Gefahren der Agrogentechnik einmal mehr aufgezeigt

Weibhausen. (al) So wie Gottfried Glöckner, bei seinem Vortrag neulich im Gasthaus Weibhausen es darstellte, ist es ein Kampf Landwirt David gegen die Agrogentechnik Goliath. Georg Planthaler von der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Gruppe Chiemgau-Inn-Salzach hatte Glöckner eingeladen, seine Erfahrungen mit der Agrogentechnik, den dahinterstehenden Konzernen und ihren politischen Handlangern zu schildern. Die Geschichte, die Glöckner in Weibhausen zum Besten gab, erinnert sehr an jene, die der kanadische Farmer Percy Schmeiser mit dem Agrogentechnikgiganten Monsanto machte und vor einigen Jahren dadurch auch in Deutschland bekannt wurde.
Anders als Schmeiser, der die Agrogentechnik von Anfang an ablehnte, zeigte sich Glöckner zuerst begeistert von der neuen Art die Pflanzen gegen Schädlinge zu wappnen. Glöckner meinte, der Gentechnikmais, den er anbaute, mache optisch einen besseren Eindruck als der konventionelle. Erst als seine Kühe Symptome, wie weiß-klebrigen Durchfall, trockene, spröde und blutende Zitzenhaut und Blutkreislaufprobleme entwickelten, sei er stutzig geworden, denn außer der Verfütterung des Genmais hatte er keine Änderungen bei der Kuhhaltung vorgenommen. Glöckner ließ daraufhin den Genmais untersuchen. Dabei wurden Abweichungen bei den Aminosäuren und Bt Toxine in der Milch nachgewiesen. Zudem seien nach der Gülleausbringung auf Weiden und Grünflächen Bt Toxine gefunden worden. Wissenschaftler, die zu Resultaten kamen, die seine Erfahrungen bestätigten, wurden „kaltgestellt“, sagte Glöckner.
Inzwischen sei er zu dem Schluss gekommen, Agrofirmen, die Gentechnisch veränderte Pflanzen erzeugen verdienten keine Glaubwürdigkeit in ihren Behauptungen und ihr Geschäftsgebaren hätte mit Ehrlichkeit nichts zu tun. Auch mit Leuten in Behörden und der Politik ging Glöckner hart ins Gericht. Solange dort bestimmte Personen in verantwortungsvollen Positionen seien, könne Behörden und Politik kein Vertrauen geschenkt werden. „Sie gebärden sich als Handlanger und Vasallen der Konzerne“, sagte Glöckner. Bis Gesetze dahingehend geändert würden, damit verantwortliche Leute in Konzernen, Behörden und Politik bei Schadensfällen selbst zur Verantwortung gezogen werden könnten, könne kein Vertrauen aufgebaut werden. Gegenwärtig würden bei Zulassungsverfahren vielfach Befunde der Agrogentechnikkonzerne als bare Münze genommen und Versuche auf eine Weise durchgeführt, damit bestimmte, den Konzernen gefällige Ergebnisse daraus resultierten. Viele der Wissenschaftler, die Agrogentechnik als ungefährlich erklärten, arbeiteten für die Konzerne selbst, oder für Institute, die, wenigstens zum Teil, von Finanzierung durch Konzerne abhängig seien, sagte Glöckner. Die Zulassungsverfahren seien vielfach der „reine Wahnsinn“. Wissenschaftler, deren Befunde die Schädlichkeit oder Gefahren der Agrogentechnik zeigten, würden sofort als nicht vertrauenswürdig erklärt, ausgegrenzt und deren Verträge nicht verlängert. Als Beispiel zitierte Glöckner den Fall der Wissenschaftlerin Angelika Hilbeck. In ihrer Arbeit beim Schweizer Forschungszentrum „Agroscope“, fand Hilbeck, das in gentechnisch veränderte Pflanzen als Gift gegen den Maiszünsler eingebaute Bt (Bazillus thuringiensis) sei ein aktives Toxin und auch für andere Insekten gefährlich. Daraufhin sei Hilbeck angehalten worden, ihre Befunde nicht zu veröffentlichen. Als sie das trotzdem tat, wurde ihr Kontrakt bei Agrosope nicht verlängert. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit, die im Auftrag der Agrogentechnikfirma Cyba Geigy (später Syngenta) durchgeführt worden war, hätten dem Auftraggeber offensichtlich nicht ins Konzept gepasst, sagte Glöckner.
Glöckner selbst ließ Proben vom Gen-Mais, den er an seine Kühe und Kälber verfütterte sowohl vom Syngenta Labor in North Carolina, als auch von der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt in Neustadt a. d. Weinstraße testen. Während das Syngenta Labor in den Proben keinerlei schädliche Substanzen fand, wurden von der Forschungsanstalt sehr wohl Giftstoffe nachgewiesen. Nachdem Glöckner mehrere Bestechungsversuche (Maschinen, Urlaub) ausschlug wurde er mit Anzeigen und Prozessen, auch im privaten Bereich, konfrontiert. Trotzdem ließ sich Glöckner aber nicht einschüchtern, führte seinen Kampf gegen die Agro-Gentechnik weiter und ist mittlerweile ein gefragter Sprecher in dieser Beziehung. Am Ende der Prozesserie hat Glöckner lukrative Angebote für Schweigegeld abgewiesen und wird deshalb immer noch von Agro-Gentechnikkonzernen und Lobbyisten traktiert, wie mit der Aussage eines Forschers, der meint; „Es darf nicht so weit kommen, dass man in Deutschland einem Bauern mehr glaubt als einem Forscher!“.

Vielleicht überraschender Weise geschieht dies aber in Ländern wie Russland und China. Glöckner wurde in beide Länder zu Referaten eingeladen. Sicher sind es aber nicht nur die Befunde Glöckners, derentwegen in Russland der Import aller gentechnisch manipulierten Rohstoffe verboten ist. China schicke alle Schiffsladungen mit solchen Produkten zurück, weil, wie die Chinesen festgestellt haben, diese nie dem aktuellen Stand der unabhängigen, wissenschaftlichen Forschung entsprächen, sagte derReferent.

Aufmerksam hörten Gottfried Glöckner (l.) und Georg Planthaler nach dem beeindruckenden Vortrag von Glöckner den Diskussionsteilnehmern zu. Foto: Alois Albrecht

In seinem Vortrag in Weibhausen warnte Glöckner auch vor weiteren, neueren Methoden der Gentechnik, mit denen „Smart Breeding“ oder „Genom Editing“, wie in „CRISPR/Cas“ in die Landwirtschaft eingeschleust werden sollen. Die schlussendlichen Resultate und Auswirkungen dieser Methoden seien bei weitem noch nicht genügend erforscht, meint Glöckner.
Die Diskussion nach dem Vortrag befasste sich vor allem mit dem Lobbyismus mit dem im Agro-Gentechniksektor gearbeitet wird und deren immer noch vorherrschenden Förderung durch die Politik, wie von Kanzlerin Angela Merkel. Dazu meinte ein Diskussionsteilnehmer, solange sowohl Verbraucher als auch Bauern, trotz der durchaus überzeugenden Argumente gegen die Agro-Gentechnik noch immer stur die gleichen Politiker wählten, werde sich nichts ändern. Mit ihren Wahlzetteln öffneten sie den Lobbyisten der Konzerne Tür und Tor um Einfluss zu nehmen. Dem stimmten Glöckner und auch Georg Planthaler in ihren Schlussworten zu.

 

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