Beim Bauern der das Gras wachsen hört

Besuch bei einem feinhörigen Bauern

BGL / Traunstein. (al) In einem Film von „DENKmal“, den Bertram Verhaag in Zusammenarbeit mit dem BR über ihn gedreht hat, wurde behauptet er höre das Gas wachsen!  Das stachelte die Leute vom Agrarbündnis BGL / Traunstein an, sich selbst ein Bild von dem ungewöhnlichen Biobauern Michael Simml aus Kalsing / Niederbayern zu machen und dem feinhörigen Bauern selbst zuzuhören.  Gemeinsam machten sich die Oberbayern auf den Weg nach Niederbayern, wo Simml auf seinen 18 ha sehr kargem Land mit seinen Methoden angeblich beste Erträge erzielt.

Biobauer Michael Simml (2 v.l.) begrüßte die Besucher aus Oberbayern auf seinem Hof in Kalsing, darunter den BDM Kreisvorsitzenden Traunstein, Sepp Hubert (l.) und die Regionalsprecher der AbL, Gertraud Gafus (M.) und Georg Planthaler (r.).

Biobauer Michael Simml (2 v.l.) begrüßte die Besucher aus Oberbayern auf seinem Hof in Kalsing, darunter den BDM Kreisvorsitzenden Traunstein, Sepp Hubert (l.) und die Regionalsprecher der AbL, Gertraud Gafus (M.) und Georg Planthaler (r.).

Der sehr einnehmend auftretende Simml legte nach Ankunft der Oberbayern gleich los mit einem Wortschwall über was seiner Meinung nach so falsch läuft in der Landwirtschaft.  Das ewige wachsen oder weichen sei nicht nur verheerend für die Bauern, sondern ohnehin unmöglich.  „Es ist nur so viel Land da und das kann nicht vermehrt werden“, meinte Simml.  Ebenso ziehe eine zu große Intensivierung der Landwirtschaft ungeahnte Schäden für die Umwelt nach sich, die zudem manchmal erst nach vielen Jahren sichtbar würden.

Dann erklärte Simml den Besuchern seine Methode der sorgsamen Bodenpflege.  Er führe genau Buch über die Pflanzen, die er auf seinem Land anbaue, sagte Simml.  Dabei achte er darauf dass ein ständiger Wechsel stattfinde zwischen den Pflanzen, die dem Boden Nährstoffe entziehen und jenen die Humusbildend wirken, sodass der Boden Zeit zur Regeneration habe.  Simml betrachtet auch das Leben im Boden, wie Würmer und dergleichen als sehr wichtig, denn diese lockern den Boden und machen ihn fruchtbarer.  Auch der Mist, den Simml als Dünger verwendet müsse genügend mit Würmern durchsetzt sein und Mikroorganismen enthalten, um den Boden fruchtbar zu machen.  Anfangs, als er ausgestiegen sei aus der konventionellen Landwirtschaft, sei er oft belächelt worden, meinte Simml, aber seine Erfolge bei den Ernten der hochwertigen Lebensmittel, die auf seinen Feldern und in seinen Grünhäusern wachsen hätten ihm recht gegeben.  Er sei sehr froh dass er diesen Weg gegangen sei und sich nicht der Bewegung angeschlossen habe, die auf Düngemittel von den Agrarkonzernen setze.

Simml erklärte den Oberbayern wie Mist beschaffen sein sollte um einen guten Dünger abzugeben. Fotos: Alois Albrecht

Simml erklärte den Oberbayern wie Mist beschaffen sein sollte um einen guten Dünger abzugeben.
Fotos: Alois Albrecht

Bei einer Führung durch seinen Hof, seine Grünhäuser und seine Felder, mit vielerlei hervorragend aussehendem Gemüse erklärte Simml seine Methoden und Praktiken, wie eben die genaue Buchführung über Rotation welche Pflanzen er auf welche Felder setze und welche Effekte dies auf Bodenbeschaffenheit, Bodenqualität und die Pflanzen selbst habe, genauer.

Nach der Führung gingen alle in das Wirtshaus des Ortes um während und nach einer guten Mahlzeit weiter dem Bauern zuzuhören und mit ihm zu diskutieren.  Der Großteil der Politik, zu oft beeinflusst von Lobbyisten, habe anscheinend noch immer nicht begriffen, welchen Schaden sie mit ihren Entscheidungen anrichtet, meinte Simml.  Manche Politiker sperrten sich gegen die Einsicht, dass für die Großkonzerne nur der schnelle Profit, die Quartalszahlen, ihr Wachstum und ihre Marktmacht zählten.  Noch schlimmer wäre es, wenn die Politik die Praktiken der Bodenzerstörung und die Zerstörung der kleinstrukturierten, bäuerlichen Landwirtschaft wissentlich und gewollt dulde, oder sogar herbeiführe.  Simml meinte auch, das ewige Gerede von einer Exportorientierten Landwirtschaft müsse endlich aufhören.  „Wir können nicht die Welt ernähren“, meinte der Biobauer.  Zudem würden in der dritten Welt die Märkte der dortigen Bauern und damit ihre Lebensgrundlage, durch die billigen, subventionierten Importe zerstört.

Vielmehr sollten Politik und Wirtschaft in der Landwirtschaft auf regionale Märkte schauen und durch geeignete Instrumente in den Marktstrukturen und der Lenkung des Marktes den Bauern das Überleben ermöglichen.  Es sei purer Unsinn zu sagen der Markt regle sich selbst.  Irgendein Interesse stecke immer hinter dem „Markt“ und versuche ihn zu lenken, oder wenigstens zu beeinflussen.  „Die Erzeuger müssen mehr Macht auf dem Markt bekommen, anstatt der großen Konzerne“, meinte der streitbare Biobauer.  Dabei ginge es nicht nur um Bio, es gebe auch einen Platz für die konventionelle Landwirtschaft, solange sie schonend mit dem Boden umgehe und ihn nicht auslauge und zerstöre.

Die Politik habe auch eine Verantwortung dem Konsumenten gegenüber, sagte Simml.  Es gehe nicht an, Löhne niedrig zu halten und dann zu sagen, Lebensmittelpreise müssten ebenfalls niedrig sein, damit sie auch für wenig Verdiener erschwinglich bleiben.  Vielmehr müssten Löhne es ermöglichen dass Alle sich gute Lebensmittel leisten könnten.  Natürlich liege es auch am Verbraucher, sich von der Wegwerf-Mentalität zu verabschieden und den wirklichen Wert von Lebensmitteln kennen und schätzen zu lernen, meinte Simml.

Natürlich predigte Simml mit seinen Ausführungen gerade das, was auch die Besucher des Agrarbündnisses BGL und Traunstein mit ihrer Organisation und ihrem Bündnis zu vermitteln versuchen.  So traten sie nach dem Besuch beim Bauern der das Gras wachsen hört bestärkt in ihrer Zielsetzung, einer anderen als der gängigen Landwirtschaft des Wachsens oder Weichens und der Naturzerstörung den Weg zu ebnen.  Simml meinte übrigens, er höre nicht wirklich das Gras wachsen, aber er habe der Film Crew erzählt, Gras mache, wenn der Samenknoten platzt, manchmal ein winzig kleines „Pop“ Geräusch und deshalb sei ihm angedichtet worden, er höre das Gras wachsen.  Immerhin aber ein einprägsames Schlagwort.

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Alternative zum Mais ? Die Pflanze Silpie ?

Es gibt wahrscheinlich auch  Alternativen

Neubichler Alm / Ainring. (al) Viele, auch in der Landwirtschaft und insbesondere die Imker, beklagen den Monokulturanbau von Mais in unserer Gegend, die „Vermaisung“ der Landschaft.  Mais laugt den Boden aus und bietet keine wertvolle Nahrung für Bienen und andere Insekten, die absolut notwendig sind für funktionierende Kreisläufe in der Natur.  Da wäre es sinnvoll nach einer anderen, wertvolleren Energiepflanze Ausschau zu halten.  Im „Sonnenalmgarten“ der Genossenschaft Regiostar e. G. zwischen der Neubichler Alm und Johannishögl geschieht das gerade.  Dr. Bernhard Zimmer, hat dort zusammen mit Anderen, wie dem Bienenfachwirt des BGL, Simon Angerpointner aus Teisendorf, einen Probeanbau der „durchwachsenen Silphie“, einer möglichen Alternative zum Mais, gemacht.

Eine Blüte der „durchwachsenen Silphie“, die sowohl für die Bienen und andere Insekten, als auch den Boden viel besser sein soll als der Mais.

Eine Blüte der „durchwachsenen Silphie“, die sowohl für die Bienen und andere Insekten, als auch den Boden viel besser sein soll als der Mais.

Die durchwachsene Silphie stammt, wie der Mais, aus Amerika.  Sie ist eine Maisähnliche Zuckerpflanze, die sich ebenfalls silieren lässt.  Allerdings ist die durchwachsene Silphie keine „Windblütlerin“, wie der Mais, sondern braucht zur Bestäubung Insekten.  Sie bietet denen, im Gegensatz zum Mais, auch sehr wertvolles Futter.  Zudem ist die durchwachsene Silphie keine Einjahrespflanze, sondern steht bis zu zwischen zehn und fünfzehn Jahren auf dem Feld.  Allerdings bringt die Pflanze erst ab dem zweiten Jahr einen Ertrag.  Nach dem zweiten Jahr ist die Pflanze auch sehr Schädlings-resistent und durch ihre breiten, schattenspendenden Blätter kann sich kein, oder wenigstens kaum, Unkraut um die Wurzeln der etwa zwei Meter hohen Pflanze halten.  Da für die Pflanze keine Pestizide zugelassen sind würde sie auch in dieser Hinsicht gut für die Umwelt sein.  Dr. Zimmer räumte allerdings bei seiner Präsentation ein, dass es hinsichtlich der Entwicklung von Schädlingen, die die Pflanze eventuell attackieren könnten, noch kaum Data gibt, weil die Pflanze bisher sehr wenig erforscht worden sei.  Gewiss ist aber, dass die Pflanze, anders als der Mais, Humusbildend ist, statt diesen auszulaugen, sagte Dr. Zimmer.  Beim Ertrag ergebe sich eine Trockenmasse, die zu 80 Prozent jener vom Mais entspricht.

Als Nachteilig erweise sich die Anbauprozedur der Pflanze, die gesetzt werden muss und im ersten Jahr keinen Ertrag abwerfe, sowie die höheren Investitionen hinsichtlich des Anbaus, die gegenwärtig noch weit über jenen für Mais lägen, meinten Dr. Zimmer und Angerpointner.  Allerdings würde dieser Nachteil mehr als wettgemacht durch die langen Standzeiten der Pflanzen und keine Kosten für Pestizide, oder Dünger.  Die Pflanze sei ein „Kaltkeimer“ und vertrage auch lange Trockenperioden sehr gut, was sie hinsichtlich des Klimawandels attraktiv machen könnte.

Sowohl Dr. Zimmer als auch Angerpointner betonten es wäre gut wenn es mehr unabhängige Forschung, nicht nur bei dieser Pflanze, sondern generell in der Landwirtschaft geben würde.  Leider hätten Regierungen in den vergangenen Jahren sich zu sehr auf die Forschungsergebnisse von Agrar-Konzernen verlassen und seien dabei deren Lobbyisten ausgeliefert worden.  Eine weitere Gefahr sieht Dr. Zimmer, wenn die Pflanze erfolgreich wäre, könnte sie von großen Agrarkonzernen übernommen werden, die dann auch bei dieser Pflanze Marktbeherrschend würden und damit die Unabhängigkeit der Bauern beeinträchtigten.

Als eine weitere vielversprechende Alternative zum Mais brachte Angerpointner auch den Steinklee ins Gespräch.  Dieser sei unvergleichlich besser für die Bienen als der Mais und ebenfalls sehr ertragreich.  Damit zeigten Dr. Zimmer und Angerpointner jedenfalls an diesem Abend gleich zwei Alternativen, die zwar ohne Zweifel mehr Forschung und Entwicklung bedürften, aber durchaus in der Lage wären, der „Vermaisung“ der Landschaft entgegenzuwirken und zugleich gutes für Bienen und die Umwelt zu tun.  Es könnten auch Mischkulturen angedacht werden, meinte Dr. Zimmer, um den visuellen Effekt der langen Standzeiten der Pflanzen zu mildern.

Dr. Bernhard Zimmer, dem bei der Vorstellung der „durchwachsenen Silphie“ sowohl der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, Leonhard Strasser (r.), als auch die Regionalsprecherin der AbL, Gertraud Gafus (M.) aufmerksam zuhören, mit der Kirche Johannishögl im Hintergrund. Fotos: Alois Albrecht

Dr. Bernhard Zimmer, dem bei der Vorstellung der „durchwachsenen Silphie“ sowohl der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, Leonhard Strasser (r.), als auch die Regionalsprecherin der AbL, Gertraud Gafus (M.) aufmerksam zuhören, mit der Kirche Johannishögl im Hintergrund. Fotos: Alois Albrecht

Podiumsdiskussion Wahlkreis BGL

Teisendorf. (al) Waren bei der, vom Agrarbündnis BGL / Traunstein, veranstalteten  Podiumsdiskussion für die Landtagskandidaten der zur Wahl stehenden Parteien für den Landkreis Traunstein in Sondermoning schon klar die Fronten zwischen diesen Kandidaten zu erkennen gewesen, so haben sich diese Fronten bei der Folgediskussion der Kandidaten für den Landkreis BGL, die neulich im Saal der Alten Post in Teisendorf stattfand und ebenfalls vom Agrarbündnis BGL / Traunstein veranstaltet wurde, noch vertieft.  Bezeichnenderweise waren es auch hier diejenigen, die im Stimmkreis für ihre Parteien eigentlich gar nicht zur Wahl stehen, nämlich Bezirksrat Markus Fröschl, der für die Kandidatin der CSU im Landkreis, Michaela Kaniber, sowie MdL Tobias Thalhammer aus Neubiberg, der für die FDP Kandidatin des BGL, Gabriele Weishäupl auf dem Podium saß, sich als Außenseiter in der Diskussion gebärdeten.

von links: Tobias Thalhammer (FDP), Manfred Dannhorn  (Linke), Martin Schön (Piraten), Alfons Baumgartner (BP), Markus Fröschl (CSU), Georg Planthaler(Moderator), Roman Niederberger (SPD), Bartl Wimmer (Grüne), Agnes Thannbichler (ÖDP), Michael Koller (FW)

von links: Tobias Thalhammer (FDP), Manfred Dannhorn (Linke), Martin Schön (Piraten), Alfons Baumgartner (BP), Markus Fröschl (CSU), Georg Planthaler(Moderator), Roman Niederberger (SPD), Bartl Wimmer (Grüne), Agnes Thannbichler (ÖDP), Michael Koller (FW)

Neben den schon Erwähnten und Moderator Georg Planthaler saßen Roman Niederberger (SPD), Bartl Wimmer (Bündnis 90 / Die Grünen), Michael Koller (Freie Wähler), Agnes Thanbichler (ödp), Manfred Dannhorn (Die Linke), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), und Martin Schön (Piraten) auf dem Podium.  Auch Manfred Dannhorn und Alfons Baumgartner vertraten bei der Diskussion die eigentlichen Kandidatinnen des Wahlkreises, respektive Rosi Mittermaier-Mühldorfer und Christa Summerer.

Schon in ihren Antworten zum Thema der Veranstaltung; „Agrarpolitik – Wie soll es weiter gehen?“ zeigten sich die Grundeinstellungen der KandidatInnen, die sich klar abgrenzten.  Dabei waren sich SPD, Grüne, Freie Wähler, Linkspartei, ödp, Piraten und Bayernpartei insofern einig, als sie sich für eine ökologischere Landwirtschaft einsetzen wollten.  Sie machten auch klar, dass dies nicht unbedingt „Voll-Bio“ meinen müsse, sondern auch der konventionellen Landwirtschaft, allerdings in einer ökologischeren Form, Raum gegeben werden soll.  Die Vertreter von CSU und FDP dagegen meinten, Veränderungen seien, wenn überhaupt, sicher nicht in großem Stil nötig.  Martin Fröschl von der CSU lobte dass deutsche und insbesondere bayerische landwirtschaftliche Produkte sehr gefragt seien und wir auf diesen Export, ohne Wenn und Aber, stolz sein sollten.  Wie alle anderen Teilnehmer an der Diskussion feststellten würden durch diese Exporte allerdings Existenzen in vielen Ländern bedroht, in die diese Exporte gehen.  Dort würden nämlich durch die oft stark subventionierten, billigen Importe aus Deutschland, in 2012 400000 Tonnen gefrorenes Geflügel nach Afrika, heimische Bauern um ihre Chancen auf dem Markt gebracht.

Auch in der Frage der Forschung und Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich ergaben sich gravierende Unterschiede bei den Kandidaten.  Niederberger, Wimmer, Koller, Dannhorn, Thanbichler, Baumgartner und Schön sprachen sich dafür aus, die landwirtschaftliche Ausbildung stärker an ökologische Richtlinien zu binden und die Verbindungen zwischen Bauern und Verbrauchern zu stärken und das Bewusstsein beider für die Umwelt zu schärfen.  Fröschl und Thalhammer meinten dagegen, die Ausbildung der Bauern in Deutschland sei auf einem so hohen Stand, dass wir eigentlich unsere Vorstellung der Landwirtschaft zumindest auf alle EU Länder ausweiten sollten.  Fröschl verbat sich sogar eine auch nur Infrage-Stellung der bisherigen Lehren der Landwirtschaft.  Thalhammer verwies bei praktisch jeder der Fragen auf den „Markt“, der alles zu richten imstande sei.  Insbesondere Agnes Thanbichler hielt gegen Ende der offenen Diskussionsrunde dem entgegen, es sei sehr gut an der Finanzkrise zu sehen wie gut der Markt wirklich arbeite und was er imstande sei anzurichten.  Michael Koller stimmte ihr zu mit „Der Markt reguliert sich nicht von selbst, es gibt immer Einflüsse“.  Auch bei der Frage, wie die landwirtschaftliche Forschung betrieben werden soll, ergaben sich große Differenzen.  Die meisten der Podiumsteilnehmer wünschten sich eine von Konzernen unabhängige Forschung, die transparent sei und in öffentlicher Hand läge, während Fröschl und Thalhammer kaum Einwände gegen eine Konzern-bestimmte und -finanzierte Forschung äußerten.

Bei der Frage nach Mindestlöhnen, auch in der Landwirtschaft, setzten sich sowohl Niederberger, als auch Dannhorn vehement für eine Einführung ein.  Dabei zitierte Niederberger den von der SPD angestrebten Mindestlohn von 8,50 Euro, während Dannhorn sogar 10 Euro forderte.  Mindestlöhne seien auch ein probates Mittel gegen Dumpingpreise, meinten die meisten der Podiumsteilnehmer, während Fröschl und Thalhammer eine Gefährdung der Wirtschaft durch Mindestlöhne sahen.  Insbesondere Wimmer meinte gegen niedrige Milchpreise für die Produzenten könnte durch einen freiwilligen Lieferverzicht, wie ihn der BDM fordert, Abhilfe geschaffen werden.

Der ideologische Spalt im Podium, zwischen den „Weiter so“ Kandidaten der CSU und FDP einerseits und den Reform- und Änderungswilligen Kandidaten von SPD, Grünen, Freien Wählern, Linkspartei, ödp, Bayernpartei und Piraten zog sich durch alle Fragen, mit denen die Teilnehmer konfrontiert wurden.  Dabei waren Unterschiede innerhalb der zwei Lager zwar erkennbar, aber nicht gravierend.

In der freien Diskussion ging Georg Linner, der Listenkandidat der Grünen aus Laufen noch auf das von der Regierung gewollte Freihandelsabkommen mit den USA ein.  Linner meinte die USA sähen darin ein geeignetes Mittel, ihre Vorstellungen von Landwirtschaft und die Gentechnik auch den Europäern aufzuhalsen und wollte deshalb klare und transparente Richtlinien, schon bevor die Verhandlungen anfingen.  FDP Kandidat Thalhammer meinte dazu er wolle jedenfalls ein Freihandels- und kein Einschränkungsabkommen.  Alois Beer von den Direktvermarktern zwischen Watzmann und Waginger See, kritisierte Subventionen, wenn diese zu 80 Prozent an die Industrie und Großkonzerne gingen, wie das jetzt der Fall sei.  Der Kreisvorsitzende des BDM Traunstein, Sepp Hubert, meinte wir hätten keine Massentierhaltung im BGL und Traunstein, aber das Image der Bauern werde durch Fehlverhalten und Panschereien der Industrie, die die eigentlich gesunden und guten Lebensmittel verarbeite, getrübt.

Schon zu Beginn der Podiumsdiskussion hatte Moderator Planthaler aus einer Rede von Robert Kennedy zitiert, die dieser im März 1968 gehalten hat.  Darin zählte Kennedy auf welche Dinge der BIP erfasst.  Dinge wie Unfälle, Umweltschäden, Katastrophen und Spekulation, aber er erfasse nicht das Wohlergehen, die Zufriedenheit und den Zusammenhalt der Menschen, meinte Kennedy.  Jetzt am Schluss der Veranstaltung ließ Planthaler die einem Indianerhäuptling in den Mund gelegte Weisheit hören, dass wenn der letzte Baum gefällt, die letzten Seen und Flüsse verunreinigt und der letzte Hirsch erlegt sei, die Menschen erkennen würden, dass man Geld nicht essen kann.

Auch der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, Leonhard Strasser meinte Landwirtschaft sollte nicht nur nach Marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt werden, sondern auch die Menschen, Tiere und die Umwelt sollten stärkere Beachtung finden.

Podiumsdiskussion Wahlkreis TS

Mehrheit für eine ökologischere Landwirtschaft und gegen Massentierhaltung

Podiumsdiskussion des Agrarbündnisses mit den neuen Kandidaten für die Landtagswahlen

Neun Parteien auf dem Podium, von links: Manfred Dannhorn (Linke), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), Gisela Sengl (Bündnis 90/Grüne), Dirk Reichenau (SPD), Diskussionsleiter Georg Planthaler, Markus Fröschl (CSU), Lothar Seissiger (Freie Wähler), Helmut Kauer (ödp), Manfred Dannhorn (Linke) und Tobias Thalhammer (FDP).(Foto Eder)

Neun Parteien auf dem Podium, von links: Manfred Dannhorn (Linke), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), Gisela Sengl (Bündnis 90/Grüne), Dirk Reichenau (SPD), Diskussionsleiter Georg Planthaler, Markus Fröschl (CSU), Lothar Seissiger (Freie Wähler), Helmut Kauer (ödp), Johannes Schmidt (Piraten) und Tobias Thalhammer (FDP).(Foto Eder)

Sondermoning. Neun Politiker – neun Meinungen? Zumal zum Thema Landwirtschaft! Das hätte man meinen können, angesichts der Podiumsdiskussion der neun Landtagskandidaten im Gasthaus Zenz in Sondermoning. Am Ende aber gab es eine klare Zweiteilung: Sieben Kandidaten waren für eine ökologischere Landwirtschaft als bisher, mit Sicherstellung einer artgerechten Tierhaltung und gegen Exporte in Drittländer. Zwei der Kandidaten jedoch waren mit dem Status quo durchaus zufrieden, betonten das Prinzip des Marktes und der Selbstbestimmung der Landwirte.
Wer jetzt glaubt, damit sei mehr ökologische Landwirtschaft in Bayern vorprogrammiert, könnte sich täuschen. Denn gerade diejenigen, die an der jetzigen Situation der Landwirtschaft nichts Wesentliches ändern wollen, sind die, die derzeit die Regierung in Bayern bilden und möglicherweise auch weiterhin bilden werden: CSU und FDP nämlich.
Interessanterweise waren zwei Herren für diese klare gemeinsame Frontenbildung verantwortlich, die nur vertretungsweise am Podium saßen: CSU-Bezirksrat Markus Fröschl für den erkrankten Klaus Steiner und MdL Tobias Thalhammer aus Neubiberg, der den Traunsteiner FDP-Kandidaten Dr. Walter Buggisch aus Bergen vertrat. Die andere Seite repräsentierten Dirk Reichenau
(SPD), Gisela Sengl (Bündnis 90/Grüne), Lothar Seissiger (Freie Wähler), Helmut Kauer (ödp), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), Manfred Dannhorn (Linke) und Johannes F. R. Schmidt (Piraten).
Der „ökologischen Mehrheit“ am Podium sprach Bayernpartei-Kandidat Baumgartner wohl aus der Seele, wenn er meinte, die Menschen seien dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören und die von Drittländern gleich mit – etwa durch die Futtermittelimporte und Lebensmittelexporte. Von daher sollte man sich soweit möglich auf die eigenen Ressourcen besinnen. Und Gisela Sengl fügte an, dass die Menschheit durchaus auch von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft ernährt werden könnte.

Fröschl dagegen war es wichtig zu betonen, dass der Bauern die Freiheit haben müsse, sein Land so zu bewirtschaften, wie er wolle. Und ohne den Export der „Prämiumprodukte“ aus Bayern wären die Landwirtschaft und die verarbeitenden Firmen „aufgeschmissen“. Dem schloss sich in dem Fall auch FW-Kandidat Seissiger an: Der Export, so sagte er, trage maßgeblich zu soliden Erzeugerpreisen bei; zudem seien bayerische Lebensmittel in der Tat in der ganzen Welt gefragt.
Diskussionsleiter Georg Planthaler vom Agrarbündnis Traunstein-Berchtesgadener Land, das dieses Podiumsgespräch initiiert hatte, stellte dazu fest, es seien hier in den Aussagen der Politiker doch gewisse Unterschiede zu erkennen: „Gut, dass sich die Wähler danach entscheiden können.“ Und er fügte noch eine spontane Umfrage nach, ob die Kandidaten für oder gegen die Einführung einer neuen genveränderten Maissorte sind. Alle sprachen sich dagegen aus – mit Ausnahme des FDP-Kandidaten, der einschränkte: „wenn es einen Rechtsanspruch gibt, dann ja“.
Als Instrumente zur Förderung von ökologischerer Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung wurden von den meisten Kandidaten entsprechende Zuschüsse ins Gespräch gebracht. Baumgartner meinte dazu, man brauche gewiss keine intensivere Landwirtschaft, da fast die Hälfte der produzierten Lebensmittel weggeworfen werde. FDP-Vertreter Thalhammer legte dagegen Wert auf die Feststellung, dass der Landwirt ein freier Unternehmer sei. Aufgabe der Politik müsse es aber sein, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. In den EU-Ländern müssten überall die gleichen Standards gelten. Und Fröschl stellte fest, die Bauern würden sich schon aus eigenem Interesse darum kümmern, dass ihre Tiere gut gehalten und gesund seien.
SPD-Kandidat Reichenau sprach sich für bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln aus, die Konzerne sollten an den Kosten von Kontrollen beteiligen, forderte er, und die SPD sei, wie sagte, gegen Patente auf Leben und gegen Gentechnik. Außerdem sollten die Tiertransporte aufs Notwendige reduziert werden.
Eine längere Diskussion mit sehr unterschiedlichen Positionen gab es auf dem Podium zum Thema Massentierhaltung. Während die eine Seite sich vehement dagegen aussprach – Linken-Kandidat Dannhorn: „Massenhaltung ist da, wo man die Tiere nicht mehr beim Namen kennt“ – stellte sich FDP-Mann Thalhammer auf den Standpunkt, es müsse für die Menschen mit weniger Geld auch billigeres Fleisch produziert werden. Was wiederum den Piraten-Vertreter Schmidt zu der Aussage brachte, jeder, der für Massentierhaltung sei, sollte sich solche Ställe einmal selber anschauen.
Auch Mindestlöhne waren ein Thema – wieder eindeutig in die beiden Fronten getrennt. Moderator Planthaler bezog da auch selber Stellung: Arbeit müsse einfach anständig entlohnt werden – was auch möglich sei: Denn Deutschland sei das Land, in dem Lebensmittel so billig seien wie sonst nirgendwo auf der Welt. Gisela Sengl sprach die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand und des Tourismus an. Krankenhäuser oder Altenheime sollten ihre Lebensmittel lieber in der Region als bei den großen Ketten einkaufen. Dem schloss sich auch Kauer an und kritisierte dabei die Vorschrift, europaweit ausschreiben zu müssen.
Als dann gegen 22 Uhr die Diskussion für die rund 60 Besucher eröffnet wurde, kritisierte der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner den FDP-Vertreter Thalhammer, der sich immer auf die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen berief: „Sie sind doch diejenigen, die die rechtlichen Grundlagen ändern können.“
Das Preisargument wollte BDM-Vertreter Albert Aschauer nicht gelten lassen: „Alle könnten sich etwas höhere Preise leisten, sonst würde nicht soviel weggeworfen.“ Es sei zwar richtig, dass die Politiker den Milchpreis nicht festsetzen könnten, aber sie könnten für die Bauern die Marktinstrumente so gestalten, dass diese auf Augenhöhe mit der Ernährungsindustrie und den Molkereien verhandeln können.
Gegen die FDP-Devise, jeder könne wirtschaften, wie er wolle, wandte sich AbL-Bundesvorsitzende Gertraud Gafus: „Die Folgekosten zahlen wir alle.“ Auch das Thema Biogas in Verbindung mit den daraus resultierenden hohen Pachtpreisen und einer zumindest fragwürdigen Ökobilanz wurde noch angesprochen. Seissiger erwähnte in dem Zusammenhang, dass 75 Prozent der Biogasanlagen bereits in den Händen von Konzernen seien. Uneingeschränkt dafür sprach sich wiederum nur FDP-Mann Thalhammer aus, der sich als „großer Befürworter“ dieser Energieform bezeichnete.
Diskussionsleiter Planthaler war am Schluss sehr zufrieden mit den (angehenden) Politikern. Er sei überrascht, sagte er, wie gut und reibungslos die Diskussion verlaufen sei, trotz der vielen Kandidaten. Die Vorgehensweise war so gewesen, dass jeder Redner immer nur maximal eineinhalb Minuten Zeit hatte – und er nach Ablauf dann auch von einer Klingel gestoppt wurde. Der Umgang untereinander, so lobte Planthaler, sei anständig und fair gewesen. In der Tat hatte es keinerlei gegenseitigen Angriffe gegeben, jeder hatte sich auf seine eigenen Aussagen und sein eigenes Programm konzentriert und das der anderen unkommentiert gelassen.
Lediglich CSU-Mann Fröschl und FDP-Vertreter hatteg einige ihrer Mitstreiter zwischendurch mal kritisiert, als diese ihrer Meinung nach zu vorschnell den Bauernverband als wesentliche Ursache vielen Übels in der Landwirtschaft genannt hatten. Immerhin aber räumte Fröschl ein, dass neben Politik, Industrie, EU auch der Bauernverband seinen Teil zur aktuellen Situation beitrage.