David gegen Goliath

Die Partnerschaft zwischen dem Agrarbündnis BGL / Traunstein und der Anti-Agro-Gentechnik Organisation INTERSOL aus Bolivien kommt in Gang.  Bei einem Treffen in Weibhausen legte der Österreicher Dr. Hans Eder, Initiator von INTERSOL, dar welche Ziele die Organisation in Bolivien verfolgt und mit welchen Schwierigkeiten sie sich dabei auseinanderzusetzen hat.  „Es ist ein Kampf wie David gegen Goliath“, sagte Dr. Eder, denn die übermächtige Gentechnik-Lobby hat die größten Teile der bolivianischen Landwirtschaft vereinnahmt und sie auf den Gentechnik-Kurs getrimmt.  Schon 98 Prozent des in Bolivien angebauten Soja ist gentechnisch verändert.

In seiner Begrüßung hatte Leonhard Straßer vom Agrarbündnis BGL / Traustein gesagt, dessen Ziel sei es die kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtschaft, mit der dazugehörigen Kulturlandschaft, Artenvielfalt und regionaler Lebensmittelversorgung zu erhalten und zu fördern.  Das gelte aber auch für alle anderen Regionen der Erde und der Weltagrarbericht habe bestätigt, dass dies die beste Möglichkeit sei, die Ernährungssicherheit für die Weltbevölkerung sicherzustellen.

Das Agrarbündnis habe erkannt, unsere Landwirtschaft werde aber in eine Richtung gelenkt, die für Bauern nicht Zukunftsfähig ist, auch dem Verbraucher nicht diene und dabei auf Dauer die natürlichen Lebensgrundlagen zerstöre.  In Gesprächen mit Politikern, Verbänden und Behörden stießen die Bündnismitglieder aber oft auf taube Ohren, oder bekämen zu hören: „Ihr habt ja recht, aber das ist eben so, da kann man nichts ändern!“.  „Wir wollen aber etwas ändern“, sagte Straßer „und werden nicht aufgeben den sprichwörtlichen Finger in die Wunden zu legen“.  Das Agrarbündnis fordere eine sozial gerechte, bäuerliche, ökologische, umweltschonende und nachhaltige Landwirtschaft auf lokaler, regionaler, EU- und Weltweiter Ebene.  Deshalb würde das Agrarbündnis auch Projekte, wie jenes von Dr. Hans Eder und INTERSOL in Südamerika unterstützen.  Die Ziele des Agrarbündnisses und INTERSOL seien Deckungsgleich und mit der Zusammenarbeit solle ein Zeichen gesetzt werden, meinte Straßer.

Bei INTERSOL und dem damit verbundenen PROBIOMA Projekt in Bolivien seien es vor allem die Frauen, die gegen die Agro-Gentechnik kämpfen, beteuerte Dr. Eder.  INTERSOL versuche sie in Schulungen auf die Gefahren der umstrittenen Technik aufmerksam zu machen.  Es mutet fast komisch an, sagte Dr. Eder, die Männer sitzen für Hungerlöhne auf einem Riesentraktor und sprühen Pestizide, während die Frauen für eine gentechnikfreie Landwirtschaft kämpfen, weil sie sehen dass ihre Kinder von eben diesen Pestiziden krank werden.

Um den Umfang und Zuwachs der durch den Druck von Gentechnik-Firmen, Großgrundbesitzern, Banken und auch der Politik vorangetriebenen Gentechnik zu veranschaulichen, zitierte Dr. Eder einige Fakten.  In 2001 seien in der Nord-Zone Boliviens 1,226 Millionen ha Urwaldfläche gerodet worden, in 2010 waren es 2,528 Millionen.  In der West-Zone waren es 2001 1,578 Mil. ha, in 2010 3,638.  In 2005 wurden 80 Prozent des Soja Gentechnikfrei produziert, in 2012 waren es nur noch zwei Prozent.

Zum Thema „Großgrundbesitzer“ sagte Dr. Eder, diese lebten nicht etwa auf ihrem Land, das sie oft während der Diktatur von Hugo Banzer, nicht unbedingt rechtmäßig, „erworben“ hätten, sondern in ihren städtischen Villen.  Dementsprechend würden sie sich auch wenig um das Wohl ihrer Arbeiter scheren und nur den Profit beachten, den ihr Land abwerfe.  Um diesen zu sichern, beschäftigten manche sogar Privat-Milizen, oder para-Polizisten, die eigentlich nichts weiter seien als Schlägerbanden und praktisch alle versuchten ohnehin Politiker und Behörden zu korrumpieren.  Viele der Großgrundbesitzer seien auch brasilianische Investoren, die den Handel internationalisieren wollten für Märkte in den USA, Europa und Asien.  Auch die Weiterverarbeiter seien globalisiert, sagte Dr. Eder und ihre Zielgruppen seien die Landwirtschaft und KonsumentInnen im „reichen“ Europa, mit dem sie in wirtschaftlicher Hinsicht durch die früheren Kolonialmächte noch immer die meisten Verbindungen haben.

Die Großgrundbesitzer und die Agrarindustrie seien in dieser Gleichung die „Goliaths“, während Organisationen wie INTERSOL und das damit verbundene „PROBIOMA“ als „Davids“ gegen die Übermacht dieser Goliaths kämpfen.  Besonders werde dabei auf die Erhaltung der kleinbäuerlichen Strukturen, ökologischen oder Bio-Landbau und die Erhaltung der Artenvielfalt geachtet.  Dabei werde oft spezifisch mit Frauengruppen gearbeitet, denn diese seien offener und zugänglicher für die Sicherung örtlich bewährter Sorten von Mais, Soja, Zuckerrohr und anderen Feldprodukten und der Etablierung oder Erhaltung lokaler und regionaler Märkte.  Diese Initiativen gelte es zu stärken durch den Aufbau und die Förderung von Öffentlichkeits- und politischer Arbeit und internationaler Beziehungen und Kooperationen.

Deshalb sei er auch sehr froh beim Agrarbündnis BGL / Traunstein ein offenes Ohr für seine Anliegen gefunden zu haben, sagte Dr. Eder.  Implizit war dabei zu hören, die Kooperation könne ohne weiteres im kleinen Rahmen und als kleines Projekt beginnen.  Wie jemand in der Versammlung meinte könnten dabei die „Eine Welt“ Läden im Agrarbündnis prüfen, ob nicht einige der Produkte aus dem INTERSOL / PROBIOMA Projekt in ihr Sortiment passen würden.

Jedenfalls wollen das Agrarbündnis und INTERSOL auch weiterhin im Gespräch bleiben und ausloten wie und in welchem Umfang eine Kooperation bewerkstelligt werden kann.  Dr. Eder bedankte sich abschließend bei den Agrarbündnis Mitgliedern und meinte dies sei ein guter Anfang.