Glyphosat – Ein Herbizid mit Nebenwirkungen

Teisendorf. (al) „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist. Oft lehrt man auch Wahrheit und Irrtum zugleich und hält sich an letzteres“, mit diesem Zitat von J. W. v. Goethe fing kürzlich Prof. Dr. Monika Krüger in der Alten Post in Teisendorf ihr Referat über das Herbizid Glyphosat an. Sie zitierte auch Papst Franziskus, der sagte; „Diese Technologie ist mit der Finanzwelt verbunden!“.
Zum Referat und der nachfolgenden Diskussion hatte die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V.), Regionalgruppe Chiemgau – Inn Salzach und Zivil-Courage, unterstützt vom Agrarbündnis BGL/TS eingeladen. Georg Planthaler von der AbL begrüßte die Anwesenden im fast vollen Saal. Speziell begrüßt wurden neben Dr. Krüger auch Alfons Leitenbacher, Leiter des Landwirtschaftsamtes in Traunstein, Dr. Ute Künkele, vom Institut für Umweltberatung und Pollenwarndienst, Markus Putzhammer, Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau im BGL und Markus Milkreiter, Braumeister der Brauerei Stein.
In ihrem Referat erläuterte Dr. Krüger die Geschichte von Glyphosat, die chemische Zusammensetzung und die Wirkungsweise dieses in der Landwirtschaft und auch von Gärtnern und Organisationen, wie der Bahn, meistbenutzten Herbizids. Es werde seit 1970 von Monsanto produziert und sei in 1974 in den USA als Totalherbizid zugelassen worden. Der Gebrauch der Chemikalie sei in der EU seit 1996 erlaubt und sie werde seither als systemisches, nicht selektives Herbizid auch hierzulande verwendet. Weltweit seien in 2010 6,5 Millionen Tonnen des Pflanzengifts angewandt worden, sagte Dr. Krüger. Insbesondere in den USA und Südamerika werde „Roundup“ ein Spritzmittel, dessen wichtigster Wirkstoff Glyphosat ist, auf Feldern ausgebracht, auf denen Nutzpflanzen, wie Soja, Raps und Mais, durch ein implantiertes Gen gegen das Gift resistent sind. In Europa werde Glyphosat, seit dem Ablauf des Patentschutzes für Monsanto, auch von anderen Chemiegiganten hergestellt und in vielen Spritzmitteln verwendet. Es sei für die Chemiegiganten zu einem Faktor geworden, der als „Too Big to Fail“ und Systemrelevant gelten könne. Der Umsatz von Spritzmitteln mit Glyphosat weltweit im Jahr 2012 habe 5,46 Mrd. Dollar betragen und Monsanto erwirtschafte die Hälfte seines Einkommens mit Roundup und dem dazu passenden gentechnisch veränderten Saatgut. Ein Verbot würde also gravierende Verluste für die chemische Industrie bedeuten, im Falle von Monsanto möglicherweise sogar das Ende des Konzerns, sagte Dr. Krüger. Ein Glück für die Industrie also, dass sie sich bisher auf die Willfährigkeit der Regulierungsbehörden und Gesetzgeber verlassen konnte. Diese hätten für die Freigabe von Glyphosat größtenteils von den Herstellern selbst erstellte und verifizierte Prüfergebnisse als Grundlage verwendet, sagte die Referentin. Dabei würden unabhängige Studien kaum, wenn überhaupt berücksichtigt. In den letzten Jahren hätten sich jedoch Hinweise verdichtet, die Glyphosat als gefährlicher zeigen als bisher angenommen. Das Pflanzengift stehe unter Verdacht, Fortpflanzung und Embryonalentwicklung zu stören, sowie bestimmte Krebserkrankungen zu begünstigen sagte Dr. Krüger. Außerdem hemme es die Aufnahme von Spurenelementen, sowohl bei Pflanzen, als auch bei Tieren, was langfristig zu Schwächungen des Organismus führen könne.
Prof. em. Dr. Monika Krüger hat die Auswirkungen von Glyphosat auf kleine Haustiere und Nutztiere, mit Schwerpunkt Rinder, untersucht. Dabei habe Krüger gefährliche Glyphosat Rückstände in Blut und Urin von Tieren, Menschen und in Lebensmitteln nachweisen können. Bei Rindern sei auch ein Zusammenhang zwischen Rinder- und Kälbersterben durch Botulismus, sowie Ferkelmissbildungen durch Glyphosat über die Futtermittelkette in Deutschland und Dänemark nachgewiesen worden, so Krüger.
Dr. Krüger sagte in ihrem Vortrag, Beurteilungen, die Glyphosat Ungefährlichkeit attestierten seien vor allem dem Einfluss der Industrie und der von der Politik bisher geforderten und geförderten industriellen Landwirtschaft zu verdanken. Der Einsatz von Glyphosat mache diese Landwirtschaft nämlich erst möglich, weil andere, natürliche Methoden zur Unkrautbekämpfung arbeitsintensiver seien und mehr Zeit in Anspruch nehmen würden. Auch die Massentierhaltung würde erschwert, denn das Futtermanagement bei großen Tierbeständen wäre ohne Glyphosat kaum möglich. Dazu seien nämlich die gentechnisch veränderten Sojabohnen aus Nord- und Südamerika als wichtigster Rohstoff vonnöten. Das hieße, die Tierhaltung müsste auf andere Futtermittel umstellen.
In einem kurzen Beitrag vor der allgemeinen Diskussion erläuterte Markus Milkreiter, Braumeister der Brauerei Stein noch das Konzept der Brauerei zur Beschaffung von Braugerste ausschließlich aus der Region und der strengen Beachtung von Regeln, durch die dieses Getreide Glyphosatfrei gehalten werde.
In der Diskussion wollte Alfons Leitenbacher wissen, wieso es eine ungleichmäßige Verteilung von Botulismus in Rindern gebe. Dr. Krüger meinte dazu, es hätten auch andere Faktoren als nur Glyphosat Einfluss darauf. Über ihren Zugang zu Politikern und relevanten Behörden berichtete Dr. Krüger, sie könne, mit wenigen Ausnahmen, nur sehr begrenztes Interesse an ihren Befunden feststellen. Ob das Freihandelsabkommen TTIP, trotz eines möglichen Verbots von Glyphosat in der EU, eine Möglichkeit zur Zulassung darstellen würde, fragte ein anderer Diskussionsteilnehmer. Dr. Krüger sagte, das wäre sicher der Fall, denn dieses Abkommen würde zu einer gegenseitigen Anerkennung von Standards führen und damit den Amerikanern Tür und Tor öffnen, den Europäern Dinge wie Glyphosat aufzuzwingen. Europäische Hersteller könnten bei einem Verbot von Glyphosat in Europa zudem einen Wettbewerbsvorteil der Amerikaner zitieren und dadurch ebenfalls die Zulassung des Herbizids erreichen. Einer aus dem Publikum forderte nicht nur das Verbot von Glyphosat, sondern aller Nervengifte die Mensch und Tier schädigen könnten. Leonhard Strasser vom Agrarbündnis BGL/TS meinte, es gehe darum, ob sich Menschen Lebensmitteln anpassen müssten, die durch Chemikalien verseucht sind, oder ob es auch weiterhin Lebensmittel gebe, die von Natur aus dem Menschen angepasst sind. Insgesamt wurde in der Diskussion das Staunen über die Dreistigkeit offenbar, mit der Behörden wie das BfR und die Politik bei der Wiederzulassung von Glyphosat handeln.
Abschließend wies Georg Planthaler auf das Wahlverhalten bei der Abstimmung hinsichtlich der Wiederzulassung von Glyphosat im Bundestag hin. Aus den Fraktionen von CDU und CSU habe es nur zwei Gegenstimmen gegeben und auch von der SPD wäre nur eine Gegenstimme gekommen. Nur die Fraktionen der Grünen und der Linken stimmten geschlossen gegen eine Wiederzulassung. Planthaler meinte, dies sollte bei kommenden Wahlen berücksichtigt werden. Auf eine Frage hin sagte Planthaler auch, er finde es schade, zu einem so hochkarätigen Vortrag keine Politiker, Landwirtschaftsberater, Verbandsvertreter und Vertreter der Fachpresse begrüßen zu können.

Sehr aufschlussreiche Referate über das Pflanzengift Glyphosat und die Beschaffung von Getreide aus der Region zum Bierbrauen, hielten Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig und Braumeister Markus Milkreiter (r.), hier mit Gastgeber Georg Planthaler von der AbL.

Sehr aufschlussreiche Referate über das Pflanzengift Glyphosat und die Beschaffung von Getreide aus der Region zum Bierbrauen, hielten Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig und Braumeister Markus Milkreiter (r.), hier mit Gastgeber Georg Planthaler von der AbL.

Advertisements