Bodenbiologie, Alternative zur Agrarchemie?

Das Agrarbündnis lädt ein zum Vortrag mit anschließender Diskussion

Jens Petermann

 

Bodenbiologie, Alternative zur Agrarchemie?

am Donnerstag, den 26. Oktober 2017
um 20 Uhr, Gasthaus John, Obing

Der Brandenburger Landwirt Jens Petermann hatte im Jahr 2007 mit massiven Erosionen zu kämpfen. Ausgelöst wurden sie durch Regenfälle – und durch mangelndes Bodenleben. Für Jens Petermann ein Schlüsselerlebnis. In den folgenden Jahren befasste er sich intensiv mit dem Boden und der Frage, wie man ihn in der Landwirtschaft möglichst gut behandeln kann

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Wie Wirtschaft und Handel die Kunden für dumm verkaufen

Das Agrarbündnis BGL/TS

lädt ein zum Vortrag und anschließender Diskussion mit

 

Sina Trinkwalder

über ihr Buch

„Fairarscht“

Wie Wirtschaft und Handel die Kunden für dumm verkaufen

 

am Mittwoch, den 18. Oktober 2017

um 20 Uhr, Gasthaus Alte Post, Teisendorf

Warensiegel für ökologischen Anbau, faire Produktions- und Handelsbedingungen geben ein gutes Gefühl. Doch die größten Umsatzteile kommen auch dort nicht, wo mit Fairness geworben wird, den Erzeugern in der Dritten Welt zu gute. Sina Trinkwalder, eine der profiliertesten und streitbarsten deutschen Unternehmerinnen, spricht Klartext: Wer profitiert am reinen Gewissen? Wie werden Bauern und Handwerker tatsächlich behandelt? Was sind die blutigen Seiten des Gutmenschenbusiness?
Sina Trinkwalder studierte Politik und Betriebswirtschaft in München. Nach erfolgreichem Abbruch arbeitete sie über 10 Jahre als Geschäftsführerin ihrer eigenen Werbeagentur. 2010 wechselte sie die Seiten und gründete das erste textile Social Business in Deutschland: manomama. In dieser Kleidermanufaktur werden von ehemals arbeitslosen Näher/innen innerhalb einer regionalen Wertschöpungskette ökosoziale Bekleidung und Accessoires produziert. Für ihr ökologisches und soziales Engagement wurde Sina Trinkwalder mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.        Die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder schaut in ihrem Buch hinter die Kulissen der Warenwelt.

  • Ich bin nicht nur Vollblutunternehmerin, sondern auch Wirtschaftsaktivistin. Ich vertrete ein anderes Wirtschaftssystem, das wir auch brauchen, denn sonst fliegt uns bald alles um die Ohren. Wir befinden uns im Endstadium eines Raubtierkapitalismus, der nicht mehr lange funktionieren wird. Wir können nicht mehr länger an der Preisschraube drehen und immer mehr Produkte immer noch billiger machen.
  • Der Handel will vor allem, dass Verbraucher ständig einkaufen. Konventionelle Discounter gaukeln deshalb attraktive Preise vor. Das geht aber voll auf Kosten der Produktqualität, die immer schlechter wird. Auch die Arbeitsbedingungen der Produzenten werden durch den wachsenden Preisdruck immer problematischer, nicht nur bei den Kaffeebauern, auch bei uns.
  • Ich bin voll für Bioprodukte. Aber ich übe Kritik an der Art und Weise, wie die Biowirtschaft im gleichen System wachsen will wie konventionelle Erzeuger. Damit machen sich Bio-Marken die Wertigkeit ihrer Produkte kaputt.
  • Beim quantitativen Wachstum sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt, jetzt muss ein qualitatives Wachstum stattfinden. In der Folge werden Produkte zwar teurer, dem Kunden bleibt aber letztendlich mehr Geld im Geldbeutel, weil beispielsweise Kleider länger halten.
  • Deshalb rufe ich dazu auf, in erster Linie regional und bio einzukaufen, aber nicht bei großen Konzernen. Denen geht es vor allem um ihre eigenen Gewinnmargen. Oft machen sie auch kleine Hersteller platt.
  • Wenn „Bio“ genauso viel kosten würde wie konventionelle Ware, dann würden alle „Bio“ kaufen. In meinem eigenen Laden hat die erste regional ökosozial hergestellte Jeans noch 180 Euro gekostet. Weil die Jeans gut laufen, können wir mehr herstellen und sie nun für 79 Euro verkaufen – mit denselben hohen Standards für Umwelt und Mitarbeiter. Meine Meinung ist, wir bräuchten Strafzölle für konventionelle Produkte. Dann hätten wir auch wieder bessere Arbeitsplätze.
  • In anderen europäischen Ländern geht die Politik neue Wege, um den Raubbau an Mensch und Natur zu ahnden, warum nicht bei uns?

Filmvorführungen „Weiloisirgendwiazamhängd“

Dienstag 17. Oktober 2017                        19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Montag, 23.Oktober.2017                           18.30 Uhr Fürmann Alm, Anger
Dienstag, 24. Oktober 2017                       19.30 Uhr, Pfarrheim, Farchant, Garmisch

Donnerstag, 16. November 2017           19.30 Uhr, Gasthaus Pritscher, Schaltdorf, 840088 Neufahrn / Ndb.
Donnerstag, 23. November 2017           20 Uhr, Pfarrheim Waging

Mittwoch, 28. Februar 2018                 20 Uhr, Sportgaststätte Traunreut, Veranst. Friedensinitiative


http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


„WEILOISIRGENDWIAZAMHÄNGD“ zeigt das Schöne und das Besondere unserer Heimat im Chiemgau und Rupertiwinkel.
„WEILOISIRGENDWIAZAMHÄNGD“ zeigt Menschen, Vordenker, Visionäre welche unserer Heimat ein Gesicht geben.
„WEILOISIRGENDWIAZAMHÄNGD“ zeigt aber auch, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkunen auf die ganze Welt haben.
Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen, der Bevölkerung einen Anstoß zum Nachdenken geben und die Politik zu verantwortungsvollen Handeln bewegen.

Idyllisches Stelldichein im Grünen, von links Schorsch Planthaler (Moderator Film), Beate Rutkowski (Bund Naturschutz), Leonhard Strasser (Sprecher Agrarbündnis)

Idyllisches Stelldichein im Grünen, von links Schorsch Planthaler (Moderator Film), Beate Rutkowski (Bund Naturschutz), Leonhard Strasser (Sprecher Agrarbündnis)

Die Alpen brennen

Anger. (al) Die Alpen sind heuer bisher verschont geblieben, von den verheerenden Feuern, die in Südeuropa, Italien, Griechenland, Spanien, Portugal wüten. Dass das so bleibt, dafür setzt sich eine Organisation ein, die CIPRA heißt und eine internationale Schutzkommission für die Alpen ist. Natürlich ist diese Kommission nicht nur wegen der Feuer tätig, sondern um die Biodiversität zu erhalten und ein gutes Leben in den Alpen zu ermöglichen. Unter dem Dach von CIPRA sind mehr als hundert Vereine und Organisationen gebündelt, um diese gemeinsamen Ziele umzusetzen. Diese „Internationale Alpenschutzkommission“, wie sie auf Deutsch bezeichnet wird, wurde 1952 in Rottach Egern gegründet und hat ihren Sitz in Schaan, Liechtenstein. CIPRA arbeitet eng mit einer anderen Organisation zusammen, der in Innsbruck ansässigen Alpenkonvention, die auch gesetzgeberische Möglichkeiten hat.
Um ihren Anspruch, die Alpen zu schützen, publik zu machen und auf die Gefahren hinzuweisen, denen die fragilen Ökosysteme der Alpen ausgesetzt sind, werden jedes Jahr am zweiten Samstag im August im gesamten Alpenraum an exponierten Stellen Feuer angezündet unter dem Titel; „Die Alpen brennen“. In unserer Gegend brannte, von der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und dem Agrarbündnis BGL / TS organisiert, eines der Feuer auf der Fürmannalm bei Anger.

Dieses Jahr wurde auf der Fürmannalm zudem ein sehr passender Film gezeigt, der ebenfalls gemacht wurde, um der Gesellschaft die Ziele einer naturverträglichen, ökologischen Lebensweise näher zu bringen. Der vom „Agrarbündnis BGL / TS“ produzierte Film; „Weioisirgendwiazamhängd“ ist inzwischen sehr populär in der Gegend und von Vielen schon gesehen worden, bei Umweltveranstaltungen, in Schulen und sogar im Kino. Seine Anziehungskraft scheint aber immer noch sehr groß zu sein, denn weit mehr als hundert Leute kamen auf die Fürmannalm, um ihn zu sehen und danach beim Feuer ihre Unterstützung für die Erhaltung der herrlichen Alpen und die Arbeit von CIPRA und das Agrarbündnis BGL / TS zu zeigen. Obwohl der Film sich insbesondere auf die wundervolle Voralpen- und Alpenlandschaft der Kreise BGL und Traunstein konzentriert, kann er durchaus auch Beispielhaft für die landschaftlichen und landwirtschaftlichen Probleme der gesamten Alpenregion gelten.
Jedenfalls gab die Fürmannalm einen perfekten Rahmen für diesen Anlass und das Zeigen des Films. Der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / TS, Leonhard Strasser, wies auf die Verbindungen des Films und des Feuers in den Alpen hin. Nach der Filmvorführung meldeten sich Leute aus dem Publikum, um ihre Zustimmung zum Film, dem Agrarbündnis und der Idee des Alpenschutzes im Sinne von CIPRA kundzutun.
Auch der Film plädiert nämlich für die Erhaltung und Förderung einer möglichst naturnahen, ökologischen und dadurch nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensweise generell. Erst spätnachts, nach dem fast vollständigen Niederbrennen des Feuers nahmen die meisten der Besucher Abschied von ihren Gastgebern auf der Fürmannalm, Gertraud Gafus und Georg Planthaler und machten sich auf den Weg ins Tal.

Gefahren der Agrogentechnik einmal mehr aufgezeigt

Weibhausen. (al) So wie Gottfried Glöckner, bei seinem Vortrag neulich im Gasthaus Weibhausen es darstellte, ist es ein Kampf Landwirt David gegen die Agrogentechnik Goliath. Georg Planthaler von der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Gruppe Chiemgau-Inn-Salzach hatte Glöckner eingeladen, seine Erfahrungen mit der Agrogentechnik, den dahinterstehenden Konzernen und ihren politischen Handlangern zu schildern. Die Geschichte, die Glöckner in Weibhausen zum Besten gab, erinnert sehr an jene, die der kanadische Farmer Percy Schmeiser mit dem Agrogentechnikgiganten Monsanto machte und vor einigen Jahren dadurch auch in Deutschland bekannt wurde.
Anders als Schmeiser, der die Agrogentechnik von Anfang an ablehnte, zeigte sich Glöckner zuerst begeistert von der neuen Art die Pflanzen gegen Schädlinge zu wappnen. Glöckner meinte, der Gentechnikmais, den er anbaute, mache optisch einen besseren Eindruck als der konventionelle. Erst als seine Kühe Symptome, wie weiß-klebrigen Durchfall, trockene, spröde und blutende Zitzenhaut und Blutkreislaufprobleme entwickelten, sei er stutzig geworden, denn außer der Verfütterung des Genmais hatte er keine Änderungen bei der Kuhhaltung vorgenommen. Glöckner ließ daraufhin den Genmais untersuchen. Dabei wurden Abweichungen bei den Aminosäuren und Bt Toxine in der Milch nachgewiesen. Zudem seien nach der Gülleausbringung auf Weiden und Grünflächen Bt Toxine gefunden worden. Wissenschaftler, die zu Resultaten kamen, die seine Erfahrungen bestätigten, wurden „kaltgestellt“, sagte Glöckner.
Inzwischen sei er zu dem Schluss gekommen, Agrofirmen, die Gentechnisch veränderte Pflanzen erzeugen verdienten keine Glaubwürdigkeit in ihren Behauptungen und ihr Geschäftsgebaren hätte mit Ehrlichkeit nichts zu tun. Auch mit Leuten in Behörden und der Politik ging Glöckner hart ins Gericht. Solange dort bestimmte Personen in verantwortungsvollen Positionen seien, könne Behörden und Politik kein Vertrauen geschenkt werden. „Sie gebärden sich als Handlanger und Vasallen der Konzerne“, sagte Glöckner. Bis Gesetze dahingehend geändert würden, damit verantwortliche Leute in Konzernen, Behörden und Politik bei Schadensfällen selbst zur Verantwortung gezogen werden könnten, könne kein Vertrauen aufgebaut werden. Gegenwärtig würden bei Zulassungsverfahren vielfach Befunde der Agrogentechnikkonzerne als bare Münze genommen und Versuche auf eine Weise durchgeführt, damit bestimmte, den Konzernen gefällige Ergebnisse daraus resultierten. Viele der Wissenschaftler, die Agrogentechnik als ungefährlich erklärten, arbeiteten für die Konzerne selbst, oder für Institute, die, wenigstens zum Teil, von Finanzierung durch Konzerne abhängig seien, sagte Glöckner. Die Zulassungsverfahren seien vielfach der „reine Wahnsinn“. Wissenschaftler, deren Befunde die Schädlichkeit oder Gefahren der Agrogentechnik zeigten, würden sofort als nicht vertrauenswürdig erklärt, ausgegrenzt und deren Verträge nicht verlängert. Als Beispiel zitierte Glöckner den Fall der Wissenschaftlerin Angelika Hilbeck. In ihrer Arbeit beim Schweizer Forschungszentrum „Agroscope“, fand Hilbeck, das in gentechnisch veränderte Pflanzen als Gift gegen den Maiszünsler eingebaute Bt (Bazillus thuringiensis) sei ein aktives Toxin und auch für andere Insekten gefährlich. Daraufhin sei Hilbeck angehalten worden, ihre Befunde nicht zu veröffentlichen. Als sie das trotzdem tat, wurde ihr Kontrakt bei Agrosope nicht verlängert. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit, die im Auftrag der Agrogentechnikfirma Cyba Geigy (später Syngenta) durchgeführt worden war, hätten dem Auftraggeber offensichtlich nicht ins Konzept gepasst, sagte Glöckner.
Glöckner selbst ließ Proben vom Gen-Mais, den er an seine Kühe und Kälber verfütterte sowohl vom Syngenta Labor in North Carolina, als auch von der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt in Neustadt a. d. Weinstraße testen. Während das Syngenta Labor in den Proben keinerlei schädliche Substanzen fand, wurden von der Forschungsanstalt sehr wohl Giftstoffe nachgewiesen. Nachdem Glöckner mehrere Bestechungsversuche (Maschinen, Urlaub) ausschlug wurde er mit Anzeigen und Prozessen, auch im privaten Bereich, konfrontiert. Trotzdem ließ sich Glöckner aber nicht einschüchtern, führte seinen Kampf gegen die Agro-Gentechnik weiter und ist mittlerweile ein gefragter Sprecher in dieser Beziehung. Am Ende der Prozesserie hat Glöckner lukrative Angebote für Schweigegeld abgewiesen und wird deshalb immer noch von Agro-Gentechnikkonzernen und Lobbyisten traktiert, wie mit der Aussage eines Forschers, der meint; „Es darf nicht so weit kommen, dass man in Deutschland einem Bauern mehr glaubt als einem Forscher!“.

Vielleicht überraschender Weise geschieht dies aber in Ländern wie Russland und China. Glöckner wurde in beide Länder zu Referaten eingeladen. Sicher sind es aber nicht nur die Befunde Glöckners, derentwegen in Russland der Import aller gentechnisch manipulierten Rohstoffe verboten ist. China schicke alle Schiffsladungen mit solchen Produkten zurück, weil, wie die Chinesen festgestellt haben, diese nie dem aktuellen Stand der unabhängigen, wissenschaftlichen Forschung entsprächen, sagte derReferent.

Aufmerksam hörten Gottfried Glöckner (l.) und Georg Planthaler nach dem beeindruckenden Vortrag von Glöckner den Diskussionsteilnehmern zu. Foto: Alois Albrecht

In seinem Vortrag in Weibhausen warnte Glöckner auch vor weiteren, neueren Methoden der Gentechnik, mit denen „Smart Breeding“ oder „Genom Editing“, wie in „CRISPR/Cas“ in die Landwirtschaft eingeschleust werden sollen. Die schlussendlichen Resultate und Auswirkungen dieser Methoden seien bei weitem noch nicht genügend erforscht, meint Glöckner.
Die Diskussion nach dem Vortrag befasste sich vor allem mit dem Lobbyismus mit dem im Agro-Gentechniksektor gearbeitet wird und deren immer noch vorherrschenden Förderung durch die Politik, wie von Kanzlerin Angela Merkel. Dazu meinte ein Diskussionsteilnehmer, solange sowohl Verbraucher als auch Bauern, trotz der durchaus überzeugenden Argumente gegen die Agro-Gentechnik noch immer stur die gleichen Politiker wählten, werde sich nichts ändern. Mit ihren Wahlzetteln öffneten sie den Lobbyisten der Konzerne Tür und Tor um Einfluss zu nehmen. Dem stimmten Glöckner und auch Georg Planthaler in ihren Schlussworten zu.

 

Fairer Handel und die Rolle der Landwirtschaft in Zeiten der Globalisierung

Bericht von der Podiumsdiskussion am 26.05.2017 in Freilassing,
Thema „Fairer Handel und die Rolle der Landwirtschaft in Zeiten der
Globalisierung“

Podiumsdiskussion in Freilassing mit Gertraud Gafus und Leonhard Strasser vom Agrarbündnis, Norbert Eberherr und Angelika Schuster zum fairen Handel:

Marktdiktatur der Konzerne oder sozialökologischer Umbau der Landwirtschaft?

Freilassing. In einem intensiven Podiumsgespräch unter Leitung des Laufener Stadtrats Werner Eckl diskutierten die Vertreter alternativer Landwirtschaft, Gertraud Gafus und Leonhard Strasser mit dem linken Bundestagskandidaten Norbert Eberherr über Fakten und Lösungsvorschläge zur Krise der Landwirtschaft und des fairen Handels in Zeiten der Globalisierung.
Zu Beginn zeigte der Globalisierungsexperte Prof. Dr. Georg Auernheimer einige Fakten zur Forderung nach Fair Trade auf: „Es geht nicht nur um Importe von Lebensmitteln, Textilien oder Holz, sondern um die europäische, sprich hiesige Landwirtschaft, die mit den Exporten von Fleisch und Milchpulver z.B. die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Afrika kaputt macht, weil sie zu Wachstum gezwungen wird. Beim Milchmarkt z.B. hat die Politik die Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt, wie ihn die Wirtschaftswissenschaft formuliert, längst verspielt. Statt allen Käufern und Verkäufern freien Zugang zum Markt zu ermöglichen, liegt die Marktmacht bei den großen Einzelhandelsketten, die alle Bedingungen diktieren“, so Auernheimer. Deshalb sei eine staatliche Marktintervention unverzichtbar, um die Produktionsmenge zu steuern und den Erzeugern einen kostendeckenden Milchpreis zu sichern. „Ansonsten geht das Höfesterben und die Verödung der Dörfer weiter“.


Gertraud Gafus, bis letztes Jahr noch Bundesvorsitzende der ABL, freute sich, dass sich die Linke zunehmend mit Landwirtschaft beschäftigt. „Denn es geht um das zentrale Thema: Was essen, trinken, atmen, sehen wir und wie leben wir? Artenvielfalt braucht ökologisches Wirtschaften in kleinen Betrieben. Melkroboter und riesenhafte Maschinen zerstören die Landschaft und vernichten Arbeitsplätze. Es braucht viele Hände, viel Hirn und ich appelliere an die persönliche Verantwortung: Welche Auswirkungen hat mein Handeln. Aber auch politisch müssen wir was ändern: Schmeißt Nestle raus aus Afrika, denn das ist ein fruchtbarer Kontinent, wenn die weg sind“, so Gafus.
Leonhard Strasser vom Agrarbündnis ergänzte: „Fairer Handel braucht fairen Umgang miteinander und mit den Bauern auf dieser Welt und Verantwortung für unsere Nachkommen. Denn mit den billigen Preisen verkaufen wir die Zukunft, es zählt nur noch das Geld und nicht mehr die Arbeit. Seit 30 Jahren redet die Politik und der Bauernverband uns Bauern ein: Wachsen oder weichen. Deshalb müssen wir was verändern, damit es besser wird und die Politik fordern. Wir müssen nach oben treten, nicht nach unten“.
Angelika Schuster vom Weltladen Laufen nannte Bedingungen für fairen Handel: „Menschen in aller Welt müssen von ihrer Arbeit leben können. Die jetzige Überproduktion zeigt eine mangelnde Wertschätzung gegenüber den Dingen, was zur heutigen Wegwerfmentalität führt. Es ist ein Skandal, dass in Deutschland pro Jahr 11 Mio. Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen und anderswo Menschen millionenfach verhungern“. Es geht anders: Der Weltladen garantiere den Erzeugern einen festen Preis unabhängig vom jeweiligen Weltmarktpreis und stütze so die ökologische Landwirtschaft. „Wir kaufen darüber hinaus zu 90% Waren aus biologischer Landwirtschaft“ stellte Angelika Schuster fest.
Norbert Eberherr verurteilte die derzeitige Politik der EU und in Deutschland zugunsten des Profits der globalen Konzerne: „Unter dem sozialökologischem Umbau der Landwirtschaft verstehen wir unter anderem die Förderung nachhaltiger Erzeugung gesunder Lebensmittel und regionaler Vermarktungsstrukturen, Verbot von Patenten auf Lebensmittel und Saatgut. Wir fordern Stopp weiterer Globalisierung und sog. Freihandelsabkommen z.B. die jüngste Kumpanei der EU mit globalen Konzernen in Afrika, die zur weiteren Zerstörung der dortigen Landwirtschaft führen. Bauernland gehört nicht in Investorenhand – nicht hier und nicht weltweit.“, erklärte Eberherr.
In der Diskussion stellten die Podiumsteilnehmer und Besucher sehr konkrete Forderungen an die Politik auf, aber auch um persönliche Verhaltensänderungen. Prof. Auernheimer reicht ein Appell an die Verbraucher nicht: „Die Politik ist gefordert“. Das meinte auch Frau Soyoye-Rothschädl aus Salzburg, die entsprechende Gesetze forderte, um die Gängelung der Landwirtschaft mit fragwürdigen Fördermaßnahmen zu beenden. Gertraud Gafus hielt der alleinigen Hoffnung auf die Politik entgegen: „ Wenn da aber so schnell nichts kommt, brauchen wir einen Plan B, um nicht zu resignieren. Also persönlich handeln, wo es geht. Und es geht einiges, wenn an den Landwirtschaftsschulen das Richtige vermittelt würde und nicht falsch beraten würde“. Auch Angelika Schuster verwies auf Erfolge in Laufen mit Workshops an den Schulen die vom Weltladen initiiert werden. „Jeder kann beim Einkauf fragen: Wo kommen die Lebensmittel her, wo kommen die Futtermittel her. Warum werden in Biogasanlagen Lebensmittel vernichtet?“ Leonhard Strasser setzte sowohl auf Sensibili-sierung der Bevölkerung, aber auch auf Druck von unten auf die Politiker: „wenn Minister Brunner das Fernziel „20% Bioprodukte“ ausgibt, sage ich: Wir brauchen 100% Ökologie“. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die 6 Mrd. Fördergelder in der BRD völlig falsch vergeben würden, denn „nicht die Flächen der industriellen Landwirtschaft, sondern die ökologischen Herstellungsweisen müssten gefördert werden und Abgaben auf Gifte, Spritzmittel und Bodenverunreinigung erhoben werden. Hias Kreuzeder erinnerte an den Art. 153 der bayerischen Verfassung: “Die selbständigen Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe in Landwirtschaft, Handwerk,……sind in der Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen“. Dagegen verstoße die CSU-Regierung seit Jahrzehnten in verbrecherischer Weise.
Dass sich am Ende alle Teilnehmer einig in der Kritik an der kapitalistischen Fehlentwicklung in der Landwirtschaft waren und Auflagen und Kontrollen der Agrarkonzerne forderten, überraschte Norbert Eberherr von den Linken doch etwas. „Aber es reicht halt nicht, uns nur Recht zu geben, wir müssen auch gewählt werden, damit der Druck auf die etablierten Politiker groß genug wird, endlich grundlegend ihre jetzige Agrarpolitik zu ändern. Da ist keine Stimme verschenkt“, schloss Eberherr die Diskussion.

 

Der Luchs schafft es nicht allein

Ökologischer Jagdverein und Naturschützer plädieren für aktive Ansiedlungen

Von Hannes Höfer

Weibhausen. Ulrich Wotschikowsky wollte schon fast aufgeben. Der Wildbiologe und Experte für die „großen Beutegreifer“ sah kaum noch eine Chance für den Luchs in Bayern und Deutschland. Zu viele Tiere verschwanden spurlos, wurden gewildert oder vergiftet. Offensichtlich gibt es Menschen, die den Luchs hier nicht haben wollen. Um Akzeptanz, um Lebensräume, aber auch um die notwendige genetische Vielfalt ging es bei der Podiumsdiskussion im Gasthaus Alpenblick. Eingeladen dazu hatte die Regionalgruppe Südostoberbayern des Ökologische Jagdvereins unter dem Titel „Der Luchs kehrt heim“. Allerdings wurde auch klar: Man muss ihm dabei helfen. Und der zweite Teil des Titels? Die Frage „Unerwünscht oder willkommen?“ Da gaben die Podiumsgäste eine einmütige Antwort.

Von der Schweiz lernen, heißt siegen lernen. Nein, so würde es Dr. Anja Molinari nicht ausdrücken, auch wenn die Schweizer Zoologin von der erfolgreichen Ausbreitung des Luchses in ihrem Heimatland und darüber hinaus berichten konnte. Seit 1991 arbeitet sie mit am Luchsprojekt KORA, und hat in dieser Zeit viel gelernt über diese europäische Großkatze. 52 Prozent der Alpen sind Waldgebiet. „Ein gutes Luchs-Habitat“, sagt Molinari. Aber: „Der Luchs braucht keinen Urwald und keine Wildnis.“ Er findet sich auch in zersiedelten Lebensräumen zurecht, wenngleich Autobahnen psychologische Barrieren darstellten. So lebte etwa ein Luchs-Männchen fast ein Jahr im Züricher Stadtwald, weil es dort genügend Futter für ihn gab. „Rehe, Gams, Rotwild, der Luchs passt sich dem Angebot an“, erläuterte die Expertin, „aber er bedient sich gelegentlich auch an Haustieren.“

Molinari verschwieg die Probleme nicht, die es auch in der West-Schweiz gegeben hatte. Dort war der Bestand Ende der 90er Jahre so angestiegen, dass die Stimmung kippte und zum Wildern aufgerufen wurde. Was folgte, war ein Managementplan und die Umsiedlung von Tieren in die Nordost-Schweiz. Insgesamt seien die Schäden aber überschaubar, machte die Expertin anhand von Zahlen deutlich. In Deutschland, Österreich und Italien etwa habe es bisher keine Schadensfälle an Haustieren gegeben.

„Der Hauptkonflikt ist der mit der Jagd“, stellt Molinari klar. Längerfristig mache jedoch auch die Genetik Probleme, also der hohe Verwandtschaftsgrad der Populationen. Und auch die Tiere verhielten sich nicht immer wie geplant. Der Kuder Alus etwa machte sich sofort auf den Weg nach Norden, überquerte den Alpenhauptkamm und erreichte im März 2015 den österreichischen Pinzgau, Und wechselte in dieser Zeit schon mal auf die bayerische Seite. Insgesamt gebe es etwa 650 Nachweise pro Jahr in den Alpen. Eines weiß Molinari ganz sicher: „Länger als ein Jahr kann sich kein Tier verstecken.“ Die vielen Fotofallen würden es in jedem Fall entdecken, und mit den Bildern und der typischen Zeichnung würde man sie eindeutig bestimmen können.

24 Tiere lebten zur Zeit im Harz, sechs im Pfälzerwald, wo 17 weitere Neuankömmlinge geplant seien. „Umsiedlung in alle Richtungen“, hält die Fachfrau für das richtige Konzept, mit dem Ziel, einer lebensfähigen Population in allen Teilen der Alpen. Aber das, so sagt sie, sei eine gesellschaftliche Entscheidung.

Man brauche diesen gesellschaftlichen Konsens, waren sich Beate Rutkowki und Dr. Daniel Müller einig. Der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden gestand, dass er sich gefreut habe, als Alus auf den Flächen der Bayerischen Staatsforsten auftauchte. Denn von dort gebe es die klare Weisung. „Der Schutz des Luchses ist zu gewährleisten.“ Rutkowski als Bund Naturschutz Kreisvorsitzende erinnerte die rund 70 Interessierten daran, dass der Luchs einst hier heimisch gewesen sei. „1897 ist der letzte Luchs in den Alpen erschossen worden. Es muss möglich sein, dass er wieder hier lebt.“ Aber: „Allein schafft er es nicht, es braucht aktive Projekte.“ Nicht zuletzt müsste gegen illegale Luchstötungen mit aller Macht vorgegangen werden.

Mit der Ansiedlung hatte man 1973 im Bayerischen Wald begonnen, wo eine internationale Luchsgruppe gegründet worden war. „Ich bin zwischenzeitlich frustriert“, gab Ulrich Wotschikowski zu, „es tut sich zu wenig.“ Auch der Fachmann für die großen Drei – Bär, Wolf und Luchs – weiß: „Anders als der Wolf kommt der Luchs nicht von selber.“ Der Wildbiologe könnte sich vorstellen, dass mit der Ankunft des Wolfes der Luchs eher aus der Diskussion verschwindet. Für ihn ist der Luchs ein „Sympathieträger, der seinesgleichen sucht.“

Alfons Leitenbacher sieht die Gefahr, diese Tiere in der öffentlichen Diskussion zu vermischen. Der Leiter des Traunsteiner Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) war als Zuhörer nach Weibhausen gekommen. „Der Schutz unserer Tiere ist ein Kostenfaktor“, stellte Renate Aschauer fest. Die Ramsauer Schafbäuerin ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Alpines Steinschaf, einer alten und seltenen Rasse. Sie hat einen Zaun und drei Hunde. Angeschafft aber hat sie sich diesen Schutz wegen eines ganz anderen Räubers: Des Fuchses, der sich die frisch geborenen Lämmer holt. Bloß: Für Schäden vom Fuchs gibt es keine Entschädigung, bei Wolf und Luchs jedoch hundert Prozent. Aschauer machte deutlich: „Der Luchs tut mir nicht weh“, was ein anderer im Saal ergänzte: „Momentan.“

Mit einer anderen Mär räumte Molinari auf, dass nämlich die Jagdstrecken weniger würden. Und wenn dann noch der Luchs kommt?. „Nein: Die Jagdstrecke beim Reh nimmt zu. In Bayern vergleichsweise am meisten.“ Mehr noch: In der Schweiz hätten die Jäger nach Ansiedlung des Luchses mehr Rehe erlegt als zuvor.“ Wotschikowsky kann nicht verstehen, weshalb man sich gegen eine aktive Ansiedlung wehre. „Wir betreiben Aussetzungen von früh bis spät, ob Lachs und Stör, Tanne und Laubbäume, und so weiter …“ Eine „Reparatur an der Natur“ sei vielfach nötig, weil man sie so „drangsaliert“ habe.

Der Nationalpark Berchtesgaden wäre doch ein geeignetes Areal, meinte ein Besucher. „Der Wildbestand würde für ein paar Luchse reichen“ machte Dr. Müller deutlich, „der Lebensraum aber nur für einen.“ Denn Luchskuder bräuchten 50 bis 100 Quadratkilometer. Und 50 bis 70 Rehe pro Jahr. Diskussionsleiter Dr. Klaus Thiele erinnerte daran, das Bayerns Rehwildbestand nach dem Zustand des Waldes beurteilt und entsprechend bejagt werde, weshalb die ganze Diskussion einen „Hauch von Irrationalität“ habe. „Und täglich werden in Deutschland tausende Rehe totgefahren“, warf ein anderer ein.

„Wer ergreift die Initiative?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Molinari blickt dabei über Bayerns Grenzen nach Tschechien, Salzburg, Tirol und Vorarlberg, auf gemeinsame Aktionen mit den Nachbarn, auf „internationale Gremien.“ Und schließlich auf „Wählerstimmen“.

Ulrich Wotschikowky erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass man in „Vorgesprächen“ dabei sei, zu „sondieren“. Die Arbeitsgemeinschaft Große Beutegreifer wolle den Managementplan, wonach eine aktive Ansiedlung nicht geplant sei, auf den Prüfstand stellen, um genau diese Passage zu kippen.

Wotschikowky war es dann, der die „Signale“ aus den „einschlägigen Kreisen“, nämlich dem einflussreichen Landesjagdverband, präsentierte. Auf dessen Internetseite hatte er die klare Aussage gefunden, dass man eine Wiederansiedlung nicht dulden werde. Alfons Leitenbacher bedauerte, dass kein Vertreter dieser Jagdorganisation mit am Podium saß. Klaus Thiele vom Veranstalter ÖJV musste auf Nachfrage unserer Zeitung eingestehen, dort gar nicht angefragt zu haben.