Feldbegehung bei Georg Planthaler

Ein Beispiel wie Futtermittel-Unabhängigkeit funktionieren kann

Trostberg. (al) Eine offensichtlich für viele Bauern sehr interessante Feldbegehung fand neulich auf dem Hof von Georg Planthaler in Kaps bei Trostberg statt.  Nach der Feldbegehung gab es zudem Kurzvorträge von Christoph Fischer von Zivilcourage, Dr. Anita Idel, einer Tierärztin und Mitarbeiterin am Weltagrarbericht der UN, sowie dem Direktor des Landwirtschaftsamtes Traunstein, Alfons Leitenbacher, mit einer Diskussion, Ideenaustausch und gemütlichem Beisammensein.  Wie groß das Interesse der Bauern ist, statt auf importierte Futtermittel für ihre Tiere, auf heimische, selbsterzeugte zu setzen zeigte sich in der Besucherzahl von etwa 250 Bauern, vor Allem aus den Kreisen Traunstein und BGL.Neben den Bauern und den Referenten waren auch mehrere Vertreter der Politik und einige der Landtagskandidaten der Parteien gekommen um ihr Interesse an der Landwirtschaft zu bekunden.  Von den Mitgliedsverbänden des Agrarbündnisses BGL / TS waren der Landesvorsitzende des Imkerverbandes, Franz Vollmeier, die Regionalsprecher der ABL, Gertraud Gafus und Hubert Hochreiter, die Kreisvorsitzenden des BDM im BGL und Traunstein, Hans Haunerdinger und Sepp Hubert, vom Landschaftspflegeverband Markus Fröschl und auch Gabi Töpsch vom bayerischen Rundfunk, die die Diskussion bei der Agrarbündnis Veranstaltung während der Agrarministerkonferenz in Berchtesgaden moderiert hatte, gekommen und wurden von Planthaler begrüßt.  Auch der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Maschinenrings Traunstein, Franz Gruber und Raphael Röckenwagner waren gekommen.  Ebenso der agrarpolitische Geschäftsführer der AbL, Andreas Remmelberger aus Burgkirchen an der Alz.

In seiner Begrüßung sagte Planthaler bis vor etwa acht Jahren sei er ein „Vollgasbauer“ gewesen.  Damals habe dann eine langsam einsetzende „Umdenkphase“ begonnen, denn er habe erkannt, dass die Landwirtschaft, wie sie auch heute noch teilweise propagiert werde, in eine Krise steuere.  Die Spirale von immer mehr und immer größer könne auf Dauer nicht gut gehen.  Mit Chemikalien auf den Feldern und Pharmaka bei den Tieren können die Grenzen des Machbaren zwar kurzfristig ausgeweitet werden, allerdings zu einem hohen Preis.  Denn es wird immer mehr offensichtlich, Natur und Tier leiden darunter.  Zudem drücken die Bauern durch ihre Überproduktion selbst die Preise für ihre Erzeugnisse.  Milch, bei der die Erzeugerpreise seit Jahren fallen, oder bestenfalls stagnieren, sei ein gutes Beispiel dafür.  Auch die Böden werden durch Monokulturen, wie dem Mais, ausgelaugt und unfruchtbar gemacht.  Jedenfalls habe er sich entschlossen, sagte Planthaler, einen anderen Weg zu gehen und auf importierte Futtermittel zu verzichten, wegen denen in Südamerika und anderswo Urwälder gerodet, Böden zerstört und die indigene Bevölkerung leidet und vertrieben wird.

Interessiert hörten etwa 200 Bauern zu, als Georg Planthaler und Bereichsleiter Rolf Oehler die Vorteile des Gemengeanbaus für Böden und Tiere erklärten.

Interessiert hörten etwa 250 Bauern zu, als Georg Planthaler und Bereichsleiter Rolf Oehler die Vorteile des Gemengeanbaus für Böden und Tiere erklärten.

Jetzt sei er bei Futtermitteln Selbstversorger und brauche keine Zukäufe.  Das brachte ihn zur Feldbegehung zu der er die Besucher zu einem nahegelegen Feld führte, auf dem gleichzeitig Hafer, Erbsen und Gerste wachsen.  Dieses Gemenge werde gedroschen und als Kraftfutter an seine Kühe verfüttert, wobei ein Teil sogar noch verkauft werden kann.

   Hier wachsen drei Arten zusammen auf einem Feld, zum Wohle des Bodens und der Tiere an die sie verfüttert werden.

Hier wachsen drei Arten zusammen auf einem Feld, zum Wohle des Bodens und der Tiere an die sie verfüttert werden.

Bei diesem Gemengeanbau sei die Durchwurzelungstiefe verschieden und es werde mehr Wurzelmasse gebildet, sagte Planthaler.  Dadurch entstehe mehr neuer Humus, wodurch die Fruchtbarkeit des Bodens gesteigert werde, statt sie wie mit Monokulturen von Mais, zu verringern.  Erbsen und Klee seien Leguminosen, die mit Hilfe sogenannter „Knöllchenbakterien“ Stickstoff bilden.  Dadurch bekommen Kulturen genügend Stickstoff für ihr Wachstum und obendrein bleiben noch etwa 50 bis 100 kg Stickstoff pro Hektar für Folgekulturen im Boden.  Dieser Stickstoff braucht also nicht zugekauft werden, die Natur liefert ihn kostenlos.  Der so entstandene, natürliche Stickstoff werde auch nicht so leicht ausgewaschen wie mineralischer Stickstoff, erklärte Planthaler.  Zudem sei beim Gemengeanbau das Wetterrisiko geringer, denn die eine oder andere der Pflanzen komme immer gut mit den Wetterbedingungen zurecht, wie die auch sein mögen.  Der Bereichsleiter beim Landwirtschaftsamt Traunstein, Rolf Oehler, der ebenfalls zugegen war, bestätigte Planthalers Ausführungen.

Ein kurzer Fußmarsch brachte die Hofbesucher dann zu einer Kleegraswiese.  Auch hier erklärten Planthaler und Oehler das Gedankengut hinter dem Anbau des Kleegrases.  Auf einer solchen Wiese sollten möglichst viele verschiedene Gras- und Kleesorten angebaut werden, hier seien es acht, mit einem Kleeanteil von etwa 50 Prozent, sagte Planthaler.  Der Grund dafür seien auch hier die verschiedenen Wurzeltiefen, durch die neuer Humus gebildet wird.  Kleegras bringe dem Boden pro Hektar 600 bis 800 kg neuen Humus im Jahr, während durch Silomais etwa die gleiche Menge an Humus verbraucht werde.  Zudem sei Kleegras einfach gut für die Gesundheit der Tiere, beteuerten Planthaler und Oehler.

In seinem Referat nach der Feldbegehung erläuterte Christoph Fischer von Zivilcourage das Prinzip hinter dem Einsatz von effektiven Mikroorganismen (EM) in der Landwirtschaft und auch was es mit „Terra Preta“, der guten Erde, wie sie im Amazonasgebiet in Südamerika entdeckt worden ist, auf sich hat.  Durch den gezielten Einsatz von EM, zum Beispiel bei der Aufbereitung von Gülle, könnte die Bodenbeschaffenheit und seine Fruchtbarkeit und dadurch Erträge und auch die Gesundheit von Mensch und Tier positiv beeinflusst werden, sagte Fischer.  Vor 18 Jahren habe er mit EM zu experimentieren angefangen und damals sei ihm mit großer Skepsis begegnet worden.  Die Erfolge, die mit EM erzielt worden seien, hätten ihm aber recht gegeben und inzwischen gebe es große Akzeptanz, auch bei den Bauern.  Das Konzept von Terra Preta beruhe auf einem großen Holzkohle Anteil im Boden.  Dadurch Mischung könne der Boden viel besser guten Humus bilden, der zudem Nährstoffe viel länger halte.  Im Amazonasgebiet seien solche, von den Eingeborenen vor bis zu 7000 Jahren aufbereitete Böden untersucht worden.  Dabei wurde festgestellt dass diese noch immer einen großen Teil der Nährstoffe in sich hatten.  Der Urwaldboden um diese Terra Preta Inseln herum sei aber schon nach kurzer Zeit unfruchtbar, wenn Kulturpflanzen darauf angebaut werden.  Auch mit Terra Preta könne die Landwirtschaft langfristig positiv beeinflusst werden, meinte Fischer.  Überhaupt liege eine gute Zukunft der Landwirtschaft darin, Systeme zu entwickeln, die effektiv seien und zugleich ökologisch, sagte Fischer abschließend.  Planthaler meinte dazu, es müsse nicht alles neu erfunden werden in der Landwirtschaft; „aber wir müssen Dinge überdenken und offen sein“.

Dr. Idel sagte sie habe Landwirtschaft gelernt und erkannt, die herkömmliche Denkweise führe zu massiven Problemen.  In ihrer Sichtweise bedürfe es wieder Böden, die so seien wie sie waren bevor der Mensch auf der Bildfläche erschien und anfing Landwirtschaft zu betreiben.  Die fruchtbarsten Böden seien nämlich jene, die für tausende von Jahren von Tieren beweidet wurden.  Dadurch sei das Wachstum von Gräsern und Pflanzen stimuliert und damit die Bodenbeschaffenheit gefördert worden.  Rinder würden als Klimaschädlinge verdammt, wegen der Emittierung von Methan, dies komme aber nur zum Tragen wenn alleine auf diesen Aspekt geschaut werde.  Wenn die Natur als Kreislauf verstanden würde, könnte auch gesehen werden, dass dieses Methan bei der Beweidung wieder in den Boden aufgenommen und dort gespeichert würde.  „Die Kuh ist nicht von Haus aus klimaschädlich, sondern sie wird das erst durch Fütterung mit Mais und Kraftfutter“, beteuerte Dr. Idel.  Wenn dieses dann auch noch aus Amerika komme, werde durch die Rodung von Urwald und die langen Lieferwege die Klimabilanz noch schlechter.  Die Rinder seien also nur Klimaschädlinge durch die Art ihrer Haltung, wie sie jetzt praktiziert werde.  Wir könnten viel lernen durch Abschauen von der Natur, sagte Idel abschließend.

             Landwirtschaftsamtsleiter Alfons Leitenbacher stresste die Wichtigkeit eines ökologischen, nachhaltigen Kreislaufs in der Landwirtschaft.

Landwirtschaftsamtsleiter Alfons Leitenbacher stellte die Wichtigkeit eines ökologischen, nachhaltigen Kreislaufs in der Landwirtschaft dar

Der Landwirtschaftsamtsleiter Traunsteins, Alfons Leitenbacher, sagte er komme aus der Forstwirtschaft und von dort komme auch der Begriff „Nachhaltigkeit“, der meine es dürfe nicht mehr verbraucht werden, als nachwachsen kann.  Die Landwirtschaft und alles was der Mensch tue müsse danach ausgerichtet werden, dass von jeglichem Material auf der Erde zwar nichts verloren gehe, aber auch nichts hinzukomme, außer der Energie des Sonnenlichtes.  Unsere gegenwärtige Wirtschaftsweise sei aber eine, durch die wir mehr verbrauchen, als in der Zeit des Verbrauches erneuert werden kann.  Wir leben also auf Pump gegenüber der Zukunft.  Deshalb sei es so wichtig eine „Ökobilanz“ unseres Wirtschaftens zu erstellen und dieses in Einklang zu bringen mit einer „Kreislaufwirtschaft“, in der nicht mehr verbraucht wird, als die Natur erneuern kann.  Dabei sei auch zu beachten, dass Alle, auch die Bauern, ein ausreichendes Einkommen haben, das es ihnen erlaubt zukunftsträchtig und mit Perspektiven zu wirtschaften.  Dazu bedürfe es praxisgerechter Regelungen und Anreizen durch gezielte Förderungen.  Vor allem sollte darauf geachtet werden, die Tierbestände den vorhandenen Flächen und ökologischen Kriterien anzupassen.  Das würde fast automatisch die Qualität und Regionalität fördern.  Auch die Verbraucher müssten dahingehend sensibilisiert werden.

Georg Planthaler sagte abschließend, er sei jetzt froh eine andere als die herkömmliche Betrachtungsweise der Landwirtschaft adaptiert zu haben.  Als Beispiel nannte er seine Tierarztkosten, die sich von etwa 60 bis 70 Euro pro Tier und Jahr auf 10 bis 20 Euro verringert hätten, mit einem Tiefstand von acht Euro vor zwei Jahren.  Insbesondere Jungbauern und –bäuerinnen sollten mehr einbezogen werden und auch eine andere, als die herkömmliche Sichtweise vermittelt bekommen, meinte Planthaler.  Oehler meinte dazu es werde jetzt viel getan um eine ökologischere Wirtschaftsweise zu fördern.  „Wir müssen zusammen daran arbeiten“, meinte der Bereichsleiter des Landwirtschaftsamtes.

Beim gemütlichen Zusammensein nach den Vorträgen und einer Diskussion, bei der es ebenfalls um die Förderung einer naturverträglichen Landwirtschaft ging, wies Leonhard Strasser vom Agrarbündnis BGL / TS nochmals auf die Groß-Demo unter dem Motto; „Mia hams satt“ am 13. Juli in München hin, für die sich die 12 Träger und über 30 Unterstützerorganisationen viele Teilnehmer erhoffen.

               Die Referenten, v.l.; Christoph Fischer, Dr. Anita Idel und Alfons Leitenbacher, sowie Gastgeber Georg Planthaler erhielten Geschenkkistchen mit regionalen Produkten, die von den Agrarbündnisorganisatoren Leonhard Strasser und Gertraud Gafus überreicht wurden. Alle Fotos: Alois Albrecht

Die Referenten, v.l.; Christoph Fischer, Dr. Anita Idel und Alfons Leitenbacher, sowie Gastgeber Georg Planthaler erhielten Geschenkkistchen mit regionalen Produkten, die von den Agrarbündnisorganisatoren Leonhard Strasser und Gertraud Gafus überreicht wurden.
Alle Fotos: Alois Albrecht

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