Agrarpolitischer Frühschoppen auf der Fürmannalm

 

Anger. (al) Trotz des zeitweise recht widrigen Wetters war das Hoffest im Rahmen der „Bayerischen Öko-Erlebnistage 2014“ auf der Fürmannalm bei Anger hervorragend besucht. Das Programm des Hoffestes war aber auch dazu angetan, denn es gab nicht nur die versprochenen Bio-Schmankerl, wie veganen Eintopf, saftigen Pinzgauer Ochsenbraten, Ochsengulasch und Ochsenfleckerl vom Grill und vieles mehr, sondern auch viele Informationen von verschiedenen Organisationen, wie der AbL, dem BDM, dem Agrarbündnis BGL / Traunstein, Bund Naturschutz, Attac und weiteren aus Bereichen der Landwirtschaft, Naturschutz und Eine Welt Initiativen. Die musikalische Umrahmung des Öko-Tages übernahm die „Weißbiermusi“ mit ihren schneidigen Stücken. Zudem fand schon am Vormittag ein „agrarpolitischer Frühschoppen“ mit namhaften Teilnehmern statt.

Zu diesem Frühschoppen konnten die Almbesitzerin Gertraud Gafus und der Leiter des Landwirtschaftsamtes Traunstein, Alfons Leitenbacher als Referenten Dr. Josef Heringer, Landschaftsökologe und früherer Leiter der ANL Laufen (Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege), Christoph Fischer, von EM (Effektive Mikroorganismen) Chiemgau, Sepp Schmid, Landesvorsitzender der AbL Bayern und Georg Planthaler begrüßen. Die vier beleuchteten verschiedene Aspekte der ökologischen Landwirtschaft und ihre Auswirkungen auf Menschen, Tiere, den Boden und die Umwelt generell. Alfons Leitenbacher sagte in seiner Begrüßung, Bio gewinne, gegenüber der konventionellen Landwirtschaft an Bedeutung und werde immer beliebter, obwohl wir in dieser Beziehung in Deutschland noch hinter unseren Nachbarn Österreich und Schweiz zurückbleiben. Es zahle sich aus regional und bio einzukaufen, meinte Leitenbacher, denn dabei blieben die Strukturen überschaubar und die Lebensmittelsicherheit sei besser zu gewährleisten. Die Veränderungen hin zu „Bio“ seien langsam, aber der Trend ginge definitiv in diese Richtung.

Sepp Schmid als erster der Redner, prangerte die Werbung an, generell immer mit Billigprodukten und Niedrigpreisen zu locken. Der Verbraucher müsse stattdessen darauf hingewiesen werden, vernünftig einzukaufen, sagte Schmid. Auch der Handel sei gefordert, die Wege, Methoden und Strukturen unter denen Lebensmittel erzeugt werden klar darzulegen. Es könne nicht sein, Milliarden für Chemieprodukte in der Landwirtschaft auszugeben und natürliche Methoden und Prozesse zu benachteiligen. Da würden, sowohl in der Politik als auch der Wirtschaft oft falsche Weichen gestellt. Die größten Zuschüsse und Förderungen erhielten unter den jetzigen Prämissen jene Betriebe, die in biologischer Hinsicht die geringsten Leistungen erbrachten.

Christoph Fischer bezeichnete den Boden als unser wichtigstes Gut, egal ob er bio oder intensiv bearbeitet würde. „Wir müssen Wege finden, den Boden nicht zusätzlich zu strapazieren“, denn einmal zerstört könne der Boden keine guten Leistungen erbringen. Dabei sei nicht nur darauf zu achten, was wir dem Boden an Nährstoffen und Substanz entnehmen, sondern auch was wir ihm durch Gülle und Mist zufügen. Die Mikrobiologie gehe auf verschiedene Weise mit Stoffen um. Würde dem Boden zu viel Stickstoff zugeführt, trage dies zum Klimawandel bei, sagte Fischer als Beispiel. Fischer machte dann einen Diskurs in die Anwendung von „Terra preta“, der vor Allem im Amazonasgebiet gefundenen „Schwarzen Erde“, eines Bodens, der besonders fruchtbar ist und sehr gut sowohl Nährstoffe, als auch Stickstoff speichert. Solche Böden, die es auch hier gibt und bei denen jetzt angefangen wird, sie sozusagen zu züchten, könnten einen großen Beitrag zu einer dauerhaft verträglicheren Landwirtschaft leisten. Leider seien wir in unserer klassischen Ausbildung für die Landwirtschaft zu sehr weggekommen von einer ganzheitlichen Betrachtung der Bedingungen und der natürlichen Prozesse, meinte Fischer abschließend.

Georg Planthaler sagte er habe zuerst an seinen Tieren gemerkt, was fehlt, oder was richtig ist. Als er umgestellt habe auf die Bio-Landwirtschaft seien seine Tierarztkosten gesunken. Bei Werbung für Produkte für die Landwirtschaft würden nie die möglichen Nebenwirkungen von Inhaltsstoffen erklärt, sagte Planthaler. Dabei sei gerade das sehr wichtig, denn oft gelangten diese auch in landwirtschaftliche Produkte, die für Menschen bestimmt seien. Chemikalien, Antibiotika, Spurenelemente und dergleichen in der Tierhaltung hätten bewiesenermaßen auch Auswirkungen auf Menschen. Schuld dabei sei vor Allem die Massentierhaltung, meinte Planthaler, durch die solche Maßnahmen, wie vorsorgliche Antibiotikabehandlungen, nötig geworden seien. Es sei „Wahnsinn“, meinte Planthaler immer größere Ställe zu bauen und mit den Abfällen aus der Massentierhaltung die heimischen Böden zu überlasten und zu vergiften, während das Fleisch und andere Produkte exportiert würden. Oft genug auch noch zu subventionierten Billigstpreisen, durch die Bauern in anderen Teilen der Welt in den Ruin getrieben würden.

Dr. Heringer begann sein Referat mit einem Zitat von Mahatma Ghandi; „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier“. Unsere Wirtschaftsform verleite aber dazu die Gier walten zu lassen, meinte Dr. Heringer. Diese Wirtschaftsform ziele auf Verschwendung und „kriegen wollen“, was schon vom Wortlaut her zu „Krieg“ führe, durch den unablässigen Wettbewerb für Alles, vom Boden bis zu Ländern, wie jetzt gerade in der Ukraine deutlich werde. Dort seien der Westen und Russland im Wettbewerb um dieses Land, eines der fruchtbarsten der Welt. Freiheit und Demokratie würden vorgeschoben um den erbitterten Wettbewerb von westlicher Seite zu kaschieren und vertretbar zu machen, obwohl es in Wirklichkeit um wirtschaftliche und politische Interessen gehe. Auch wir hätten eine der begütertsten Landschaften der Erde und sollten uns deshalb bemühen damit besser und so sorgsam wie möglich umzugehen. Wir degradieren unseren Boden mit Pflanzen wie Mais, der bekanntermaßen die Erde auslaugt. Ein Weg zu besserem Umgang wäre eine gute Bewirtschaftung zu „honorieren“, statt eine schlechte zu „subventionieren“, meinte Dr. Heringer. Dr. Heringer sagte auch, statt in unserer eigenen und der Weltwirtschaft auf immer mehr „Maschinenpower“ zu setzen sollten wir uns rückbesinnen auf unseren „Manpower“ und dadurch Arbeitsplätze schaffen. In der Landwirtschaft in unterentwickelten Ländern arbeiteten heute noch 60 Prozent der Arbeitskräfte. Viele von den Konflikten in diesen Ländern rührten daher, dass junge Männer ihre Arbeitsplätze verlören und das größte Potenzial für Kriege gehe eben von arbeitslosen jungen Männern aus. Dr. Heringer plädierte in diesem Zusammenhang für eine Vermenschlichung der Maßstäbe in der Wirtschaft, wie sie der Oberndorfer Philosoph Leopold Kohr gefordert habe, statt des immer mehr und immer größer, für das in unserer Wirtschaft plädiert werde.

Gertraud Gafus bedankte sich nach diesem aufschlussreichen Frühschoppen bei den Referenten und die Zuhörer in der großen Scheune bedankten sich ebenfalls mit viel Applaus, bevor sie sich zu Mittag den Genüssen draußen auf dem Hoffest widmeten.