihrer Arbeit leben können. Die jetzige Überproduktion zeigt eine mangelnde Wertschätzung gegenüber den Dingen, was zur heutigen Wegwerfmentalität führt. Es ist ein Skandal, dass in Deutschland pro Jahr 11 Mio. Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen und anderswo Menschen millionenfach verhungern“. Es geht anders: Der Weltladen garantiere den Erzeugern einen festen Preis unabhängig vom jeweiligen Weltmarktpreis und stütze so die ökologische Landwirtschaft. „Wir kaufen darüber hinaus zu 90% Waren aus biologischer Landwirtschaft“ stellte Angelika Schuster fest.
Norbert Eberherr verurteilte die derzeitige Politik der EU und in Deutschland zugunsten des Profits der globalen Konzerne: „Unter dem sozialökologischem Umbau der Landwirtschaft verstehen wir unter anderem die Förderung nachhaltiger Erzeugung gesunder Lebensmittel und regionaler Vermarktungsstrukturen, Verbot von Patenten auf Lebensmittel und Saatgut. Wir fordern Stopp weiterer Globalisierung und sog. Freihandelsabkommen z.B. die jüngste Kumpanei der EU mit globalen Konzernen in Afrika, die zur weiteren Zerstörung der dortigen Landwirtschaft führen. Bauernland gehört nicht in Investorenhand – nicht hier und nicht weltweit.“, erklärte Eberherr.
In der Diskussion stellten die Podiumsteilnehmer und Besucher sehr konkrete Forderungen an die Politik auf, aber auch um persönliche Verhaltensänderungen. Prof. Auernheimer reicht ein Appell an die Verbraucher nicht: „Die Politik ist gefordert“. Das meinte auch Frau Soyoye-Rothschädl aus Salzburg, die entsprechende Gesetze forderte, um die Gängelung der Landwirtschaft mit fragwürdigen Fördermaßnahmen zu beenden. Gertraud Gafus hielt der alleinigen Hoffnung auf die Politik entgegen: „ Wenn da aber so schnell nichts kommt, brauchen wir einen Plan B, um nicht zu resignieren. Also persönlich handeln, wo es geht. Und es geht einiges, wenn an den Landwirtschaftsschulen das Richtige vermittelt würde und nicht falsch beraten würde“. Auch Angelika Schuster verwies auf Erfolge in Laufen mit Workshops an den Schulen die vom Weltladen initiiert werden. „Jeder kann beim Einkauf fragen: Wo kommen die Lebensmittel her, wo kommen die Futtermittel her. Warum werden in Biogasanlagen Lebensmittel vernichtet?“ Leonhard Strasser setzte sowohl auf Sensibili-sierung der Bevölkerung, aber auch auf Druck von unten auf die Politiker: „wenn Minister Brunner das Fernziel „20% Bioprodukte“ ausgibt, sage ich: Wir brauchen 100% Ökologie“. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die 6 Mrd. Fördergelder in der BRD völlig falsch vergeben würden, denn „nicht die Flächen der industriellen Landwirtschaft, sondern die ökologischen Herstellungsweisen müssten gefördert werden und Abgaben auf Gifte, Spritzmittel und Bodenverunreinigung erhoben werden. Hias Kreuzeder erinnerte an den Art. 153 der bayerischen Verfassung: “Die selbständigen Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe in Landwirtschaft, Handwerk,……sind in der Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen“. Dagegen verstoße die CSU-Regierung seit Jahrzehnten in verbrecherischer Weise.
Dass sich am Ende alle Teilnehmer einig in der Kritik an der kapitalistischen Fehlentwicklung in der Landwirtschaft waren und Auflagen und Kontrollen der Agrarkonzerne forderten, überraschte Norbert Eberherr von den Linken doch etwas. „Aber es reicht halt nicht, uns nur Recht zu geben, wir müssen auch gewählt werden, damit der Druck auf die etablierten Politiker groß genug wird, endlich grundlegend ihre jetzige Agrarpolitik zu ändern. Da ist keine Stimme verschenkt“, schloss Eberherr die Diskussion.