Pressemitteilung des Agrarbündnis BGL/TS

Sie wissen, was sie tun, aber wir wissen nicht, warum

seit Jahrzehnten doktert die Europäische Union und mit ihr die Nationalstaaten und in Deutschland die Bundesländer an einer Agrarpolitik herum, deren Ergebnis beschämend ist.

Die Bauern werden immer weniger, weil man sie dem Konkurrenzkampf des Weltmarktes opfert. Die Artenvielfalt wie die  Biomasse an Insekten stirbt in einem besorgniserregenden Tempo, die Böden sind in der Mehrheit ausgelaugt, das Grundwasser an vielen Stellen belastet. Die bürokratischen Vorgaben erinnern mehr an Satire (z.B. Wiesenumbruchgebot zum Erhalt des Ackerstatus….) als an sinnvolle Richtlinien für einen geordneten Produktions- und Vermarktungsablauf. Schultechnisch wäre das mit Noten zw. vier und sechs zu bewerten. Es verdienen wohl zu viele Menschen besser Konzerne und Interessensvertreter an diesem System als dass ein ernst zu nehmender Wille bestünde, grundlegende und bitter nötige Änderungen vorzunehmen:

Angefangen von der Verwaltung in Brüssel, Berlin und München, über die chemische Agrarindustrie bis hin zur verarbeitenden Industrie und zum Großhandel oder den Handelskonzernen, die es sichtlich genießen, immer zu billigsten Preisen aus dem Vollen schöpfen zu können. Immer ein bisschen Überproduktion, damit die Preise schön niedrig bleiben und die Bauern – zumindest, die die man als solche bezeichnen kann und nicht die Agrarholdings von Aldi und Co. – nicht auf die Füße kommen. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller landwirtschaftlichen Produkte ist der Anteil der Bauern am Preis im Supermarkt seit den siebziger Jahren von annähernd 50% auf nur noch 20% gesunken. Die Steigerung der Margen von Verarbeitern und Handel ist nicht das Ergebnis höherer Aufwendungen sondern ihrer Oligarchen artigen wirtschaftlichen Macht. Die Liste der Milliardäre und Multimillionäre in der Agrarbranche und dem Lebensmittelhandel ist lang: angefangen von den Aldi – Erben als Nummer 1 über Schwarz (Lidl und Kaufland) Nummer 2, über Tönnies, Landtechnikfirmen, bis hin zu den Privatmolkerei Besitzern etc. (agrarzeitung: Ranking, die reichsten Deutschen aus der Agrarbranche ) Sie verdienen an der Landwirtschaft, nicht in der Landwirtschaft. Dazu passt das Konzept der GAP recht gut. Je größer der Betrieb, desto mehr Geld vom Staat gibt es. Aber wer ist der Staat? Das sind wir, die Steuerzahler, die wir all dies finanzieren. Wir die mit unserer Arbeit Wert schöpfen und den Mehrwert versteuern, die wir auch bei noch so geringem Einkommen Lohnsteuer zahlen – hier, nicht auf den Cayman-Inseln.

Die Umverteilung von unten nach oben funktioniert prächtig. Die Bauern sind der Durchlaufposten, um die Empfänger gut zu tarnen.

Ein paar kleine Öko-Schräubchen hat man schon gedreht bei den letzten GAP-Verhandlungen: Ein bisschen mehr Umschichtung in die zweite Säule, deren Ausgestaltung dann aber wieder von den einzelnen Bundesländern abhängt. Ein bisschen mehr Strukturelemente in der Landschaft, aber nicht im Ansatz eine Änderung des Systems, so nötig es auch sein mag.

Sie wissen, was sie tun und was sie nicht tun: sie fördern nicht die arbeitsintensive Bewirtschaftung von kleinen Flächen, wie sie für den Erhalt der Artenvielfalt unentbehrlich ist. Die Schlaggröße als Maß hätte eine natürliche Degression der Zahlungen zufolge, denn in der Regel haben die größten Betriebe auch die größten Schläge und somit die niedrigsten Bewirtschaftungskosten. (Bild Heißenhuber)

Sie fördern nur vordergründig die kleinen Betriebe mit der Honorierung der ersten Hektare, denn dieses Geld bekommen alle, auch die größten unter ihnen. Und sie bekommen es unabhängig von der Wirtschaftsweise und beispielsweise der Schlaggröße.

Sie kümmern sich weder um ein der Nachfrage angepasstes Angebot, noch um eine flächengebundene Tierhaltung – beides würde einander bedingen, wird aber in der GAP noch immer nicht berücksichtigt. Wir bräuchten eine Ausbildung, die den kritschen Geist der jungen Bauern und Bäuerinnen fördert und ihnen somit Perspektiven eröffnet wie Wirtschaftlichkeit und nachhaltige Produktionsweise sich in ihren Betrieben vereinbaren lassen. Hier könnten unsere Landwirtschaftsministerinnen unabhängig von der EU zeigen, dass es ihnen ernst ist mit der Abkehr vom alten Dogma des „Wachsen oder Weichen“.

Unumstritten ist, dass die Landwirtschaft ökologischer werden muss, mit weniger Resourcenverbrauch und mehr Achtsamkeit gegenüber Boden, Nutztieren, Grundwasser und Biodiversität. Aber das geht nicht zum Nulltarif. Bauern und Bäuerinnen müssen von ihrer Arbeit gut leben können, sonst können sie ihre Betriebe nicht weiterführen. Diese öffentlichen Leistungen müssen von der Gesellschaft und der Politik anerkannt und honoriert werden.

Davon würde dann die ganze Bevölkerung profitieren, indem sie gesündere Lebensmittel hätte, einwandfreies Trinkwasser, eine immer intaktere Umwelt, eine schöne Landschaft und nicht zuletzt eine gestärktes Immunsystem.

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