Land- und forstwirtschaftliche Maßnahmen zur Hochwasser- und Dürreprävention

am Mittwoch den, 13.Juli 2022 um 20 Uhr

im Gasthaus Alpenblick in 83379 Weibhausen

Prof. Karl Auerswald

Karl Auerswald: Land- und forstwirtschaftliche Maßnahmen zur Hochwasser- und Dürreprävention

Die Prognosen zum Klimawandel deuten darauf hin, dass sich die jährlichen Niederschlagsmengen in Deutschland zwar nur wenig verändern werden, aber Trockenzeiten werden länger und Starkregenereignisse werden zunehmen (erhöhte Anzahl von Sturzfluten). Dies hat bereits dazu geführt, dass die Regen-Erosivität, also die Fähigkeit von Regen, Abfluss und Abtrag auszulösen, sich in Deutschland seit den 1960er-Jahren verdoppelt hat und weiter steigt.

Daher wäre auch in Zukunft ausreichend Wasser vorhanden, sofern der Regen vom Boden aufgenommen und gespeichert wird, um in Trockenphasen zur Verfügung zu stehen. Wenn dies nicht geschieht, dann führt der Klimawandel zu einer Zunahme von Hochwasserereignissen im Regenphasen und zu einer Zunahme von Dürreereignissen in Trockenphasen. Beide Typen von Schadereignissen hängen unmittelbar zusammen und können daher durch die gleichen Maßnahmen gelindert oder sogar verhindert werden. Es gibt daher im Grunde keine Zielkonflikte.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden Landschaftsstruktur und Landnutzung auf Effizienzsteigerung ausgerichtet. Effizienz geht immer zu Lasten des Puffervermögens. Daher stehen diese Änderungen im Gegensatz zu den Erfordernissen eines verstärkten Regenrückhalts. Die bisher verzeichnete Zunahme von Hochwasser- und Dürreereignissen ist wesentlich durch die über Jahrzehnte verstärkte Entwässerung der Landschaft bedingt, also durch die Akteure vor Ort. Diese Zunahme von Hochwasser- und Dürreereignissen ist bislang nur zu einem kleinen Teil dem globalen Klimawandel geschuldet. Dessen Einfluss wird zunehmen. Umso wichtiger ist es, die falschen Entwicklungen vor Ort zurückzuführen.

Maßnahmen, die nur auf Dürre oder Hochwasser zielen, sind wegen ihrer einseitigen Wirkung, regelmäßig ökonomisch unvorteilhaft. Beispielsweise können Polder zwar Hochwasser zurückhalten, verbessern aber nicht die Wasserversorgung der Fläche in Trockenphasen. Es gilt, den Wasserrückhalt in der Fläche zu verbessern. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  1. Den Bodenspeicher funktionsfähig halten:
    Dies bedeutet, Erosion und Schadverdichtung vermeiden. Beide Schadensformen haben trotz der seit langem bestehenden Warnungen stark zugenommen, weil die enormen technologischen Fortschritte nicht genutzt, sondern ins Gegenteil verkehrt wurden.
  2. Die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens fördern:
    Selbst auf Ackerflächen wären mit ausreichender Bedeckung Infiltrationsraten wie unter Wald einfach zu erreichen. Geeignete Verfahren stehen zur Verfügung. Dies würde auch Wasserverlust durch Bodenverdunstung vermindern.
  3. Überschusswasser nicht abführen, sondern in der Fläche halten.
    Bisher wird das Gegenteil praktiziert. Viele landwirtschaftlichen Flächen sind drainiert. Gleichzeitig leiten Gräben und Rohre, wasserundurchlässige Straßen mit Seitengräben und mit Verrohrungen das benötigte Wasser rasch fort und fördern Überschwemmungen. Diese Maßnahmen sind daher in ihrer wasserableitenden Wirkung rückgängig zu machen.

Feuchte Flächen erhalten oder wiederherstellen.
Da Feuchtflächen auch in Trockenzeiten viel verdunsten, mindern sie den Trockenstress der Nachbarflächen. Die Trockenlegung von Feuchtflächen hat also nicht nur diese trockener gemacht, sondern unbeabsichtigt auch auf den Nachbarstandorten den Wasserstress erhöht.

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