Beim Regenwurmbauern Sepp Braun

Neulich stattete das Agrarbündnis und die Oberland-Gruppe der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) dem Bauern einen Besuch ab, der durch Regenwürmer einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.  Über Sepp Braun, Bio-Bauer in der Nähe von Freising, hat der unter Anderem in der Sparte Naturnahe Landwirtschaft und Anti-Gentechnik sehr profilierte Filmemacher Bertram Verhaag einen seiner Filme gemacht.  In diesem; „Der Bauer mit den Regenwürmern“, würdigt Braun vor allem die Wichtigkeit der Regenwürmer für eine gute Bodenbeschaffenheit.  Auch beim Besuch der Oberlandgruppe der AbL, die sich aus Bauern aus dem Berchtesgadener Land, den Inn- und Salzachregionen zusammensetzt, spielten Regenwürmer natürlich eine Rolle.  In seiner Hofführung ging Sepp Braun aber auf viele weitere Aspekte der Landwirtschaft ein und wie er eine gute Zukunft dafür sieht.

Initiiert worden war die Fahrt der Bauern durch die AbL Sprecherin für die Region und stellvertretende Bundesvorsitzende, Gertraud Gafus von der Fürmannalm bei Anger.  In Fahrgemeinschaften wurde nach Freising gefahren, wo etwa 50 Bauern und Bäuerinnen von Sepp Braun auf seinem Hof empfangen wurden.  Braun erläuterte dann bei seiner Führung seine Philosophie des Arbeitens mit der Natur, statt wie in der gängigen konventionellen Landwirtschaft, das Ringen mit ihr und manchmal auch gegen sie.  Nur durch gute, lebendige Böden könnten gute Voraussetzungen für das dauerhafte Gedeihen von Pflanzen geschaffen und damit die Welternährung sichergestellt werden, sagte Braun.  Es sei darauf zu achten, meinte Braun, dass Böden nicht übermäßig verdichtet würden, denn nur dann könnten sich die für einen guten Boden unabdingbaren Lebewesen, von Mikroorganismen bis zu Regenwürmern, und ein gutes Wurzelwerk der Pflanzen entwickeln und gedeihen.  Braun prangerte in diesem Zusammenhang den Gebrauch von immer größeren Maschinen an.  Manche davon hätten jetzt eine Achslast von 20 t, das sei das Zweifache der im Straßenverkehr, also auf befestigten Straßen, zugelassenen.  Deshalb gebe es auch im Verhältnis zu natürlichen, unverdichteten in solchen Böden kaum noch Regenwürmer.  Während in natürlichen Böden auf einem Quadratmeter bis zu 350 Regenwürmer zu finden sind, sind es auf von der konventionellen Landwirtschaft verdichteten gerade einmal etwa 18.  Das senkt natürlich auch die Fähigkeit des Bodens CO2 zu speichern, oder Wasser aufzunehmen, sagte Braun.  Ein unverdichteter, natürlicher Boden könne pro Stunde bis zu 150 Liter Wasser aufnehmen.  Dies mache Überschwemmungen, wie sie in den letzten Jahren vorgekommen sind, praktisch unmöglich.

Wir müssen weg vom „immer größer, immer mehr und immer schneller“, forderte Braun und uns auf die Natur einlassen und mit ihr arbeiten.  Nur in einer gesunden Natur, der sich der Mensch anpasse, könne auch dieser ein gutes Dasein führen.  Er sehe das an seinen Tieren, sagte Braun.  Diese seien viel gesünder und bräuchten kaum noch medizinische Versorgung.  Die Bäume und Büsche, die er in den Hecken um die Weide der Tiere gepflanzt habe, seien sorgfältig ausgewählt worden, nach Gesichtspunkten der medizinischen Wirkungen die sie auf die Tiere haben.  So könnten Kühe, die sich nicht wohl fühlten instinktiv selbst mit Mitteln versorgen, die in diesen Pflanzen enthalten sind.  Als Beispiel nannte Braun eine Studie, die zeigte, dass Schweine die die Möglichkeit haben in Kompost zu wühlen, gesünder seien als andere, denen das nicht möglich ist.  Die Studie fand, dass sich im Kompost sehr starke natürliche Antibiotika entwickelte.  Überhaupt seien Futtermittel auch Heilmittel, wenn sie richtig gewählt würden, meinte Braun.  So achte er darauf, dass das Heu nicht nur Kleegras enthalte, sondern vielerlei weiterer Pflanzen wie Spitzwegerich und Pimpernelle.

Sepp Braun erläuterte die richtige Zusammensetzung des Heus für die Gesundheit der Tiere.

Sepp Braun erläuterte die richtige Zusammensetzung des Heus für die Gesundheit der Tiere.

Beim Düngen seiner Wiesen und Felder setze er ausschließlich auf natürliche Methoden.  Dazu mische er Kompost mit Steinmehl und Holzkohle, reichere damit den Boden an und setze einen Kreislauf in Bewegung, bei dem sich der Boden selbst regeneriere und verbessere.  Auf den Wiesen mulche er den letzten Schnitt und lasse ihn liegen, als Futter für die Regenwürmer.

Braun hatte noch viele Beispiele parat, mit denen er für die Besucher veranschaulichte, wie er mit der Natur arbeite, statt sich in einen Kampf mit ihr einzulassen.  Das sei ein entscheidender Punkt meinte er.  Für Jahrhunderte habe der Mensch versucht die Natur zu beherrschen und dabei unglaublichen Schaden angerichtet.  Dabei sei es viel besser, einen lebenslangen Lernprozess darüber anzufangen, wie Naturverträglich gewirtschaftet werden könnte.

Nachdem sich die Bauern der AbL bei Braun für die lange und interessante Führung bedankt hatten, nahmen sie vor der Heimfahrt ein spätes Mittagessen in der Brauerei Weihenstephan ein, wo sie noch eifrig über die Methoden des Bauern mit den Regenwürmern weiterdiskutierten.

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