Resolution des Agrarbündnis anlässlich der Agrarministerkonferenz in Berchtesgaden

Die Debatte um die Reform der EU-Agrarpolitik ist in vollem Gange. EU-Parlament und Kommission sind dabei, wichtige Entscheidungen zu treffen, die Auswirkungen nicht nur auf die regionale und landesweite Landwirtschaft haben, sondern auch die Situation der Bauern weltweit direkt beeinflussen.

Ausgangslage

Die aktuelle europäische Agrarpolitik spiegelt die zukünftigen Erfordernisse einer klimaschonenden, vielfältigen und naturverträglichen Landwirtschaft nicht wider. Angesichts der zunehmenden Umweltprobleme gilt es die europäische Agrarpolitik neu zu justieren. Wir brauchen für ein zukunftsfähiges Europa sauberes Wasser, unbelastete Böden, vielfältige Kulturlandschaften, Verbot der Agro- Gen-Technik, artgerechte Tierhaltung, Biodiversität, nachhaltige dezentrale Energieerzeugung und eine ökologischere Landwirtschaft.

Diese Ziele sind erreichbar, erfordern jedoch zukünftig eine Honorierung von Umwelt- und Tierschutzleistungen für die Landwirte. Angesichts der enormen Steuermittel, die auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene in die Landwirtschaft fließen, müssen Leistungen zum Schutz der Ressourcen deutlich besser honoriert werden.

Die Landwirtschaft hat über Jahrhunderte die Kulturlandschaften Europas geformt, die Menschen mit gesunden landwirtschaftlichen Produkten versorgt und zur Umwelterhaltung beigetragen. Durch die Intensivierung im Agrarbereich seit den 50er-Jahren hat sich jedoch diese Entwicklung spürbar zu Lasten des Natur- und Landschaftsschutzes verschlechtert.

Wir fordern

1.)   … eine sozial und ökologisch ausgerichtete Agrarpolitik für eine umweltgerechte,gentechnikfreie, bäuerliche Landwirtschaft mit flächenbezogener, artgerechter Tierhaltung.

2.)   …, dass Gene von Pflanzen und Tieren sowie Saatgut weder patentiert noch manipuliert  werden dürfen.

3.)   … den Verzicht auf sämtliche zell- und nervenschädigende Pestizide zum Schutz von Flora und Fauna.

4.)   … die Abkehr von der Weltmarktorientierung der EU-Landwirtschaft und stattdessen eine landwirtschaftliche Produktion, die auf den Binnenmarkt ausgerichtet ist, z.B. über eine flexible Mengensteuerung. Dies verhindert Preisverfall, spart Rohstoffe, schont Tiere und Natur.

5.)   … die Sicherung und den Ausbau der Ernährungssouveränität durch eigenen Anbau von Eiweißfuttermitteln, effektivere Nutzung des Grünlandeiweißes und insgesamt geringere, an die eigene Futterfläche angepasste Fleischerzeugung. Der derzeitige hohe Import von Futtermitteln führt zur Zerstörung von Regenwäldern und kleinbäuerlichen Strukturen in Ländern des Südens.

6.)   … die vollständige Abschaffung des Instruments der Agrarexportsubventionen, da diese die Märkte in Dritt- und Entwicklungsländern zerstören.

7.)   … ein Verbot der Spekulationen mit Lebens- und Futtermitteln an Warenterminbörsen.

8.)   … für Landwirte ein faires Einkommen aus dem Verkauf ihrer Erzeugnisse am Markt und aus der finanziellen Honorierung für die von ihnen erbrachten Gemeinwohlleistungen wie z.B. Schutz von Grundwasser, Gewässern, Boden, Klima und Tieren sowie der Erhalt der Biodiversität.

9.)   … für die Neuorientierung der EU-Agrarpolitik ausreichende Mittel, die lenkend zur Erreichung der oben genannten Ziele eingesetzt werden. Bei allen agrarpolitischen Entscheidungen sind die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes zu Grunde zu legen.

Ziele

Die Landwirtschaft in unserer Region ist traditionell kleinstrukturiert. Sie hat schon immer  eine hohe Verantwortung für den Erhalt des Grünlandes und der Kulturlandschaft, für eine artgerechte Tierhaltung und für die Schonung der natürlichen Ressourcen. Diese Gemeinwohlleistungen müssen mehr als bisher honoriert werden.

Das Leitbild einer bäuerlichen- im Gegensatz zur industriellen- Landwirtschaft ist der Erhalt der biologischen Vielfalt, Denken und Handeln in Generationen, Einbindung in hofnahe Kreisläufe, Reduzierung des Einsatzes von chemischen Spritz- und Düngemitteln,  Verantwortung für Mensch, Tier und Natur, Klimaschutz, nachhaltige Bewirtschaftung und Erhaltung der Kulturlandschaft.

Damit erbringen unsere Landwirte durch regionale Wertschöpfung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Schutz der Ressourcen und Erhalt der dörflichen Strukturen gesellschaftliche Leistungen, die eine bessere Honorierung rechtfertigen.

Darum dürfen keine pauschalen Flächenprämien gezahlt werden. Stattdessen sollte die Neugestaltung der Agrarpolitik in der Förderperiode 2014-2020 genutzt werden, um die ruinöse Preisdumping-Politik der Lebensmittel- und Agrarkonzerne zu stoppen und eine sozial und ökologisch gerechtere Preis- und Förderpolitik zu erreichen. Grundsätzlich begrüßen wir die von der EU vorgeschlagene zusätzliche Förderung von kleineren Betrieben durch die Umverteilung eines Drittels der Direktzahlungen auf nationaler Ebene für die ersten 30 Hektar. Erforderlich ist hierbei eine Honorierung des höheren Arbeitsaufwands kleinstrukturierter bäuerlicher Betriebe.

Eine zukunftsgerichtete europäische Agrarpolitik muss stärker die bäuerliche Landwirtschaft in den Mittelpunkt ihrer Handlungen stellen und dem Schutz der Natur und Umwelt eine größere Bedeutung beimessen.

Durch eine europäische Agrarpolitik dürfen weder die Wirtschaftsgrundlagen der Landwirte noch die Lebensgrundlagen unserer nachfolgenden Generationen gefährdet, verschlechtert oder sogar zerstört werden.

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